Sonnenfinsternis auf Menorca
Sonnenfinsternis auf Menorca

sonnenfinsternis auf menorca - abschluss in maó

von der festung zum burger king

Nach zwölf Tagen heisst es Abschied nehmen von Cala Galdana. Um 10:00 Uhr checken wir im ARTIEM Audax aus, verstauen unser Gepäck im Fiat und machen uns auf den Weg nach Mahón.

Unser nächstes Zuhause ist das Boutique Hotel Sant Roc mitten in der Altstadt. Im Vorfeld habe ich angefragt, ob wir unser Gepäck schon vor dem Check-in deponieren dürfen. Die Antwort kommt prompt und freundlich: Selbstverständlich können wir die Koffer vorbeibringen, und falls unser Zimmer schon fertig sei, dürften wir sogar gleich einziehen.

Als wir kurz vor 11:00 Uhr vor dem Hotel stehen, ist das Zimmer natürlich noch nicht bereit. Für das Ausladen dürfen wir uns kurz auf den Umschlagplatz vor dem Hotel stellen. Ein freundlicher Rezeptionist nimmt unser Gepäck entgegen und erklärt uns, dass wir eine WhatsApp-Nachricht bekommen, sobald das Zimmer bezugsbereit ist. Perfekt. So können wir die Koffer hierlassen und mit der leeren Pelotilla weiterfahren.

Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zur Fortaleza La Mola, der gewaltigen Festungsanlage am Eingang zur Hafenbucht von Mahón.

Schon bei der Ankunft ist klar: Heute wird es heiss. Sehr heiss. Wir haben Wasser dabei und trinken regelmässig. Trotzdem begleitet uns ständig dieses Gefühl, eigentlich noch mehr trinken zu müssen. Die Wege durch die riesige Anlage tun ihr Übriges.

Die Fortaleza La Mola, auch Fortalesa de la Mola oder Festung Isabella II. genannt, beeindruckt nicht nur durch ihre Ausmasse. Besonders faszinierend finde ich die unterirdischen Gänge. Kühl und dunkel führen sie tief ins Innere der Festung – eine willkommene Abwechslung zur erbarmungslosen Sonne.

Beim letzten Gang allerdings schwindet meine Begeisterung etwas. Vor uns läuft ein Paar. Es verschwindet nach gefühlten Stunden irgendwo in der Dunkelheit. Der Gang muss also tatsächlich irgendwo enden.

Wir laufen weiter.

Und weiter.

Irgendwann biegt der Gang ab und geht einfach weiter. Am Ende dieses Tunnels wartet eine lange Treppe auf uns, die wieder direkt in die Nachmittagshitze führt. Die Entscheidung ist gefallen, es reicht!

Die Ausblicke entschädigen uns allerdings immer wieder für die Anstrengung. Von der Festung aus öffnet sich der Blick über das Meer und die Hafeneinfahrt von Mahón. Trotz Hitze, Durst und einer inzwischen schmerzenden Blase an meiner Ferse ist der Besuch beeindruckend.

Fortalesa de Isabel II (Maó)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

El Hornabeque (Fortalesa Isabel II)

Galeria Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Galeria Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Carro Trinquival (Fortalesa de Isabel II)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

Fortalesa de Isabel II (Maó)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

Galerías subterráneas (Fortalesa de Isabel II)

"La Pedra i el Llibre. Utopies 2" von Joan Bennàssar (Fortalesa Isabell II)

Blick auf das Hornwerk-Theater von La Mola, das Fort Sant Filipet und die Hafeneinfahrt von Maó (Fortalesa de Isabel II)

Blick über die schmale Bucht Es Clot auf die historische Quarantäne-Insel Lazareto (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf die Häuserzeilen von Es Castell (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf Cala Teulera und die umliegende Befestigungslinie (Fortalesa de Isabel II)

Westliche Logistik- und Schutzbauten der inneren Linien (Fortalesa de Isabel II)

Blick auf den Torre de Sant Felipe und die Überreste des Castillo de San Felipe (Fortalesa de Isabel II)

Galería Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

Galería Aspillerada (Fortalesa de Isabel II)

 

 

 

 

Irgendwann haben wir genug gesehen und vor allem genug Sonne abbekommen. Wir fahren zurück zum Flughafen und geben unser Auto beim Car Rental ab.

