südwesten der usa 2014

Tour de Wild-West

vorbereitung

Fakten und Zahlen:
Start: 22.04.2014 Las Vegas
Ende: 22.05.2014  Las Vegas
Temperaturen: von 28°F bis 108°F (-2.2°C bis 42.2°C)
Bundesstaaten: Nevada - Utah - Colorado - Arizona - Kalifornien - Nevada
Autovermietung: Alamo
Mietauto: Toyota 4Runner
Gefahrene Strecke: 6'000 Meilen (9'654 km)
Benzinverbrauch: 261 Gallonen (988 l)
Anzahl Unterkünfte: 18
Hilfreichstes App für iPad: Maplets (Karten von Parks, öffentlichen Verkehrssystemen etc. können heruntergeladen werden; die meisten zeigen über GPS die aktuelle Position an)
Reisende: Gaby und Reiner
Zeitzone Schweiz: MESZ

Noch nie hatte ich so viel Zeit für die Vorbereitung einer Reise aufgewendet, wie für diese. Fünf Wochen sollte sie dauern und auch das ist ein Rekord. Als erstes war klar, dass es in den Südwesten der USA gehen sollte, also sammelte ich alle Sehenswürdigkeiten zusammen, die ich finden konnte. Diese unzähligen Punkte versuchten Reiner und ich auf einer Karte zu einer Reise zu verbinden und mussten bald einsehen, dass es einfach zu viele waren. Also strichen wir einiges im Norden, Süden und Osten und waren ziemlich zufrieden mit unserer Route. Damit das zeitlich auch wirklich passte, befragte ich ein USA-Reiseforum und einige Kollegen, die mir alle sehr hilfreiche Tipps gaben. Danke an dieser Stelle!

Vor der eigentlichen Reise stand ein Besuch in Charlotte (NC) auf dem Plan. Also buchten wir die Flüge von Zürich via Philadelphia nach Charlotte, von Charlotte nach Las Vegas und von Las Vegas über Philadelphia wieder nach Zürich. Wir entschieden uns, sämtliche Unterkünfte vorab zu buchen, um nicht unnötige Zeit mit Hotelsuche vertrödeln zu müssen. So reservierten wir 18 Hotels, Motels und Lodges. Dabei verliessen wir uns grösstenteils auf die Bewertungen von booking.com und Tripadvisor.

Damit waren die Vorbereitungen aber bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Ich setzte mir zum Ziel, einen ganz persönlichen, individuell auf uns zugeschnittenen Reiseführer zu gestalten, was ich mit Adobe InDesign bewerkstelligte. Zu jeder Unterkunft erstellte ich eine Seite mit den Fakten, einem aus dem Internet entwendeten Bild als Platzhalter für eigene Fotos und einer Möglichkeit, das Hotel zu bewerten. Dazu notierte ich die Distanzen und Zeiten zu den umliegenden Attraktionen und zur nächsten Unterkunft. Auch jede Attraktion bekam eine oder wenn nötig mehrere Seiten mit Fakten, Bildern und Distanzangaben zu den anderen möglichen Zielen. Es war nicht die Idee, sämtliche der beschriebenen Orte aufzusuchen. Ich hatte vielmehr die Vorstellung, dass wir am Vorabend oder nach Beendigung einer Besichtigung besprechen würden, wie es weiter gehen könnte und wie viel Zeit wir für die entsprechende Anreise benötigen würden. Jede Destination wurde noch durch eine Karte ergänzt und fertig war das 139-seitige Werk, welches ich als PDF auf mein iPad lud.

Der Aufwand für diesen Reiseführer war enorm, hatte sich für uns trotzdem gelohnt und die Erarbeitung förderte viele hilfreiche Informationen zu Tage. Durch die umfangreichen Recherchen dauerte die Vorfreude monatelang und war fast so schön, wie die Reise selbst. Wer Interesse hat, einen ähnlichen Reiseführer für sich erstellen zu lassen, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!).


las vegas

Fakten und Zahlen:
Grösste Stadt im Bundesstaat Nevada
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 340 m2
Höhe: 610 m ü. M.
Einwohner: 596'424 (Stand 2012)
Datum: 22.04. - 23.04.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss, starker Wind

Der Flug von Charlotte nach Las Vegas verlief reibungslos. Der Flughafen war sehr gut organisiert und trotz der Grösse übersichtlich. Mit unserem Gepäck ging es in die Line, um auf den Shuttle-Service zum Car Rental Center zu fahren. Bei Alamo, wo wir unseren SUV gebucht hatten, waren wir die einzigen Kunden. Kurzentschlossen buchten wir ein Upgrade und waren schnell im Besitz eines Toyota 4Runners. Wir hatten lange die Hoffnung, einen 4wd ergattert zu haben, mussten aber mit Enttäuschung feststellen, dass dem nicht so war. Trotzdem waren wir begeistert von unserem Auto, das bequem war und sehr viel Platz für unser Gepäck bot.

Als erstes steuerten wir unser Hotel an. Für diese eine Nacht hatten wir ein einfaches, sehr preiswertes Hotel etwas ausserhalb des Strips gebucht. Ich erwartete nicht viel und war überwältigt, als wir in unserer Junior Suite mit Jacuzzi ankamen. Das Upgrade war ein cleverer Schachzug der Hotelleitung, denn so gibt es von uns nur die allerbeste Kritik für das Eastside Cannery Casino & Hotel. Ein schöner Nebeneffekt war, dass in unmittelbarer Nähe das Sushi Twister lag, welches fantastische Sushi-Creationen zu günstigen Preisen servierte. Sie boten sogar "Premium All You Can Eat Sushi" für $ 22.95 (Lunch) / $ 26.95 (Dinner) an (Stand: April/Mai 2014). 

Für die geplante Shopping-Tour durch eines der grossen Outlet-Centers waren wir wohl nach dem Flug zu müde, denn wir fanden trotz paradiesischer Auswahl nichts, was uns gereizt hätte, zu kaufen. Wir deckten uns lediglich in einem Walmart mit einer Kühlbox, einer grossen Ladung Wasser und ein paar Kleinigkeiten zu Essen ein, damit wir für die Wüste gerüstet waren.


lake mead national recreation area

Fakten und Zahlen:
ca. 12.5 km (20 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaaten: Nevada / Arizona
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 6'053 km2
Preis: $ 10 pro Fahrzeug für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 23.04.2014
Wetter: Sonnenschein, warm, etwas windig

Spontan stellten wir bereits den ersten Plan auf den Kopf, direkt von Las Vegas in den Valley of Fire State Park zu fahren. Wir entschieden uns für die südliche Anfahrt, ohne dass uns bewusst war, dass wir damit in das erste durch die US-Bundesbehörde verwaltete Gebiet fahren würden. So erstanden wir bei der Eingangsstation gleich den "America the Beautiful - Annual Pass" für $ 80, der Eintritt in sämtliche Nationalparks gewährt.

Die Lake Mead NRA entpuppte sich als wahre Schönheit, so dass wir ständig anhalten mussten, um die Aussicht zu geniessen. Wir wanderten unsere ersten paar Schritte auf dem Northshore Summit Trail. Der kurze Aufstieg wurde mit einem gewaltigen Panorama belohnt.


valley of fire state park

Fakten und Zahlen:
ca. 90 km (1 Std.) von Las Vegas entfernt (über Lake Mead NRA 96 km / 1 Std. 20 Min.)
ca. 195 km (2 Std.) vom Zion National Park entfernt
Bundesstaat: Nevada
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 141 km2
Eintritt: $ 10 pro Fahrzeug
Datum: 23.04.2014
Wetter: Sonnenschein, warm

Es stimmt nicht ganz, dass wir von Süden in den Park einfuhren. Vielmehr war es der Osteingang, der anders als der Westeingang nicht durch eine Person besetzt war. Wir mussten den Eintrittspreis in ein mit unseren Daten beschriftetes Couvert stecken und in einen dafür vorgesehenen Briefkasten geben. Ich habe keine Ahnung, was man tut, wenn man keinen 10-Dollar-Schein hat, denn Wechselgeld kann man natürlich keines herausnehmen.

