unter der sonne andalusiens - der weg ist das ziel

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Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Hotelfrühstück. Das Angebot war nichts, was man sich hätte merken müssen. Am Nebentisch sass ein müder, kleiner Junge in einem Kindersitz und wurde von seinem Vater gefüttert. Der süsse Fratz dürfte etwas über ein Jahr alt gewesen sein. Obwohl er seinen Vater keines Blickes würdigte, sperrte er automatisch seinen Mund auf, wenn ein Löffelchen mit Brei in seine Richtung kam und ass schöner, als die meisten Kinder, die ich kenne. Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen, aber da hätten wohl seine Eltern etwas dagegen gehabt.

Unser erstes Tagesziel war Ronda. Die gut 100 km wären in 1.5 Stunden zu schaffen, aber wir wollten etwas von der Gegend sehen. Auf der Landstrasse ging es erstmal nordwärts. Bereits nach 33 km hielten wir das erste Mal, um einen Blick auf das weisse Dorf "Almogía" mitten in einer wunderschönen Naturlandschaft zu werfen.

 

Nach weiteren 23 km bogen wir links zum "El Torcal" ab. Bereits letztes Jahr faszinierte uns das Naturschutzgebiet mit seinen aussergewöhnlichen Karstformationen. Eine Gruppe Jugendlicher kletterte wie Gemsen auf den Felsen herum; zwei von ihnen versuchten etwas schwerfälliger zu folgen. Sie waren laut, aber die gute Laune steckte an.

   

Die nächste Station war das "Centro de Visitantes José Antonio Valverde" in Fuente de Piedra. Die "Laguna de Fuente de Piedra" ist ein Feuchtgebiet, das zum Teil unter Naturschutz steht. Hier befand sich die grösste Kolonie von Rosaflamingos der iberischen Halbinsel. Nach der Camarque in Frankreich war es die wichtigste Kolonie Europas. Wir spazierten etwas die Wege entlang. Die Landschaft war bezaubernd, aber die Vögel waren so weit weg, dass wir nicht mal die rosa Farbe erkennen konnten. Einzig der Kamerazoom brachte sie uns etwas näher.

   

Inzwischen war es Mittagszeit und wir hatten Hunger. In Campillas, entdeckten wir ein Schild "menú del día in 200 m". Auf der Strasse vor der "Taberna del Ni" war ein Parkplatz frei. Reiner parkierte und wir traten durch die Tür in einen dunklen, leeren Raum mit einer Bar und einem muffeligen Alten dahinter. Die Wände waren voller Bilder von Stierkämpfern und der Besitzer war offensichtlich ein Fan des FC Málaga. Zumindest hingen Fotos, Käppi und Banner von dem Verein an den Wandflächen, die noch nicht von Stierkämpfern voll waren. Am liebsten wäre ich wieder raus, doch das erschien mir unhöflich und ausserdem knurrte der Magen, also setzten wir uns an einen Tisch. Der grummelige Alte kam und es stellte sich heraus, dass er kein Wort englisch sprach. Ausserdem war er überhaupt nicht grummelig, sondern äusserst freundlich und geschäftstüchtig. Er zählte eine Reihe von Speisen auf und wir entschieden uns spontan je für eine Vor- und Hauptspeise. Dazu bestellten wir eine grosse Flasche Wasser.

Während wir auf das Essen warteten, gab es jede Menge zu beobachten. Zum einen die unzähligen, staubigen Bilder und Gegenstände, die im gesamten Lokal verteilt waren und zum anderen betrat immer mal wieder ein Handwerker den Raum, setzte sich an die Bar, bestellte ein Bier oder einen Schnaps und dazu eine Tapa. Das Essen schmeckte überraschend gut und der Besitzer, wie ich vermute, bemühte sich unglaublich. Er nahm sein Handy und sprach das gesamte Dessertsortiment darauf, um es auf Englisch übersetzen zu lassen und uns die Übersetzung zu zeigen. Seine Stammgäste lachten ihn aus, das hinderte ihn aber nicht daran, die spanischen Begriffe solange aufs Handy zu sprechen, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Ich glaube, dass sich zwei Gäste über uns lustig machten, weil wir bloss Wasser tranken. Ich hörte sie "solo agua" sagen, während sie hämisch grinsend zu uns schauten. Mir war das egal, es gehörte für mich zum Teil der Show. Das gesamte Erlebnis war für 16 Euro zu haben.

Bereits bei der Vorbereitung zum letztjährigen Andalusien-Trip entdeckte ich einen Wanderweg bzw. Klettersteig mit dem Namen "Caminito del Rey" (dt. "Königspfad"), der mich unglaublich faszinierte. Er war einst der gefährlichste Wanderweg der Welt, bevor er von 2014 bis 2015 komplett wiederhergestellt wurde. Er war so verfallen, dass er lange Zeit gesperrt war. Mir ging es nicht darum, diesen Weg, der entlang von steilen Wänden durch zwei 200 m tiefe Schluchten führte, selber zu begehen, aber ich wollte schauen, ob man ihn von unten sehen konnte. Ausserdem lag er in Nähe der Stauseen des Río Guadalhorce in einer herrlichen Landschaft. Der Entscheid, in diese Region zu fahren, war goldrichtig. Die Stauseen und die Berge um El Chorro waren traumhaft schön.

       

Eine weitere faszinierende Landschaft war die "Sierra de las Nievas". Am Wegrand hüpften Ziegen umher, Häuser suchte man vergeblich. Auf einmal zog sich der Himmel zu und hüllte die Berge in eine graue Masse, die nicht minder schön war. Es begann zu regnen. Das war es wohl mit dem schönen Wetter. In Andalusien gibt es 300 Tage im Jahr Sonnenschein und wir erwischten ausgerechnet die Regenzeit.