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei. Unser kleiner weisser Fiat hat uns zwar nicht besonders oft durch die Gegend kutschiert, aber ich habe das Kügelchen trotzdem liebgewonnen. Nun ist es wieder weg und wir sind für den Rest unseres Aufenthalts auf unsere eigenen Füsse und den öffentlichen Verkehr angewiesen. In Mahón ist das allerdings kein Problem – hier bin ich ganz froh, kein Auto mehr zu haben.

Vom Flughafen fahren wir mit dem Bus zurück nach Mahón. Unser Gepäck wartet im Hotel, wir sind inzwischen vor allem eines: durstig.

Unsere Wasserflaschen haben sich erstaunlich gut gehalten und sind noch schön kühl. Trotzdem sehnen wir uns nach etwas mit Kohlensäure und Geschmack, aber Restaurants und Cafés sind geschlossen. Und so landen wir im Burger King.

Nicht zum Essen. Nur für zwei Softdrinks.

Ich schäme mich ein bisschen. Wir sind wirklich nicht die Leute, die im Urlaub freiwillig bei Burger King einkehren. Schon gar nicht auf Menorca.

Während Reiner auf unsere Getränke wartet, setze ich mich an einen Tisch. Ein Mann ist gerade aufgestanden und schaut mich mit einem breiten Grinsen an.

Moment mal ...

Das ist doch unser Rezeptionist!

Er war bereits hier, als wir ankamen, und verabschiedet sich nun nach einem kurzen Wortwechsel von einem Mitarbeiter, den er offenbar kennt. Dann verlässt er den Burger King.

Na bravo.

Jetzt gehen wir tatsächlich einmal zum Burger King – und ausgerechnet der Mann, der uns heute Morgen im Hotel so freundlich empfangen hat, ertappt uns dabei. Peinlich!

Aber wenigstens haben wir eine gute Ausrede: Wir wollten wirklich nur etwas trinken.

bunt, bunter, can xavi

Beim Hotel angekommen, sehen wir, dass das gegenüberliegende Café geöffnet hat und bestimmt bessere Getränke gehabt hätte. Sei’s drum. Wir checken erst einmal endgültig ein. Diesmal ist eine Frau an der Rezeption, nicht minder herzlich als der Mann am Morgen. Als wir ihr erzählen, dass wir bereits übermorgen um sieben zum Flughafen fahren wollen, um den Flieger um 09:50 Uhr zu erreichen, findet sie das übertrieben früh. Der Flughafen sei klein und der Weg kurz. Wir einigen uns auf ein Taxi um 07:30 Uhr. Und als kleine Entschädigung für das zweite Frühstück zieht sie dieses kurzerhand von unserer Rechnung ab.

Unser Zimmer liegt im Nebengebäude und ist klimatisiert. Eine Regendusche ist genau das, was ich jetzt brauche. Danach fühle ich mich wieder wie ein Mensch.

Nur wenige Schritte vom Hotel entfernt liegt das Can Xavi. Das Restaurant bietet eine bunte Mischung aus Tapas und anderen Gerichten. Und wenn ich bunt sage, meine ich bunt – und das nicht nur auf der Speisekarte.

Schon beim Eintreten fühle ich mich wohl. Xavi steht hinter der Theke, lächelt uns freundlich an und als ich nach einem Tisch für zwei frage, bietet er uns den am Fenster an. So einen herzlichen Mann habe ich selten erlebt. Und plötzlich finde ich sogar die durchnummerierten, laminierten Speisekarten mit ihren bunten Bildchen hübsch.