Gleich nach dem Eintritt kamen wir zum Elephant Rock, einer Felsformation in Form eines Elefanten. Leider stand die Sonne bereits zu hoch, um das knallige Rot der Felsen mit der Kamera festhalten zu können. Wir fotografierten trotzdem die Sehenswürdigkeiten wie die "Seven Sisters", "Rainbow Vista", "White Domes", den "Atlatl Rock", den "Arch Rock" und die "Beehives". Besonders gut gefielen mir die Sandsteinformationen von White Domes, wo wir eine Wanderung in der brennenden Mittagssonne unternahmen.

Wir verliessen den Park über den Westeingang, um in Hurricane (UT) unsere nächste Unterkunft zu beziehen. Das Super 8 Hurricane Zion war ein nettes Motel, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.


zion nation park

Fakten und Zahlen:
Ca. 255 km (2 Std. 30 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 579 km2
Eintritt: $ 25 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 23.04. / 24.04.2014
Wetter: Sonnenschein, kühl

Im Zion NP mussten wir das Auto auf dem Parkplatz stehen lassen und mit dem Shuttle-Bus den Scenic Drive fahren. Wir machten den Fehler, erst bei der Endstation auszusteigen und nur ein bisschen zu spazieren, statt eine wirkliche Wanderung zu unternehmen. So verpassten wir vermutlich die ganze Pracht dieses Parks.

Am Abend folgten wir einem Wegweiser zwischen dem Zion und Hurricane zum La Verkin Overlook. Dort konnten wir einen herrlichen Sonnenuntergang hinter dem Städtchen La Verkin beobachten.

Am nächsten Morgen verliessen wir den Zion NP durch den Osteingang. Der Carmel Highway, der zu diesem Ausgang führt, bot viele reizvolle Ansichten auf Hügel und Berge wie den Checkerboard Mesa. Das ist ein Tafelberg aus Navajo-Sandstein. Weil er sehr porös ist, wird der Stein unterschiedlich geformt. Horizontale und vertikale Furchen durchziehen den hellen Checkerboard Mesa und machen ihn zu einer einzigartigen Sehenswürdigkeit innerhalb des Zion National Parks. 

Eigentlich wollten wir zum Sonnenaufgang bei den Coral Pink Sanddunes sein, aber wir waren spät dran, also fuhren wir daran vorbei nach Kanab. Von dort aus ging es weiter die Johnson Canyon Road hoch bis zur Skutumpah Road im Grand Staircase-Escalante National Monument.


grand staircase escalante national monument (1/2)

Fakten und Zahlen:
Ca. 330 km (3 Std. 15 Min.) von Las Vegas entfernt
Ca. 35 km (40 Min.) südöstlich des Bryce Canyon National Parks
Ca. 145 km (1 Std. 50 Min.) vom Zion National Park entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 7'689 km2
Eintritt: kostenlos
Datum: 24.04.2014 (Skutumpah Road) / 25.04.2014 (Hole-in-the-Rock Road)
Wetter: Sonnenschein, 1Tag Regen, kalt, windig

Trotz seiner enormen Grösse und bezaubernden Schönheit kennt kaum jemand in meinem Bekanntenkreis das GSENM. Vielleicht liegt es daran, dass es mehrheitlich durch Dirt Roads erschlossen wird. Eine davon ist die Skutumpah Road, die wir von Süden her entlang fahren, bis wir auf die asphaltierte Strasse trafen, die vom Highway 12 zum Kodachrome Basin State Park abbiegt. Die Strassen wurden durch das BLM Utah unterhalten und waren durchnummeriert. Die Skutumpah Road war die BLM 500. 

Noch auf der Skutumpah Road folgten wir einem Wegweiser zum Lick Wash und wanderten dem trockenen Flussbett entlang. Die Wanderung war nicht sonderlich anstrengend oder schwierig. Die Narrows boten viele tolle Fotomotive und dadurch, dass wir mutterseelenalleine waren, empfanden wir den Ausflug als äusserst entspannend.

Gerne wäre ich in Bull Valley Gorge hinabgestiegen, aber wegen der in Reiseführern beschriebenen Kletterpartien liessen wir diesen Slot Canyon aus und wanderten dafür Willis Creek entlang. Das Flüsschen führte nur wenig Wasser, so dass unsere Wanderschuhe die Füsse trocken hielten. Hier waren ein paar Leute anzutreffen, aber man konnte nicht von Massentourismus sprechen. Dafür war wohl die Skutumpah Road viel zu holprig, was man danach unserem Auto ansah, denn es war innen und aussen voll mit rotem Sand. Dafür war die Aussicht auf das Tal und die dahinterliegenden Berge umso schöner.

Am nächsten Tag waren wir wieder im GSENM unterwegs. Diesmal erforschten wir die Hole-in-the-Rock Road, die BLM 200. Auch diese ist ein Dirt-Road. Im Visitor-Center fragten wir nach, ob es möglich sei, über die Cottonwood Canyon Road zur Hole-in-the-Rock Road zu gelangen, aber die äusserst freundliche Dame winkte gleich ab. Sie empfahl, über die UT 12 zu fahren und die tolle Landschaft auf dieser Scenic Road zu geniessen. Wir befolgten ihren Rat. Die Frau hatte nicht zuviel versprochen. Immer wieder sind Viewpoints, so dass wir nur langsam vorwärts kamen, weil wir unsere Speicherkarten füllen mussten.

Kurz nach Escalante bogen wir in die holprige HITRR ein. Als wir einen Wegweiser zum Egypt sahen, folgten wir dieser Strasse oder was auch immer das war. Holprig war da bloss der Vorname. Zum Glück hatten wir einen High Clearance, so dass wir einigermassen gut über die Felsen und Löcher kamen, die diese Piste überzogen. Wir hielten mehrmals an, um die Gegend zu Fuss zu erkunden. In den Egypt schafften wir es leider nicht, aber der Weg an sich war bereits ein tolles Abenteuer. Wir kehrten auf die HITRR zurück, um dann einem nächsten Wegweiser zu den Dry Fork Slots zu folgen. Auf dem Parkplatz herrschte überraschenderweise reges Treiben. Einige Gruppen begaben sich hinab und verschwanden in verschiedene Richtungen. Wir wanderten bloss etwas in der Gegend herum, um heute zu bereuen, nicht auch hinabgestiegen und einen der Canyons erkundet zu haben.

Auf unserem weiteren Weg trafen wir auf eine Rinderherde mit drei Cowboys. Einer sah aus, als würde er ein Rind aussuchen, welches ein anderer mit einem Lasso zu fangen versuchte. Ich war völlig fasziniert davon, dass Rinder in den USA mehr oder weniger wilde Tiere waren und nicht so zahme Haustiere, wie bei uns.

Der letzte Punkt auf der HITRR, den wir anfuhren, war der Dance Hall Rock. Die Geschichte zu dem Felsen faszinierte mich mehr, als das Aussehen des Monolithen selber.

Auf dem Rückweg überraschte uns ein Adler, der mit einem zappelnden Hasen in den Krallen unmittelbar neben uns seine Flügel ausbreitete und in die Lüfte davonsegelte. Jetzt freute ich mich auf Devil's Garden und wurde nicht enttäuscht. Die witzigen Gebilde standen uns exklusiv zur Verfügung. Mutterseelenallein stapften wir auf dem Areal herum und schossen ein Foto nach dem anderen. Als wir zurück in unser Cabin kamen, sank ich todmüde ins Bett.


kodachrome basin state park

Fakten und Zahlen:
Ca. 460 km (4 Std. 40 Min.) von Las Vegas entfernt
Ca. 35 km (40 Min.) südöstlich des Bryce Canyon National Parks
Ca. 145 km (1 Std. 50 Min.) vom Zion National Park entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 16.2 km2
Höhe: 1'800 m ü. M.
Eintritt: $ 8 pro Fahrzeug für 1 Tag
Datum: 24.04. - 27.04.2014
Wetter: Sonnenschein, 1 Tag Regen, kalt, windig

Wir kamen wie oben beschrieben über die Skutumpah Road im GSENM in den kleinen, aber farbenprächten Kodachrome Basin State Park. Die Rangerin am Eingang empfing uns sehr freundlich und versorgte uns mit einer Karte des Gebiets. Da wir die nächsten drei Nächte in den Red Stone Cabins, die innerhalb des Parks gelegen sind, verbringen wollten, war unser Eintritt bereits mit dem Zimmerpreis beglichen.

