kilchurn castle, st conan's kirk und ein picknick
Der nächste Morgen beginnt mit einem kurzen Umweg: zuerst zum Loch Fyne Deli, um Mittagessen zu kaufen, dann zur Garron Bridge, einer alten Steinbogenbrücke, die wir auf der Hinfahrt erspäht hatten und nicht einfach sausen lassen wollen. Klein, aber ein schönes Fotomotiv.
Dann das Kilchurn Castle am Loch Awe. Die Burgruine aus dem 15. Jahrhundert liegt auf einer Landzunge im Nordosten des Sees – ursprünglich eine Insel, die erst nach dem Absenken des Wasserspiegels im 19. Jahrhundert mit dem Ufer verbunden wurde. Sir Colin Campbell of Glenorchy liess sie erbauen; fast 250 Jahre diente sie dem Campbell-Clan als Machtzentrum, bis ein Blitzschlag im Jahr 1760 das Ende einleitete. Vom Viewpoint aus erhaschen wir einen ersten Blick auf die Ruine und sehen, wie ein Mann vor uns knietief im Moor versinkt und hinfällt. Er ist Deutscher und warnt uns freundlich davor, denselben Fehler zu machen. Reiner findet trotzdem einen trockenen Weg hinunter, ich warte lieber oben. Beim Parkplatz warten bereits Hochlandrinder auf uns – und wir laufen mit ihnen im Rücken rund 700 Meter zur Burg, die zum Teil eingerüstet ist, aber trotzdem eindrucksvoll wirkt. Hoch über dem See, mit dem weiten Loch Awe vor einem, begreift man sofort, warum hier jemand eine Festung bauen wollte.
Weiter dem Loch Awe entlang liegt die St Conan's Kirk. Die presbyterianische Kirche wirkt von aussen imposant – und von innen genauso. Rund um das Gebäude blüht und duftet es fast wie in den Gärten des Inveraray Castle.
Auf einem Picknickplatz essen wir unser mitgebrachtes Mittagessen aus dem Loch Fyne Deli – Schinkensandwich und Salat mit Flusskrebsen. Die Sonne hat inzwischen die Wolken verdrängt und es ist wunderbar warm.
carnasserie castle und kilmartin
Vor dem eigentlichen Dorf Kilmartin thront auf einer Anhöhe das Carnasserie Castle. «Willst du da hochlaufen?» – «Ja, willst du!» sagt Reiner. Ein Paar mit Hund kommt uns entgegen: «It's lovely» – «Lovely» scheint in Schottland das zu sein, was in den USA «nice» ist. Oben sind wir allein. Reiner erkundet die unteren Räume, ich steige auf den Turm. «Wo bist du?» – «In der Küche!» – «Kochst du was Feines?» Das Carnasserie Castle aus dem 16. Jahrhundert ist eine der am besten erhaltenen Turmhausruinen Schottlands und ein Highlight dieser letzten Reisetage.
Auf dem Friedhof der Kilmartin Parish Church – die Kirche selbst steht zum Verkauf und ist geschlossen – betrachten wir die Kilmartin Sculptured Stones, mittelalterliche Grabsteine mit eindrucksvollen Schnitzereien aus einer Zeit, als diese Gegend eines der bedeutendsten frühgeschichtlichen Zentren Schottlands war.
Den Abend beschliesst eine ominöse Spezialität aus dem Furnace Village Store: Crusted Pizza. Was auch immer das sein mag – wir ordern sie. Nach einer Weile des Wartens und noch längerem Rätseln im Hotelzimmer die Lösung: Es handelt sich um eine Pizza Margherita, in Teig getaucht und frittiert. Verboten lecker. Mein Magen sieht das anders.