Auch die Tische sind bunt: Tischsets und Servietten in kräftigen Farben, jedes Set und jede Serviette in einer anderen Farbe. Die Bedienung ist nicht weniger nett als ihr Chef. Man merkt sofort, dass hier ein eingespieltes Team am Werk ist.

Ich frage nach den Spezialitäten des Hauses. Die sind auf einer eigenen Karte zusammengefasst – und wir werden fündig. Wir bestellen Brot mit Sobrasada und Käse, gefüllte Auberginen, eine Schinken- und Käseplatte, Champignon-Kroketten und Boquerones en vinagre. Noch ein Pan con tomate dazu? Klar!

Und als ob das nicht schon genug wäre, gönnt sich Reiner noch seine geliebte Tarta de queso de Mahón und ich einen Flan.

Die Desserts sind die besten, die wir auf der Insel gegessen haben. Die Tapas halten locker mit denen aus dem Alaska mit. Aber eigentlich geht es um mehr als das Essen.

Die Herzlichkeit, das Ambiente, die Enge, das Bunte – all das passt hier einfach zusammen. Wir fühlen uns vom ersten Moment an wohl. Und mir gefällt es hier unglaublich gut.

Can Xavi (Maó)

Can Xavi (Maó)

 

 

 

 

 

 

der letzte tag

Ich schlafe schlecht. Die Klimaanlage ist mir zu kühl eingestellt und springt jedes Mal wieder auf die ursprüngliche Temperatur zurück, wenn ich sie verstelle. Mir fehlt der Balkon, auf den ich mich morgens einfach setzen kann.

Dafür entschädigt das Frühstück für einiges. Es ist so liebevoll aufgebaut, dass ich schon beim Essen bedaure, dass wir morgen keine Zeit mehr dafür haben werden.

Heute nehmen wir es gemütlich. Wir machen einen kleinen Stadtbummel und besichtigen die Església de Santa Maria. Die grosse Orgel gefällt mir sehr gut. Weniger gut gefällt mir die Frau, die am Eingang das Eintrittsgeld kassiert und dabei lautstark telefoniert. Eine Kirche ist für mich normalerweise ein Ort der Stille.

Danach lassen wir uns einfach treiben. Ein paar Schritte gehen, hinsetzen, Leute beobachten. Wieder ein paar Schritte gehen, zum Mirador, die Aussicht geniessen, hinsetzen, ein Glace schlecken.

Im Mercat des Peix hätte ich zu gerne die kleinen Müschelchen probiert oder einer der Tausenden von Pinchos, die dort angeboten werden. Aber ich habe noch keinen Hunger. Und wenn wir in zwei Stunden zurückkommen, gibt es vermutlich keinen Platz mehr.

Pont de Sant Roc (Maó)

"Poc a Poc" Lebensmotto der Menorquiner (Maó)

Ajuntament de Maó

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Orgel in der Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Església de Santa Maria (Maó)

Ajuntament de Maó

Blick vom Mirador del Pont des Castell auf den Ascensor de Maó

Voltes de la Costa General (Maó)

Avarcas (typische Menorca-Sandalen) als Schlüsselanhänger (Maó)

Historische Altstadt-Silhouette von Maó mit der Església de Santa Maria de Maó und der Casa Mir (Maó)

Historische Altstadt-Silhouette von Maó mit der Església de Santa Maria de Maó

Cafe Baixamar (Maó)

Voltes de la Costa General (Maó)

 

 

 

 

 

 

Mit dem Ascensor de Maó fahren wir vom Mirador de Maó hinunter zur Costa ses Voltes und spazieren am Hafen entlang westwärts. Im Cafe Baixamar essen wir eine Kleinigkeit, bevor es weiter zu Xoriguer geht.

Dort haben wir eine Führung durch die Gin-Destillerie gebucht.