Die Unterkunft mit den 6 einfachen Hütten inmitten einer traumhaften Landschaft kann ich nur wärmstens empfehlen. Jedem Häuschen stehen ein Grill draussen und eine Mikrowelle sowie Kühlschrank drinnen zur Verfügung. Wir fühlten uns äusserst wohl dort. Die Lage ist gut für Ausflüge innerhalb des Parks. Aber auch zum Bryce Canyon und ins benachbarte GSENM ist es nicht weit.

Am ersten Abend fotografierten wir unweit der Unterkunft den Sonnenuntergang. Schöner, als der Sonnenuntergang selbst, waren die knallroten Felsformationen, die von der untergehenden Sonne beleuchtet wurden. Zu gerne hätte ich noch auf den Sternenhimmel gewartet, der ohne Lichtverschmutzung traumhaft sein muss, aber ich war zu müde, um wach zu bleiben. Dafür war ich früh morgens wach, um bei frostigen Temperaturen von -2°C das Stativ aufzustellen und den Sonnenaufgang festzuhalten. Danach ging es erneut in den Bryce Canyon, weil wir noch lange nicht alles gesehen hatten und weil er traumhaft schön ist.

Für den morgigen Samstag stand die dritte grosse Strasse im GSENM auf dem Programm: Die Cottonwood Canyon Road. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Zwar fragten wir beim Visitor Center nach, ob die Strasse befahrbar sei, doch wir ahnten bereits, dass die Antwort "Nein" lauten würde, weshalb wir nochmals Richtung Westen zum Bryce Canyon und anschliessend zum Red Canyon aufbrachen.

Nach der Rückkehr in den Kodachrome hatte ich mächtigen Hunger, doch Reiner überredete mich, noch zum Shakespeare Arch zu laufen, bevor wieder Regen einsetzen würde. Die Sonne schien zwischen dicken Wolken, die immer mehr wurden. Den Arch selber fand ich nur mässig interessant, aber in der Gegendbot unzählige Fotomotive. Leider zwang uns ein heftiger Wind zur Umkehr, so dass wir den Sentinel Trail nicht fertig gehen konnten. Dafür nahmen wir den Grill in Betrieb und bereiteten uns ein herrliches Abendessen zu.

Bevor es am nächsten Morgen weiter Richtung Capitol Reef ging, wanderten wir erneut zum Shakespeare Arch, um dort den Sonnenaufgang zu beobachten. Die Wolken hatten sich mehrheitlich verzogen, nur der starke Wind war übrig geblieben von dem Tief, das gestern über das Tal gezogen war. Ich genoss diese frühen Morgenstunden sehr und kein Mensch störte uns dabei.


bryce canyon national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 430 km (4 Std. 10 Min.) von Las Vegas entfernt
Ca. 115 km (1 Std. 20 Min.) vom Zion National Park entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 145 km2
Eintritt: $ 25 pro Fahrzeug für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 24.04. / 25.04. / 26.04.2014
Wetter: Sonnenschein, 1 Tag Schneefall, kalt, windig

Gleich nach der Ankunft im Kodachrome Basin State Park machten wir uns auf in den viel gerühmten Bryce Canyon NP. Beim Eingang mussten wir uns etwas gedulden, da vor uns ein paar Besucher den Nationalparkpass erwerben wollten. Dies war wohl einem jungen Wohnmobilfahrer zuviel, weshalb er sehr zum Ärger des Rangers ohne Eintrittskontrolle am geschlossenen Nebeneingang vorbeirauschte. Der Ranger rannte mit seinen Armen fuchtelnd aus seinem Häuschen, aber er war zu spät und der Fahrer über alle Berge.

Als erstes bewunderten wir den Canyon mit seinen Spitzen, den Hoodoos, vom Bryce Point aus. Auch wenn es bloss ein kurzer Marsch vom Parkplatz aus war, so strengte dieser mehr an, als ich vermutet hätte. Wahrscheinlich spürte ich die Höhe von knapp 2'600 m ü. M. etwas.

Man merkte, dass der Park eine beliebte Sehenswürdigkeit war, denn die Parkplätze waren deutlich voller, als an anderen Orten. Trotzdem war es kein Problem, einen Platz in erster Reihe an den Aussichtspunkten zu ergattern und auch die Fusswege oder Parkbänke waren meist frei zugänglich. Am Sunset-Point warteten einige Fotografen auf die goldene Stunde, die die Felsen in ein rotes, warmes Licht tauchen würde. Weil es noch recht früh war, entschieden wir uns, den Sonnenuntergang im Kodachrome anzuschauen.

Auch den Sonnenaufgang am nächsten Morgen beobachteten wir im Kodachrome Basin State Park, aber danach waren wir wieder im Bryce Canyon NP unterwegs. Diesmal steuerten wir die südlichen Viewpoints an. Wir waren fast die einzigen beim Rainbow Point. Nur ein paar Rehe am Strassenrand begegneten uns in den frühen Morgenstunden. Was uns am besten gefiel war, dass es an jedem Viewpoint eine andere Aussicht zu bestaunen gab. Mal sah man die bekannten Nadeln in rot, dann in weiss und ein anderes Mal war ein Steinbogen die Attraktion.

In der nächsten Nacht hatte es in den höheren Lagen um den Bryce Canyon geschneit, weshalb wir ein drittes Mal in diesen Nationalpark fuhren. Wir waren gespannt, wie die Hoodoos mit Zuckerguss aussahen und steuerten direkt den hochgelegenen Rainbow Point an. Leider war die Strasse wegen des Schnees gesperrt, aber auch die Aussicht von den Viewpoints davor war sensationell. Auch wenn jetzt nicht Berge von Schnee auf den Spitzen lag, so gab der weisse Puder dem Panorama trotzdem ein ganz anderes Aussehen.


red canyon

Fakten und Zahlen:
Ca. 490 km (4 Std. 45 Min.) von Las Vegas entfernt
Ca. 95 km (1 Std. 5 Min.) vom Zion National Park entfernt
20 km (15 Min.) nordwestlich des Bryce Canyon National Park
Bundesstaat: Utah
Gehört zum Dixie National Forest
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 26.04.2014
Wetter: Schneefall, kalt, windig

Dieser Canyon stand nicht in meinem Reiseführer. Da wir jedoch die Cottonwood Canyon Road wegen des Regens nicht befahren konnten, suchten wir nach einer Alternative in der Nähe des Bryce Canyon, welchen wir wegen seiner Schönheit eben ein drittes Mal besucht hatten. In einer Broschüre zu der UT 12 fanden wir den Red Canyon, der direkt an der Scenic Road liegt.

Als wir dort ankamen waren wir hingerissen von der Attraktivität dieses kleinen Canyons, der wie der kleine Bruder des Bryce Canyons aussieht. Im Unterschied zum Bryce Canyon erreicht man den Red Canyon vom Talboden aus, so dass man sich in Mitten der Hoodoos befindet. Die roten Felsformationen, die dem Ort seinen Namen gaben, leuchteten vor dem dunkel verhangenen Himmel. Mit der Kamera ausgerüstet erkundigten wir das Gebiet bis es anfing zu nieseln und leicht zu schneien. 

Bei nun stärker einsetzendem Schneefall fuhren wir auf der UT 12 weiter durch den Felstunnel bis ans Westende der Scenic Road, um auch diese Seite gesehen zu haben. Da wir den Kodachrome Basin State Park vom Zion NP aus über die Südroute erreicht hatten, hatten wir bei der Hinfahrt diese wunderschöne Gegend verpasst. Leider schneite es inzwischen so stark, dass uns eine Weiterfahrt Richtung Zion sinnlos erschien, zumal inzwischen die Strasse von einer leichten Schneedecke überzogen war. Wir kehrten um und schon bald schaffte es die Sonne zwischen den dicken Wolken hindurch die Landschaft in ein spezielles Licht zu tauchen.


hell's backbone

Fakten und Zahlen:
Ca. 80 km (1 Std. 30 Min.) vom Capitol Reef National Park entfernt
Ca. 125 km (2 Std.) vom Bryce Canyon National Park entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Länge der Verbindungsstrasse von Boulder nach Escalante: 38 Meilen (61 km)
Höhe: Über 9'000 Feet (2'750 m ü. M.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 27.04.2014
Wetter: Sonnenschein, kalt

Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Broschüre zur UT 12 war "Hell's Backbone". Die Strasse lag mehr oder weniger auf dem Weg vom GSENM ins Capitol Reef. Wir fragten im Visitor Center in Escalante nach, ob diese Dirt Road befahrbar sei, was die nette Rangerin bejahte. So bogen wir also kurz nach Escalante in die ausgeschilderte Strasse ab. Die Fahrt führte vorbei an Wäldern und Rehen immer höher, um bei der Backbone Bridge einen spektakulären Ausblick auf die Box-Death Hollow Wilderness zu bieten.

