der verpasste harry-potter-zug und die besten muscheln der welt
Der nächste Morgen gehört Glenfinnan. Wir sind die ersten beim kleinen Parkplatz unterhalb des Bahnhofs und warten gespannt auf dem Perron auf den Harry-Potter-Zug. Er kommt nicht. Es wird auch keiner kommen. Um wenigstens irgendeinen Zug zu sehen, warten wir den nach Glasgow ab, schauen uns das kleine Bahnhofsmuseum an und fahren zum Viadukt. Gross steht «No Steam Train» geschrieben – trotzdem sind viele Besucher da, und eine Drohne kreist über dem Viadukt, obwohl das verboten ist.
Bevor wir nach Mallaig weiterfahren, halten wir beim Glenfinnan Monument. Der 18 Meter hohe Rundturm wurde 1815 errichtet zum Gedenken an die Highlander, die 1745 unter Bonnie Prince Charlie für die jakobitische Sache kämpften und starben. Auf dem Gipfel steht eine einsame Highlander-Figur, die den Blick über Loch Shiel hält – dorthin, wo die Männer einst aufbrachen und von wo die meisten nicht zurückkehrten. Ein stiller, würdevoller Ort.
In Mallaig, am Ende der Strasse, entschädigt das Mittagessen für den verpassten Zug. Im The Crab & Creel esse ich Muscheln mit Fenchel – die besten meines Lebens. Das Muschelfleisch ist so hauchzart, dass ich dem Kellner sage, wie begeistert ich bin. Er meint stolz, die Muscheln würden bloss sieben Meilen von hier entfernt geerntet. Das schmeckt man. Reiner isst Fischküchlein, die er ebenfalls sehr mag. Am Nachbartisch inszeniert sich ein amerikanischer Gast, bestellt Whisky um Whisky, gibt dem Nachbarn zum Probieren und hält das ganze Restaurant auf dem Laufenden: Anreise mit dem Zug, nächste Station Skye, Lieblingswhisky Talisker. Es ist mehr amüsant als störend.
Am nächsten Morgen räumen wir den Kühlschrank leer. Was übrig bleibt, wird gefrühstückt – ab jetzt gibt es nur noch Hotels mit Frühstück. Die Zeit der Selbstverpflegung ist vorbei.
Das Tal hat uns festgehalten – aber die Fähre wartet nicht. Bald geht's weiter!