Eine Frau empfängt uns und erzählt uns zunächst in gut verständlichem Englisch und mit einer gehörigen Portion Euphorie die Geschichte der Destillerie. Anschliessend führt sie uns durch die Brennerei.

Hier brennt ein einziger Mann den Gin. Und das in beeindruckenden Mengen: Bis zu 1600 Liter können hier pro Tag hergestellt werden.

Die ohnehin schon sommerlichen Temperaturen werden in der Brennerei noch einmal deutlich übertroffen. Die warmen Öfen sorgen dafür, dass uns die Hitze ordentlich zusetzt. Zum Glück bekommen wir Fächer in die Hand. Sie erweisen sich schon bald als ausgesprochen nützliches Hilfsmittel.

Durch eine grosse Verglasung können Besucher direkt in die Brennerei schauen. Ein Kind steht davor und schaut sehnsüchtig zu uns herüber. Verständlich, denn für die Führung muss man mindestens 18 Jahre alt sein. Wir geniessen unseren kleinen Altersvorsprung und verschwinden wieder in den etwas kühleren Nebenraum.

Im Nebenraum ist es zwar angenehmer als draussen, richtig kühl ist es aber auch hier nicht. Dafür sind die verschiedenen Produkte bereits auf 12 Grad heruntergekühlt. Flasche für Flasche erklärt uns unsere Führerin, was sich darin befindet. Wir beginnen mit dem Original-Gin, machen einen Abstecher zum Bio-Gin und arbeiten uns durch weitere Gin-Spezialitäten bis zu den verschiedenen Likören. Natürlich darf auch der für Menorca typische Pomada nicht fehlen.

Den kann man übrigens ganz einfach selbst machen: ein Teil Gin und drei Teile Zitronenlimonade – also Zitronensaft, Zucker und Wasser.

Bei diesen Temperaturen ist die eisgekühlte Variante allerdings eindeutig die bessere Idee. Deshalb bringt unsere Gastgeberin einen Krug Pomada-Slush. Allein beim Anblick wird uns schon etwas kühler.

Und dann geht es ans Probieren. Wir dürfen uns durch das gesamte Sortiment kosten, so viel wir wollen. Dazu gibt es Wurst, Käse und Kekse.

Nach der schweisstreibenden Führung durch die Brennerei ist das eine ziemlich überzeugende Kombination: kühle Getränke, etwas zu essen und vor allem die Gewissheit, dass wir die 12 Grad leider nicht mit nach draussen nehmen können.

Mit einer Flasche des Original Xoriguer und einem Likör im Gepäck verabschieden wir uns von den Österreichern und machen uns an den anstrengenden Aufstieg zurück in die Stadt.

Xoriguer-Produkte (Maó)

Wacholder (Xoriguer, Maó)

Historische Gin-Flaschen (Xoriguer, Maó)

Familie von Miguel Pons Justo (Xoriguer, Maó)

Alambique aus dem 18. Jh. (Xoriguer, Maó)

Caneca / Caneco - Auffangkrüge (Xoriguer, Maó)

Alambique aus dem 18. Jh. (Xoriguer, Maó)

 

adiós, menorca

Im kühlen Hotelzimmer lassen wir den Tag ausklingen. Morgen früh heisst es Abschied nehmen. Um halb acht soll uns das Taxi zum Flughafen bringen.

Wir packen unsere Koffer und machen es uns noch einmal gemütlich. Viel gibt es nicht mehr zu tun – ausser vielleicht, die letzten Stunden Klimaanlage zu geniessen.

Am nächsten Morgen bringt uns das Taxi pünktlich zum Flughafen. Der kleine Flughafen von Menorca ist tatsächlich schnell erreicht – die Rezeptionistin hatte recht. Nach nicht einmal zwei Stunden landen wir wieder in Basel.

Hier hat sich nichts verändert: Noch immer wird im Nachbarhaus gebaut, noch immer ist es heiss, noch immer gibt es keinen Regen.

Letzteres wird sich allerdings bald ändern – und das ist gut so.

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