Der Umweg war lang und unser Auto war vom Schneematsch auf dem Kiesweg voller Schlamm, aber trotzdem bereuten wir es nicht, diese Strasse befahren zu haben. Die Aussicht auf die zerklüfteten Schluchten war einmalig und so ganz anders, als das, was wir bisher gesehen hatten.

Wieder auf der UT 12 angelangt, wurdeuns bewusst, dass wir das Kiva Koffeehouse umfahren hatten, von dem wir vor unserem Reiseantritt so viel gelesen und gesehen hatten. Wir mussten dahin, also fuhren wir die zehn Meilen westwärts, um dort bei herrlicher Aussicht ein kleines Mittagessen zu genehmigen, das aus einer Suppe und einem Salat bestand. Beides war äusserst lecker. 


big horn canyon

Fakten und Zahlen:
Ca. 22 km (25 Min.) von Escalante entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 27.04.2014
Wetter: Sonnenschein, kühl

Von Isabel Synatschke, deren Reiseführer "USA der ganze Westen" (ISBN 978-3-89622-279-2) und Website ich von vorne bis hinten durchgestöbert hatte, wusste ich, dass es in der Nähe zum Big Horn Canyon ging. Dank der GPS-Daten fanden wir den Parkplatz auf Anhieb und begaben uns auf den Trail.

Obwohl für uns beim Dryfall Schluss war, weil wir keine Ahnung hatten, wie wir da hinunterklettern hätten können, war die Gegend einmalig. Wir untersuchten seltsame schwarze Steinbrocken bis wir darauf kamen, dass es sich um versteinerte Bäume (oder Stücke davon) handeln musste. Diese faszinierten uns genauso wie die Strukturen im Slickrock und die hübschen Blumen, die der Frühling hervorbrachte.


capitol reef national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 110 km (1 Std. 35 Min.) von Escalante entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Länge der Monocline (Falte in der Erde): 100 Meilen
Eintritt: $ 5 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 27.04. / 28.04.2014
Wetter: Sonnenschein, nachts Regen, kühl

Schliesslich trafen wir im Broken Spur Inn & Steakhouse in Torrey ein, wo wir unsere nächste Nacht mit Blick auf das wuchtige Bergmassiv von Capitol Reef NP verbringen wollten. Wir wurden sehr freundlich empfangen. Als die Dame an der Rezeption uns den Weg zum Swimming Pool zeigte, war ich etwas belustigt bei dem Gedanken, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schwimmen zu gehen. Zwinkernd gab sie mir zu verstehen, dass es sich um ein Hallenbad handelte und keineswegs als Scherz gemeint war.

Das gesamte Hotel und Restaurant ist dem Thema "Cowboy" gewidmet. Dies zeigte sich in Bildern und Gegenständen in allen Räumen und im Aussenbereich. Wir fühlten uns sehr wohl hier und genossen unsere Steaks zum Abendessen. Dazu tranken wir Bier, das in Gläsern serviert wurde, welche einem Einmachglas mit Schraubverschluss nachempfunden waren. Der Aufenthalt war äusserst angenehm und sowohl Unterkunft wie auch Restaurant sind zu empfehlen. 

Wir unternahmen gleich am Abend einen Abstecher ins Capitol Reef, welches als Gesamtes ein beeindruckendes Bergmassiv war. Ein anderer Blick bot der Goosenecks Overlook. Leider führte der Fluss kaum Wasser, so dass dieser Ausblick nicht ganz so spektakulär war. 

Am Morgen erwachte ich bei Dämmerung und der Blick aus dem Fenster bestätigte, dass es in der Nacht geregnet hatte. Damit war klar, dass wir auf das Cathedral Valley im Norden des Capitol Reef NP verzichten mussten, denn Dirt Roads waren bei Nässe nicht zu befahren. Ich war enttäuscht, denn genau auf diesen Teil des Parks hatte ich mich am meisten gefreut. Der Himmel war nebelverhangen, also legte ich mich nochmals schlafen. Ein paar Minuten später wurde ich geweckt, weil unser Zimmer vom einem knalligen Sonnenaufgang hell erleuchtet wurde. Genau hinter den Bergen des Capitol Reefs war die Sonne aufgegangen und dazu fiel etwas Schnee. Schnell waren unsere Lebensgeister wach und wir voller Tatendrang.

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Moab. Nach der Besichtigung der Historic Fruita School ging es weiter auf der UT 24 bis Hanksville, wo wir rechts auf die UT 95 abbogen. Unser Zwischenziel war Little Egypt Geologic Site, etwas südlich von Hanksville.


little egypt geologic site

Fakten und Zahlen:
Ca. 110 km (1 Std. 35 Min.) von Torrey entfernt
Ca. 36 km (30 Min.) von Hanksville entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 28.04.2014
Wetter: Sonnenschein, mässig warm, sehr windig

Auch hier waren wir dankbar für die GPS-Daten, die in unserem persönlichen Reiseführer notiert waren. So fanden wir dieses kleine Areal auf Anhieb. Ich konnte es kaum erwarten, diese kuriosen Sandsteinformationen abzulichten. Viel zu spät merkte ich, dass ein heftiger Wind Unmengen von Sand aufwirbelte und ich meine Kamera nicht geschützt hatte. Vermutlich bedarf sie nach den Ferien einer Generalüberholung, doch daran mochte ich noch nicht denken. Wir bereuten keine Sekunde, diesen Abstecher unternommen zu haben. Auch wenn das Gebiet nicht gross war, bot es genügend Material, um eine Speicherkarte zu füllen. Besonders gefallen hatte mir das weisse Band, das die Steine durchzog und somit waren sie attraktiver, als diejenigen im vergleichbaren Goblin Valley.

Zu gerne wäre ich auf der wunderschönen UT 95 weiter Richtung Moab gefahren, doch zum einen wäre der Umweg riesig gewesen und zum anderen hätten wir dann den Goblin Valley State Park verpasst, der auf unserer "Must-See-Liste" stand.


goblin valley state park

Fakten und Zahlen:
Ca. 130 km (1 Std. 35 Min.) von Torrey entfernt
Ca. 50 km (50 Min.) von Hanksville entfernt
Bundesstaat: Utah
Grösse: 12.2 km2
Höhe: 5'000 Fuss (1'524 m ü. M.)
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Eintritt: $ 8 pro Auto für 1 Tag
Datum: 28.04.2014
Wetter: Sonnenschein, mässig warm, sehr windig

Wir fuhren von Little Egypt wieder zurück nach Hanksville und auf die UT 24. Beim Goblin Valley State Park angekommen, wollten wir eigentlich unser mitgebrachtes Mittagessen einnehmen, doch wegen des starken Windes war dies im Freien unmöglich. Also verzichteten wir und gingen zu den Sandsteingebilden, die an Pilze und Kobolde erinnern. Meine Kamera liess ich im Auto zurück, damit sie nicht noch dreckiger wurde. Anders als im Little Egypt, wo wir die einzigen waren, tummelten sich hier unzählige Touristen, die auf den Formationen herumkletterten und sich in allen möglichen und unmöglichen Posen fotografieren liessen. Auch wir liessen uns hinreissen, ein paar Fotos von uns mit Reiners kleinen Kamera zu schiessen.

