zum 50sten in der serengeti - welt der chaggas

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Am nächsten Morgen stand ich früh auf, um den Sonnenaufgang zu beobachten. Kurz nach 6:00 Uhr war ich auf der Terrasse und freute ich mich, den Kilimandscharo zu sehen. Die anderen folgten mir nach und nach. Das anschliessende Frühstück war genau nach meinem Geschmack. Besonders angetan hatte es mir eine herrliche Maracuja-Marmelade, die erfrischend fruchtig und überhaupt nicht süss war.

      

Frisch gestärkt brachen wir zu einer Wanderung auf. Wir waren im Gebiet der Chaggas, einer der grössten Stämme in Tansania, unterwegs. Auch Hillari, unser heutiger Guide, und sein Freund Edmund gehörten dem Stamm der Chaggas an. Im Wald wuchsen vor allem Bananen und Kaffee, aber auch andere Früchte und Pflanzen. Wir sahen Affen herumtoben, Eichhörnchen von Ast zu Ast springen und viele Chagga-Frauen, die schwere Lasten die teils steilen Wege hinauftrugen. Bei den Chaggas waren es in der Regel die Frauen, die arbeiteten, weil sie besser verdienten, als die Männer.

   

An einer Schule machten wir Halt, um mehr über das Bildungswesen zu erfahren. Die Schule wurde von Chamäleon unterstützt. Die Kinder freuten sich, uns zu sehen und klatschten jeden von uns ab. Sie posten vor den Kameras, wollten die Ergebnisse sehen und ein Junge versuchte mir eine Heuschrecke unterzujubeln, die ich dankend ablehnte.

Mit sieben Jahren kamen die Kinder für sieben Jahre in die Primarschule. Es gab viele dieser Schulen, so dass die Fusswege kaum mehr als zwei Kilometer betrugen. Wer die Prüfung bestand und die finanziellen Möglichkeiten hatte, konnte in die Sekundarschule, in der ausschliesslich in Englisch unterrichtet wurde. Diese Einrichtungen waren viel seltener, so dass lange Schulwege in Kauf genommen werden mussten. Hin und zurück legte Hillari einen täglichen Fussmarsch von 57 Kilometern zurück, wie er uns erzählte.

      

Die Kinder hatten Mittagspause und viele waren auf dem Heimweg, als wir weiter gingen. Sie grüssten alle fröhlich und ein Mädchen ging an Katjas Hand. Als ich sie anschaute, streckte sie mir die andere Hand entgegen und so wanderten wir zu dritt minutenlang still nebeneinander her. Salim fragte das Mädchen, ob es denn auch wirklich noch auf dem richtigen Weg wäre, was es bestätigte. Als wir abbogen, liess es die Hände los und ging alleine weiter, nicht ohne sich immer wieder nach uns umzudrehen.

  

Die Wanderung war sehr schön, auch wenn es inzwischen ziemlich warm war. Nur der Durst plagte mich und so langsam wäre ich froh, wenn eine Toilette in Sicht käme. Zum Mittagessen sollte es zu Mama Rosa gehen, worauf ich mich sehr freute. Da einige von uns nicht gut zu Fuss waren, verschob sich die Pause in den Nachmittag. Das erste kalte Kilimanjaro-Bier war eine herrliche Erfrischung. Zu essen gab es einheimische Kost, die mir sehr mundete. Vor allem das Pilau, das aus gut gewürztem Reis und in diesem Fall Rindfleisch bestand, schmeckte mir sehr. Zum ersten Mal konnte ich auch den Okraschoten etwas abgewinnen, die ansonsten nicht zu meinen Lieblingsgemüsen gehörten.

Die Mama Rosa war eine Frau Mitte 80 mit weissem Haar, schwarzem Gesicht und wie es sich für eine richtige Mama gehörte, war sie etwas mollig. Rudi ging zu ihr hin und sagte: "Ich bin da Rudi!", worauf sie meinte, dass sie einen "Damudi" kenne. Von da an war unser Rudi nur noch "Darudi".

Zum Abschluss des Mittagessens bekamen wir die Spezialität der Chaggas, das "Mbege" zu probieren. Dabei handelte es sich um ein Bananenbier - ein Gebräu aus Bananen und Hirse. Ich glaube, es war Carmen, die den ersten Schluck probierte und das Gesicht verzog. Das Getränk sah gewöhnungsbedürftig aus, da die gemahlene Hirse darin herumschwamm und es roch rauchig. Ich war positiv überrascht ab dem Geschmack. Es schmeckte säuerlich und rauchig, aber nicht bitter, wie ich befürchtet hatte. Reiner mochte es sogar ganz gerne und erfreute unsere Gastgeber, indem er sein Glas erneut füllen liess. Alle anderen verzichteten dankend und griffen wieder zu Bier, Cola oder Wasser. Auch ich würde mir kein Mbege bestellen, konnte es aber ohne Probleme trinken.

  

Von der Mama Rosa aus war es nicht mehr weit zur Kaliwa-Lodge, wo wir uns mit Marvin, dem deutschen Hotelmanager unterhielten. Wir hatten bereits jetzt festgestellt, dass wir den Bedarf an Ein-Dollarnoten für diverse Trinkgelder deutlich unterschätzt hatten. Deshalb wechselte uns Marvin eine grössere Note in einen Stapel dieses begehrten Papiers.

Zum Sonnenuntergang waren wir wieder auf unserer geliebten Terrasse, von welcher aus der Kilimandscharo in schönem Licht erstrahlte. Auch das heutige Abendessen mundete allen, was mir sehr gefiel, denn ich finde es schlimm, wenn gemeckert und gemosert wird.