unter der sonne andalusiens - 50. geburtstag

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Freitag, der 21. September: Reiners 50. Geburtstag. Mal sehen, ob John sich noch erinnerte - tat er nicht. Reiner war es egal, ihm war es viel lieber, eine schöne und kulinarische Zeit in Andalusien zu verbringen. Das hatte er zumindest gesagt.

Nach dem Frühstück gaben wir die Schlüssel ab und liessen uns von John zu unserem Auto chauffieren. Wir fuhren bis Setenil de las Bodegas und hielten an einem Aussichtspunkt an. Von dort aus hatte man einen schönen Blick auf das kleine, weisse Dorf. Ein Pärchen schlenderte ebenfalls dort entlang und wir wurden Zeuge eines dreisten Diebstahls. Die Frau legte sich bäuchlings auf die Mauer, um an die saftigen Feigen zu kommen.

  

Über Olvera ging die Fahrt weiter bis Zahara de la Sierra, das an dem Stausee "Embalse de Zahara-El Gastor" lag. Weil uns der See so gut gefiel, fuhren wir einmal rund herum. Auf der Nord-Ostseite des Sees führte die Strasse vom See weg. Die Landschaft war aber auch dort ganz hübsch.

 

Schliesslich trafen wir im "Hotel Sevilla Center" ein. Wir hatten uns für dieses Hotel entschieden, weil es über eine öffentliche Tiefgarage verfügte und weil es ziemlich nahe an der Innenstadt lag. Wir hatten eine De-Luxe-Suite gebucht, die leider (noch) nicht frei war. Aber wir bekamen eine Alternative. Ob diese schlechter war, als das für uns vorgesehene Zimmer, konnte ich nicht beurteilen. Ich glaube aber, dass das Zimmer im 14. Obergeschoss nur für einen (männlichen) Gast vorbereitet war. Auf jeden Fall klingelte es kurz nach Bezug und ein Zimmermädchen stand mit einer Handvoll Kosmetikprodukten von Chopard vor der Tür, obwohl auf dem Waschtisch bereits eine breite Palette an Produkten stand. Das Bad war sehr schön mit einer Sprudelwanne und einem separaten WC.

Wir waren bereits letztes Jahr in diesem Hotel. Damals hatten wir vom 12. Stock aus einen herrlichen Blick auf die Stadt. Das wünschten wir uns auch für dieses Mal. Doch leider war die Aussicht in eine andere Himmelsrichtung, die nicht ganz so attraktiv war.

Bis wir uns frisch gemacht hatten, war es bereits Mitte Nachmittag und wir waren wieder einmal hungrig. Das sollte kein Problem sein, denn in der Nähe des Hotels gab es jede Menge Restaurants. Wir entschieden uns für das "Restaurante Bocafina". Es gab zwei Bereiche: Eine Art Bistro, in der Tapas serviert wurden und ein Restaurant mit gedeckten Tischen. Weil wir beide absolute Tapas-Fans sind, war für uns sofort klar, dass wir uns ins Bistro setzten. Die Bedienung war äusserst freundlich und das Essen hervorragend. Die anderen Gäste waren ausschliesslich Einheimische und zu 80% Frauen. Das lag bestimmt an der Einrichtung, die hell, frisch und modern war. Für die Männer gab es nebenan eine dunkle Cerveceria.

Vom letzten Mal wussten wir, dass sich bei der Haltestelle Prado de San Sebastián ein TUSSAM-Schalter befand, bei dem man sich eine "Tarjeta Turística 3 días" kaufen konnte. Mit dieser Karte konnte man sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, die von TUSSAM betrieben wurden (galt nicht für die U-Bahn). Das Thermometer zeigte 39 Grad an und ich glaubte zu zerfliessen, als wir den knappen Kilometer in der heissen Sonne zu diesem Schalter liefen. Zum Glück war der Container klimatisiert. Als wir es endlich kapierten, wie wir die Nummer ziehen konnten, kamen wir auch bald mal dran und verliessen das Gebäude mit den gewünschten Fahrkarten. Mit dem nächsten Tram fuhren wir zur Endstation beim Plaza Nueva und spazierten etwas durch die Gegend. Wir versuchten, uns dem Schatten entlang zu bewegen, doch irgendwann hielten wir die Hitze nicht mehr aus und gingen für eine Siesta ins Hotel zurück. Dort wurden wir mit einem Früchteteller und einer Flasche Wasser überrascht. Genau die richtige Erfrischung für so einen Tag.

Für das Geburtstagsessen hatten wir das ziemlich berühmte "Eslava" ausgesucht, das aus einem Restaurant und einer Bar bestand. Wer uns kennt, weiss, dass wir uns an die Bar setzten und nicht in das Restaurant. Das erste, was wir bestellten, war "Sangre encebollada", einen Blutpudding mit karamelisierten Zwiebeln. Die Kellnerin glaubte, sich verhört zu haben. Vermutlich war das nicht das Gericht, das sich Ausländer oft aussuchten. Uns schmeckte es. Das beste war ein Gericht, mit dem sie beim "Sevilla en Boca de Todos" 2010 den ersten Platz belegten: "Huevo sobre bizcocho de boletus y vino caramelizado". Das bestand aus einem flüssigen Eigelb auf einem Pilzküchlein mit einer karamelisierten Weinreduktion. Das bestellten wir uns gleich ein zweites Mal, so unglaublich lecker war es. Ebenfalls zum Niederknien waren "Costilla de cerdo con miel de romero al horno", Spareribs mit Rosmarinhonig aus dem Ofen. Aber auch die Entenleber auf geröstetem Nussbrot, mit einem Gelee und einer Pedro Ximenez-Sauce obendrauf war ein Gedicht. Egal, was wir probierten, uns schmeckte einfach alles. Die Bedienung war freundlich und aufmerksam, obwohl die Leute Schlange standen, um einen Platz im vollen Restaurant zu kriegen.

   

Anschliessend gingen wir noch in der Altstadt etwas trinken. Mir taten die Füsse weh, denn das Eslava lag nicht besonders zentral. Als wir mitten in der Nacht ins Hotel zurück gingen, zeigte das Thermometer noch immer 27 Grad an.