Im Nachhinein würde ich wohl nach einem Besuch von Little Egypt auf Goblin Valley verzichten, zumal mir nun bewusst geworden ist, dass der Umwegüber die UT 95 nach Moab lediglich 80 km ausgemacht hätte. So aber ging es weiter durch die endlose Wüste bis wir endlich in unserem Motel in Moab ankamen.


moab

Fakten und Zahlen:
Ca. 740 km (6 Std. 45 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaat: Utah
Fläche: 9.4 km2
Höhe: 1'227 m ü. M.
Einwohner: 5'093 (Stand 2012)
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Datum: 28.04. - 02.05.2014
Wetter: Sonnenschein, kühl

Das Inca Inn Motel wird auf Tripadvisor und bei Booking.com in den höchsten Tönen gelobt. Unser erster Eindruck war jedoch nicht ganz so positiv, wie alle Bewertungen darstellten. Erst wurden wir von einem grobschlächtigen Mann empfangen, der uns sämtliche Regeln des Motels herunterleierte. Er vergass auch nicht zu erwähnen, welche Strafen uns erwarten würden, wenn wir uns nicht daran hielten. Ich wollte eigentlich nur noch unter die Dusche und mich etwas hinlegen, denn ich war ziemlich müde und ich fühlte mich nicht gut, doch er gab uns noch Tipps und Gutscheine für diverse Restaurants in Moab. Vermutlich ist er gar nicht böse, sondern ich war bloss etwas empfindlich.

Wir gingen also in unser Zimmer und trauten unseren Augen nicht. Der Teppichboden war komplett nass und in der Ecke brummte laut ein Entfeuchter. Ein paar Sekunden überlegten wir, ob wir das so annehmen konnten, entschieden uns aber dagegen. Somit mussten wir nochmals zu dem netten Herrn an der Rezeption, was mir ziemlich unangenehm war. Bereits beim Eintreten bellte er, ob noch was sei. Ich war etwas eingeschüchtert und versuchte ihm unser Problem mit dem nassen Boden und dem Baustellengerät im Zimmer zu erklären. Bevor er etwas darauf antworten konnte, kam er, Grant Peck. Er ist der Besitzer des Motels und tat alles, um das Problem zu beheben. Erst erklärte er uns, woher die Feuchtigkeit kam. Das Zimmer wurde nämlich von den Betten über die Fenster bis zu den Böden grundgereinigt und war schlicht noch nicht ganz trocken, als wir ankamen. Grant rannte und organisierte uns ein anderes Zimmer und half uns sogar noch beim Umzug.

Moab selber bestand aus einer Strasse (und ein paar wenigen Nebenstrassen) mit vielen Restaurants, Tankstellen, Läden und Adventure-Anbietern. Damit jeder Gast eines der unzähligen Restaurants auswählen konnte, lagen Hefte auf, in denen diese vorgestellt wurden. Viele davon hatten sogar einen Auszug aus der Speisekarte mit Preisen gedruckt, so dass die Wahl einfacher fiel. Mir hatte es im La Hacienda gleich neben dem Motel ausgezeichnet geschmeckt. Die Meeresfrüchte in meinem Seafood Chimichanga waren so zart und geschmackvoll, dass ich heute noch davon träume.

Der Ort eignet sich sehr gut als Ausgangspunkt für Besuche im Arches National Park, Canyonlands National Park und Dead Horse Point State Park.

Wir verbrachten vier Nächte in Moab bevor wir unsere Reise weiter auf der I-191 Richtung Colorado fortsetzten. Nach gut 40 km war der Wilson Arch gut sichtbar. Kurz bevor die Strasse zum Canyonlands Nationalpark - The Needles abzweigt, führt eine unbefestigte Strasse zu dem Needles Overlook und dem Anticline Overlook. Bereits auf der Karte konnten wir erkennen, dass es ein weiter Weg zu diesen beiden Aussichtspunkten war und der Wegweiser bei der Abweigung bestätigte diese Vermutung. Trotzdem liessen wir es uns nicht nehmen, diese Punkte anzufahren.

Der Needles Overlook war überwältigend. Der Aussichtspunkt befindet sich auf 1'919 m ü. M. und bietet einen herrlichen Rundblick auf Canyonlands. Ein anderer Blick aber nicht weniger spektakulär bietet der Anticline Overlook. So weit ich meine Augen auf der Rundwanderung beim 1'751 m ü. M. hohen Aussichtspunkt schweifen liess, sah ich Schluchten und Risse im Boden. Die Informationstafeln blieben uns leider verwehrt. Eine grosse Anzahl an Holzbienen hatten sie in Beschlag genommen und auch wenn sie nicht agressiv schienen, flössten sie mir mit ihrer Grösse und den schwarz glänzenden Körpern gehörig Respekt ein. Wie ein Fremdkörper und doch irgendwie faszinierend ist die von weitem sichtbare blau-weisse Potash Mine.

Es fiel mir schwer, mich von diesen schönen Orten zu lösen und weiter zu fahren, doch es lag noch ein weiter Weg vor uns, schliesslich hatte uns dieser kleine Ausflug 124 km und über drei Stunden gekostet. Wir sind uns aber einig: Das war es wert!


arches national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 9 km (9 Min.) von Moab entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 310.3 km2
Eintritt: $ 10 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 29.04.2014 / (30.04. / 01.05.2014)
Wetter: Sonnenschein, mässig warm

Obwohl ein Arbeitskollege vom Arches NP geschwärmt hatte, war ich nicht ganz so überzeugt, dass dies mein Favorit werden könnte. Ich hatte mir vorgestellt, durch den Park zu fahren und links und rechts Steinbögen zu sehen, um dann ohne ausgestiegen zu sein wieder aus dem Park hinauszufahren. Gut, das war etwas übertrieben, und hatte mit der Wirklichkeit zum Glück nichts zu tun.

Bereits nach den ersten paar Metern im Park konnte ich Oliver (den oben erwähnten Bürokollegen) verstehen. Jeder Viewpoint bot einen völlig anderen Blick auf Felsen, Hügel, Steinbögen oder in die Weite. Da ist nach einer kurvenreichen Strasse - nur schätzungsweise zwei bis drei Kilometern nach dem Eingang - die "Park Avenue" mit dem gleichnamigen Trail. Grossartige Felstürme geben ein prächtiges Fotomotiv ab. Auch "The Organ", "Courthouse Towers" und "Tower of Babel" sind hohe, steile Felswände, die einen Fotostopp wert sind.

Besonders reizvoll fand ich den Balanced Rock. Ein einfacher Wanderweg führt rund um den riesigen Steinbrocken, der auf einem Felsen steht, als ob er von Menschenhand dort oben angebracht worden wäre. Eine Frau aus Alabama bot uns an, uns vor diesem Gebilde zu fotografieren. Wir freuten uns über den kurzen Small Talk mit ihr und über das Foto.

Auf dem weiteren Weg besuchten wir den Sand Dune Arch und den Skyline Arch. Beim Sand Dune Arch war eine Familie, deren Kinder im Sand herumtobten. Ich wartete geduldig, bis sie ihr Spiel beendet hatten, damit ich den Steinbogen menschenleer fotografieren konnte. Immer mehr Leute kamen und gingen, aber die Familie hatte Ausdauer. Inzwischen waren wir nicht mehr die einzigen, die auf den Abgang der Familie hofften. Als es endlich soweit war, kamen die nächsten Touristen. Schliesslich gaben erst unsere Leidensgenossen und dann auch wir auf. Reiner hatte es trotzdem geschafft, einen freien Blick auf den Bogen zu erhaschen und festzuhalten.

Ein weiteres Highlight versprach ich mir von Devil's Garden im Norden des Nationalparks. Als wir jedoch den überfüllten Parkplatz sahen, verzichteten wir auf diese Wanderung, was wir später bereuten. Ich haderte damit, nicht gleich am frühen Morgen hierher gefahren zu sein, als bestimmt noch nicht so viele Menschen auf diese Idee gekommen waren.

Eine Meile südlich des Parkplatzes zum Devil's Garden Trailhead fanden wir es wieder an der Zeit, unser Auto etwas zu fordern und bogen in die unbefestigte Salt Valley Road ein, die zu den Klondike Bluffs führte. Wenige Autos standen auf dem Parkplatz. Eines davon war ein alter VW-Bus mit unzähligen Aufklebern aus aller Welt und einem Schwyzer Kennzeichen. Das alte, originelle Auto zog auch die Blicke eines anderen Paares auf sich.

