die fischadler vom loch garten
Den schönsten Morgen verbringen wir beim Loch Garten. Bevor das Osprey Centre öffnet, laufen wir den Loch to Loch Trail – so gut wie allein unterwegs, wunderbar still. Wir überraschen einen Wildcamper, der aussieht wie ein kleiner Junge, den man bei etwas Verbotenem erwischt hat. Etwas weiter hören wir Quietschen. Zwei Frauen nehmen ein Bad im eiskalten See. Sie schwimmen lange, unterhalten sich vergnügt – nach dem ersten Schock beim Hineingehen scheint ihnen die Kälte nichts mehr auszumachen. Ich bewundere das sehr. Auf dem Rückweg kommt eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter an uns vorbei, die stolz auf ihrem Fahrrad vorbeizieht. Wir haben soeben eine Show bekommen.
Im Osprey Centre richten sich mehrere Teleskope auf den Horst der Fischadler. Das Männchen sitzt tief darin – auf der Webcam sichtbar, mit dem blossen Auge nicht. Das Weibchen hingegen sitzt auf einem Ast. Ich finde es, versuche Reiner zu erklären, wo – er sieht es lange nicht. Als es zum Horst fliegt und auf dem Rand sitzt, kann auch er es entdecken und ein paar Fotos schiessen. Die Mitarbeitenden erklären geduldig alles, was man wissen möchte.
destillerien und ein besonderer abend
Den Nachmittag nutzen wir für die Destillerien der Region. Bei Cardhu gibt es Driver Samples, bei Glenfarclas ein Dreier-Set. Beim kleinen Visitor Center von Aberlour erfahren wir nebenbei, wie Dufftown wirklich ausgesprochen wird. Wir sagen «Dafftaun» – die freundliche Angestellte meint: «Döfden». Ob das dasselbe sei? Wenn es fünf Minuten entfernt wäre, ja. Wir reden aneinander vorbei und verstehen uns trotzdem bestens.
Einen besonderen Abend verbringen wir in The Maltings, wo uns ein schrulliger alter Schotte empfängt, den wir kaum verstehen, der sich aber nicht nehmen lässt, uns den Kopf vollzuquatschen. Als er erfährt, wo wir untergebracht sind, erzählt er Geschichten über den Besitzer, den Zahnarzt und andere Dorfbewohner. Seine Frau kocht derweil unser Essen – Balmoral Chicken, gedämpfte Pouletbrust, Gemüse, Kartoffeln – und zum Dessert teilen wir uns einen Sticky Toffee Pudding. Alles gut, alles heimelig, als wären wir bei jemandem zu Gast. Zum Abschied erzählt uns die Frau, dass sie selbst keinen Whisky mag – und eine gut gefüllte Whisky-Bar führt. Reiner hat der Abend sehr gefallen. Es ist genau das, was er gesucht hat.
Die Destillerien sind verkostet, die Hides erkundet. Jetzt wartet das Meer. Bald geht's weiter!