Wir erklommen die steile, aber kurze Felswand und folgten den Cairns, die die Wanderwege kennzeichneten. Diese Wanderung entschädigte uns für den entgangenen Devil's Garden und ich war wieder glücklich und zufrieden.

Nach unseren Ausflügen zu Canyonlands National Park The Needles am Mittwoch und Island in the Sky am Donnerstag waren wir zwar müde, aber wegen der Nähe zu Arches und seiner Schönheit fuhren wir an beiden Abenden zum Sonnenuntergang nochmals in den Arches NP. Als Standort für unsere Beobachtung wählten wir "The Windows". Besonder hübsch war der Blick vom Parkplatz aus, wo die Sonne hinter der "Parade of Elephants", einer Felsformation mit oben abgerundeten, aneinander gereihten Felstürmen unterging. Mit diesem wundervollen Sonnenuntergang ging nicht nur der Tag, sondern auch unser Besuch im Arches National Park, einem meiner Favoriten auf unserer Tour, zu Ende.


canyonlands national park

Fakten und Zahlen:
The Needles: Ca. 115 km (1 Std. 20 Min.) von Moab entfernt
Island in the Sky: Ca. 50 km (40 Min.) von Moab entfernt
Bundesstaat: Utah
Lage: Südosten des Canyonlands National Park
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 1'336,21 km2 
Eintritt: $ 10 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 30.04. / 01.05.2014
Wetter: Sonnenschein, kühl, windig

Canyonlands NP ist durch den Colorado River und den Green River in drei sehr unterschiedliche Gebiete unterteilt. Südöstlich des Colorado Rivers stehen in "The Needles" unzählige Felsnadeln, die dem Teil seinen Namen geben. "Island in the Sky" im Norden wird durch beide Flüsse dreiecksförmig eingeschlossen. Der kleinste und am wenigsten erschlossene Teil liegt im Westen und trägt den Namen "The Maze". Wir konzentrierten uns für unsere Tour auf "The Needles" und "Island in the Sky".

Auf "The Needles" freute ich mich am meisten. Zwar war es eine recht lange Anfahrt von Moab, aber die lohnte sich auf jeden Fall. Bereits die Hinfahrt führt an dem Wilson Arch vorbei, der von der Strasse aus sehr gut sichtbar war. Die weitere Fahrt bot Ausblick auf zwei Mesas und die Nadeln, die dem Teil des Nationalparks den Namen gaben.

Wir fuhren gleich zum Big Spring Canyon Overlook und parkten das Auto beim Parkplatz zum Slickrock Foot. Der Rundgang war mit 2.9 Meilen (4.67 km) genau die richtige Länge für mich, ohne dass ich grosse Knieschmerzen befürchten musste. Obwohl es recht warm war, zog ich meine Jacke an. Wir folgten den Cairns auf der Hochebene zum ersten von vier Viewpoints. Der Blick auf die 40 Meilen entfernten La Sal Mountains war atemberaubend. Nun war ich sehr froh um meine Jacke und die dazugehörige Kapuze, denn der Wind peitschte uns mächtig entgegen.

Ich war schon gespannt auf den zweiten Aussichtspunkt und wanderte frohgemut weiter. Ein Schild mit der Aufschrift, dass hier der Rundgang anfangen würde, verwirrte mich sehr - schliesslich waren wir doch längst auf der Wanderung. Ich liess mich jedoch nicht beirren und folgte weiter den Steinmännchen und den seltenen Wegweiserchen. Beim zweiten Aussichtspunkt setzte ich mich auf den warmen Stein und genoss die Aussicht. Ein älteres Paar kam uns entgegen und die lebenslustige alte Dame scherzte mit uns. Zum Leidwesen ihres Partners kletterte sie auf den Felsen am Abgrund herum, um noch einen besseren Ausblick auf die Gegend zu erhaschen.

Nach einer Weile zurück auf dem Wanderweg kam uns eine Asiatin in Crocs entgegen und fragte uns nach dem Weg zum Parkplatz. Sie musste schon einige Meilen in diesen Schuhen über die Felsen gelaufen sein, was uns gleichermassen erstaunte wie auch belustigte. Wir erklärten ihr den Weg, worauf sie sich mit etwas verwirrtem Blick bedankte und in gezeigter Richtung davon marschierte. Wir bogen zum dritten Viewpoint ein. Wieder begegneten wir diesem älteren Paar und wechselten ein paar Worte über den Wind und die Temperaturen auf der Wanderung.

Kurz bevor es dann zum vierten und letzten Viewpoint ging, war da wieder die Asiatin, die noch immer den Parkplatz suchte. So hatte ich noch einmal die Möglichkeit zu sehen, dass es durchaus möglich war, mit Plastikschuhen durch die Berge zu ziehen. Der vierte Viewpoint bietet den Blick auf den Big Spring Canyon, den Grandview Point und Junction Butte im Norden. Als wir schliesslich wieder beim Schild ankamen, das den Start des Loops markierte, dämmerte es mir, dass der Anmarsch bis zu diesem Punkt in der Distanzangabe nicht enthalten war. So zeigte unser Navi an, dass wir 9.4 km gewandert waren und ich war mächtig stolz auf mich und noch mehr freute es mich, dass mein Knie beinahe beschwerdefrei war.

Das geplante Picknick fiel wieder wegen des starken Windes ins Wasser und somit hungerten wir, bis wir uns am Abend vernünftig verpflegen konnten. Wir genossen nichts desto Trotz die herrliche Landschaft in diesem wundervollen Gebiet.

Am Tag darauf ging es in den nördlichen "Island in the Sky". Leider waren wir sehr beschränkt in der Auswahl der Strassen, da der grösste Teil der Wege Allradantrieb erfordern. Während ich mich in The Needles gut damit abfinden konnte, weil wir auch auf den asphaltierten Strecken viel zu sehen bekamen, war ich hier schon etwas enttäuscht.

Die befestigte Strasse befindet sich auf den Hochplatteas, dazuwischen schlängeln sich die gewaltigen Canyons. So stellte ich mir den Grand Canyon vor. Auch wenn die Canyons beeindruckend waren, so gefiel mir der Süden mit den vielfältigen und traumhaft schönen Hoodoos besser.


dead horse point state park

Fakten und Zahlen:
Ca. 50 km (35 Min.) von Moab entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 21.7 km2 
Eintritt: $ 10 pro Auto für 1 Tag
Datum: 01.05.2014
Wetter: Sonnenschein, kühl, windig

Auf dem Weg zu "Island in the Sky" kommt man fast unmittelbar am Dead Horse Point State Park vorbei. Am Ende der Strasse im Süden liegt der Dead Horse Point Overlook, der einen schönen Blick auf den 2'000 Fuss tieferen Schwanenhals (Gooseneck) des Colorado Rivers bietet. Auch hier führte der Fluss nur sehr wenig Wasser.

Die Aussichten von den verschiedenen Viewpoints war trotz des dunstigen Morgens phantastisch. Lange halten wir uns jedoch nicht in diesem State Park auf, denn es stand noch Island in the Sky auf dem Tagesprogramm.


mesa verde national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 200 km (2 Std.) von Moab entfernt
Ca. 16 km (12 Min.) von Cortez entfernt
Bundesstaat: Colorado
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 210 km2
Höchster Punkt: Knapp 2'600 m ü. M.
Eintritt: $ 10 (Sept. - Mai) / $ 15 (Mai - Sept.) pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 02.05. - 03.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Der Mesa Verde NP befindet sich in Colorado nahe der Grenze zu Utah, Arizona und New Mexico. Es ist der einzige Nationalpark der USA, der zum Schutz eines archäologischen Ortes eingerichtet wurde. Auf dem Tafelberg werden interessante Einblicke in das Leben der vorkolumbianischen Anasazi-Stämme geboten, deren Felswohnungen teilweise noch sehr gut erhalten sind.

Beim Eingang in den Park fragte uns der Ranger, ob wir uns bereits um Tickets bemüht hätten. Wir verneinten, worauf er etwas vom Visitor Center murmelte. Wir orientierten uns anhand des Informationsmaterials - welches auch die Besucher lang und breit über das Bärenvorkommen informierte - und stellten fest, dass sich im Maplet (App auf dem iPad) eine alte Karte befinden musste. Auf dieser war das Visitor Center neben der Far View Lodge in Mitten des Parks angesiedelt, nun befand es sich jedoch vor dem Eingang zum Nationalpark.

Wir entschieden uns für eine Führung zum Cliff Palace. Der freundliche Herr beim Ticketverkauf im Visitor Center bot uns eine Führung für 16 Uhr an, die wir buchten. Bis dahin hatten wir noch genügend Zeit, in der Far View Lodge einzuchecken und uns etwas umzusehen.

Die Führung zu der archäologischen Stätte war sehr interessant. Die Rangerin ermahnte die vielen Teilnehmer, genügend Wasser mitzunehmen für die anstrengende Wanderung, die über enge Stufen hinunter und über vier Leitern wieder zurück zum Parkplatz führen würde. Personen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden riet sie von der Tour in dieser Höhe ab. Ich machte mir Sorgen, dass mir das Ganze zu anstrengend sein würde und liess den Blick über die grosse Runde schweifen. Viele der Personen waren übergewichtig oder nicht gut zu Fuss, so dass ich es doch wagte, mitzugehen.

Bereits beim Abstieg zu der Felsbehausung ächzten und stöhnten die ersten. Ich konnte dies überhaupt nicht nachvollziehen; da waren wir weitaus längere und steilere Strecken gelaufen. Sogar die Rangerin war etwas ausser Atem, als sie uns interessante Details über das Cliff Palace mit seinen 23 Kivas und das Leben der Bewohner, dem Anasazi-Stamm erzählte.

Rund eine Stunde später erklommen wir die besagten Leitern. Auch diese Anstrengung hielt sich in Grenzen, doch eine Frau war so dermassen ausser Puste, dass sie sich mitten auf der Strecke hinsetzen musste. Sie sah furchtbar aus, so dass ich mir Sorgen um ihren Gesundheitszustand machte. Gleichzeitig fragte ich mich, wieso sich jemand in solch einer schlechten körperlichen Verfassung nach den anfänglichen Warnungen auf so eine Führung begibt.

Noch galten im Park die Winterbedingungen und somit waren nicht alle Strassen geöffnet, obwohl es sonnig und heiss war. Wir schauten uns die zugänglichen Sehenswürdigkeiten an und genossen am Abend den Ausblick aus unserem Zimmer. Während der Dämmerung konnten wir vom Balkon aus ein paar Rehe nur wenige Meter weit weg beim Äsen beobachten.


monument valley tribal navajo park 

Fakten und Zahlen:
Ca. 240 km (3 Std.) von Moab entfernt
Ca. 150 km (2 Std. 10 Min.) von Cortez entfernt
Bundesstaat: Arizona
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 371 km2
Höhe: 5'564 Fuss (1'696 m ü. M.)
Eintritt: $ 20 pro Fahrzeug für max. 4 Personen
Datum: 03.05. - 04.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Die Fahrt zum Monument Valley war sehr kurzweilig. Vielfältige Landschaften und hübsche Örtchen wechselten sich ab. Besonders süss fand ich Bluff, in welchem man das Gefühl hat, die Zeit sei stehengeblieben. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Valley of Gods, eine Art Mini Monument Valley ohne Eintrittsgebühr. Eine Dirt Road führt in einem grossen Bogen von der I-163 vorbei an den verschiedenen Buttes mit Namen wie "Seven Sailors Butte", "Setting Hen Butte", "Rooster Butte", "Franklin Butte" etc. zur UT 261, welche ihrerseits auf der I-163 endet.

In der Nähe von Mexican Hat konnten wir den fotogenen Mexican Hat Rock ausmachen und nochmals etwas weiter hielten wir an, um vom berühmten Forrest Gump Point aus das obligate Foto zu schiessen. Dann endlich kamen wir im Monument Valley an, was erstmal ein Schock war. Der riesige Parkplatz war voll mit Autos, Bussen und vor allem Menschen. Überall standen sie, aber die meisten standen in einer Schlange vor der Damentoilette. Nein, nicht in einer Schlange wie ich das sonst in den USA so sehr schätze. Die französisch sprechende Masse drängte sich vor mich, als ob ich Luft wäre. Hätte ich nicht ein dringendes Bedürfnis gehabt, hätte ich mich wieder davon gemacht. So aber wartete ich geduldig auf eine freie Kabine. Beim Hinausgehen war es menschenleer. Vermutlich hatte ich das Pech, mitten in eine Busladung geraten zu sein.

Nun war ich bereit für die Buckelpiste, auf der ein High Clearance Fahrzeug gefordert wurde. Trotzdem meisterten einige Fahrer mit ihren Sportautos und Limousinen die besonders unebene, steile und sandige Anfangspassage, wenn auch nicht ohne Mühe. Anhand der Kratzer auf den Steinbrocken war es besser, sich die Unterseiten der Karossen nicht anzusehen.

Der 17 Meilen lange Scenic Drive war grossartig. Wir hielten an den verschiedenen Buttes und anderen Formationen, um zu fotografieren. Inzwischen war es ganz schön heiss, so dass mich eine kurze Wanderung bereits ziemlich anstrengte. Nach dieser Tour war es Zeit, um im The View Hotel einzuchecken. Kurz und knapp ging das Check In über die Bühne und wir waren in unserem Zimmer Nummer 204 mit phantastischem Ausblick auf West, East und Merrick Butte. Während wir es uns auf unserem Balkon gemütlich machten, öffnete sich die Tür und ein fremdes Pärchen betrat unser Zimmer in der Meinung, es wäre ihres. Sie hatten dieselbe Zimmernummer zugeteilt bekommen, was für leichte Aufregung sorgte.

Zu viert gingen wir zur Rezeption um das Problem darzulegen und eine Lösung herbei zu schaffen. Der Herr an der Rezeption verstand unser Problem nicht und ich reagierte bereits etwas gereizt, als sich herausstellte, dass die beiden anderen sich im Zimmer geirrt hatten: Sie hatten die 206 und taten sich schwer im Lesen der 6. Anscheinend hatten wir die Tür nicht richtig geschlossen, weshalb sie diese öffnen und eintreten konnten. Beruhigt gingen wir alle auf die nun richtigen Zimmer, welche grossartig waren.

Am Abend genossen wir den Sonnenuntergang, der die Buttes in ein herrliches Licht tauchte und am Morgen verhalf eine leichte Bewölkung den Himmel in den schillerndsten Rottönen zu erhellen. Das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt.

Beim Frühstück unterhielten wir uns bestens mit unseren Tischnachbarn aus Tucson. Obwohl sie selbst in Arizona lebten, waren sie das erste Mal im Monument Valley. Dass wir aus der Schweiz kamen, freute die beiden unheimlich, weil sie selbst kürzlich ihren Hochzeitstag im Berner Oberland verbracht hatten, von wo auch ursprünglich seine Mutter stammte.

Am liebsten wäre ich noch länger im Monument Valley geblieben, aber wir hatten bloss eine Nacht in dem tollen Hotel gebucht. Also hiess es Abschied nehmen. Wir fuhren nochmals die Scenic Road, drehten aber bei den Three Sisters um, weil der Himmel eine gefährlich dunkle Farbe angenommen hatte. Wir wollten auf keinen Fall bei Regen die Sandpiste fahren, weshalb wir auf die weitere Strecke verzichteten. Der Regen setzte dann zwar nicht ein, dafür waren wir zeitig unterwegs, um noch einen Abstecher ins Gebiet der Hopi zu unternehmen, bevor wir Page anfuhren.


coal mine canyon

Fakten und Zahlen:
Ca. 35 km (35 Min.) von Tuba City entfernt
Ca. 150 km (1 Std. 45 Min.) von Page entfernt
Ca. 160 km (1 Std. 50 Min.) von Flagstaff entfernt
Bundesstaat: Arizona
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 04.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

In den Vorbereitungen hatte ich vorgesehen, den Coal Mine Canyon und Blue Canyon auf der Weiterfahrt von Page aus Richtung Grand Canyon zu besuchen. Nun aber waren wir früh dran, deshalb disponierten wir kurzerhand um. Obwohl ich wusste, dass die Anfahrt zum Blue Canyon von Süden her leichter sein müsste, probierten wir es von Norden her. Auf den ersten paar Meilen war die Sandpiste noch recht griffig, aber als wir auf tiefen Sand trafen, kehrten wir wieder um und verzichteten schweren Herzens auf die Zipfelmützen. Der Verzicht war mir aber lieber, als in der Einsamkeit stecken zu bleiben. Stattdessen fuhren wir nach Tuba City und von dort aus zum Coal Mine Canyon. Wir bogen wie beschrieben kurz vor dem Milepost 337 links von der SR 264 ab. Den Blick eines entgegenkommenden Autofahrers konnten wir nicht so recht deuten, aber wir waren uns sicher, kein Fahrverbot übersehen zu haben. Weit und breit war nur flaches Land und kein Canyon zu sehen, dabei sollte gemäss Beschreibung nach ca. 700 m ein Parkplatz und Picknickplatz kommen.

Bei einer Ruine tat sich die Erde auf. Das musste der Canyon sein. Die Ruine als Picknickplatz zu bezeichnen fand ich zwar etwas kühn. Trotzdem stellten wir das Auto ab und gingen zu Fuss an den Rand des einmaligen Canyons. Ich war hell begeistert von der Schönheit des Gesteins. In der Hoffnung, noch einen etwas anderen Blick zu erhaschen, gingen wir der Kante des Canyons entlang bis Reiner beinahe auf eine Schlange getreten wäre. Im Nachhinein war ich überrascht, wie cool ich auf dieses Ereignis reagiert hatte. Ganz ruhig wies ich Reiner auf das Tier hin, wich langsam zurück und machte ein paar Bilder aus sicherem Abstand. 

In dem Moment entdeckten wir den Parkplatz und die Grillstelle mit Tischen und Bänken. Wir waren offensichtlich eine Strasse zu früh abgebogen. Während ich noch weiter fotografierte, ging Reiner zum Auto. Erst als ich alleine war, holte mich das vorherige Ereignis ein und ich hatte Angst, bei jedem weiteren Schritt auf eine Schlange zu treten. Trotzdem liess ich es mir nicht nehmen, die Sicht auf den Canyon zu geniessen.


page (und umgebung)

Fakten und Zahlen:
Ca. 210 km (2 Std. 10 Min.) von Flagstaff entfernt
Ca. 445 km (4 Std. 25 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaat: Arizona
Grösse: 43 km2
Einwohner: 7'316 (Stand 2012)
Höhe: 1'255 m ü. M.
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Datum: 04.05. - 07.05.2014
Wetter: Sonnenschein - leichte Bewölkung, heiss, teilweise sehr windig

Statt über die AZ 98 kamen wir nun über die US-89 nach Page. Wegen eines Erdrutsches im Februar 2013 war das letzte Teilstück dieser Strasse so beschädigt, dass sie unpassierbar wurde. Eine Umfahrungsstrasse wurde gebaut. Von Tuba City aus war dies eine Abkürzung, für viele Unternehmungen von Page aus ein riesiger Umweg. Ich empfand den Streckenabschnitt als einen der langweiligsten auf der ganzen Rundreise.

Ich hatte mir Page ähnlich vorgestellt, wie Moab. Doch die beiden Orte hatten nichts gemeinsam. Während in Moab alles auf den Tourismus ausgelegt war, hatte ich das Gefühl, in Page in eine Stadt zu kommen, die auch ohne Touristen funktioniert. Sie ist in verschiedene Bereiche aufgeteilt: Im einen Teil der Stadt findet man Kirchen verschiedenster Religionen, im anderen die Fast Food Ketten und wieder in einem anderen die Motels. Auch unser Motel war in diesem schrecklichen Teil von Page angesiedelt. Ich befürchtete bereits das Schlimmste.

An der Office-Tür zum Lulu's Sleep Ezze Motel hing ein Zettel mit Instruktionen für das Check In. Es war Sonntag und der Besitzer abwesend. Am nächsten Morgen lernten wir ihn kennen. Matt ist ein herzlicher, offener Mann, der sich sehr um seine Gäste bemüht. Er sorgt dafür, dass der Grill sauber bleibt und dass man sich wohl fühlt. Neben dem Grill dürfen die Gäste auch eine voll ausgestattete Küche mitbenutzen und es gibt im Garten jede Menge Sitzgelegenheiten.

Am zweiten Tag war es deutlich kühler, als bei unserer Ankunft und es sah nach Regen aus. Wir fuhren zum Horseshoe Bend, um die wundervolle Aussicht auf den herrlich grünen Colorado River mit vielen anderen Besuchern zu teilen. Der Anmarsch war nicht ganz ohne, da das Gehen im Sand wesentlich anstrengender ist, als auf festen Wegen. Wir beobachteten einen jungen Mann, wie er sein Stativ nahe am Abgrund positionierte, ohne es festzuhalten und warteten darauf, dass der starke Wind das Stativ samt Kamera mitriss. Aber der Fotograf hatte Glück und seine Konstruktion blieb stabil.

Da es bewölkt war, wollten wir nicht in den Antelope Canyon, zumal dort angeblich die Touristen für teures Geld massenabgefertigt würden. Wir entschieden uns für den weiten Weg zum North Rim des Grand Canyons. Als wir dort ankamen, war noch Wintersperre und wir mussten unerledigter Dinge wieder umkehren. Enttäuscht und verärgert über unsere Naivität - wir hätten uns besser informieren sollen - kehrten wir wieder um. Wir machten das beste aus der Situation und genossen die Fahrt entlang der US-89. Bei den Toadstool Hoodoos parkten wir. Die Wanderung zu den Hoodoos war sehr schön und das Areal bei den Hoodoos war wie von einer anderen Welt. Traumhaft schöne Gebilde luden zum Verweilen ein - wäre da nicht der heftige Wind gewesen. Die Rückkehr zum Auto gestaltete sich mühsam, denn der Wind peitschte uns den Sand ins Gesicht, was äusserst unangenehm und schmerzhaft war. 

Selbst nach einer ausgiebigen Dusche hatte ich das Gefühl, noch Sand in den Ohren zu haben. Wir feuerten den Grill an und genossen ein herrliches Barbecue. Zwei Vorarlberger gesellten sich zu uns und wir tauschten uns über unsere Erlebnisse aus. Es wurde ein sehr gemütlicher Abend.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von Matt um in Richtung Grand Canyon (diesmal den ganzjährig geöffneten South Rim) weiterzuziehen.


glen canyon national recreation area

Fakten und Zahlen:
Ca. 5 km (7 Min.) von Page entfernt
Bundesstaat: Arizona
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Eintritt: $ 15 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 04.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Nach dem Einchecken in Page wollten wir die Gegend erkunden und fuhren Richtung Glen Canyon Dam. Wir waren noch nicht mal richtig aus Page raus, da war ich überwältigt von dem Anblick des Lake Powell, dem Damm mit der dazugehörigen Brücke und der Umgebung. Der Kontrast zwischen dem blauen Wasser und den zarten weiss-roten Felsen im Glen Canyon NRA war hinreissend. Erst informierten wir uns über den Staudamm, danach unternahmen wir eine Spazierfahrt dem See entlang.

Zum Abschluss des Tages fuhren wir auf einer Scenic View Road zum Colorado River. Ein kurzer Fussmarsch ermöglichte einen herrlichen Blick auf den Fluss, die Brücke und den Damm. Das Nachtessen genossen wir im Dam Bar & Grille. Von aussen sah es eher nach einem kleinen, an einen Supermarkt angegliederten Restaurant aus, aber innen war es riesig. Wie oft in Amerika mussten wir erst auf einen freien Platz warten. In der Zwischenzeit "durften" wir uns im Shop umsehen. 


grand staircase escalante national monument (2/2)

Fakten und Zahlen:
Ca. 45 km (35 Min.) von Page entfernt
Ca. 75 km (50 Min.) von Kanab entfernt
Bundesstaat: Utah
Zeitzone: MDT (MESZ-8 Std.)
Grösse: 7'689 km2
Eintritt: kostenlos
Datum: 05.05.2014 (Cottonwood Canyon Road)
Wetter: Sonnenschein, heiss, windig

Nun schafften wir es doch noch, die CCR zu befahren, die zu Beginn der Reise wegen Regens unpassierbar war. Da es diesmal trocken war und nicht aussah, als ob sich das ändern würde, stellte die Strasse für unseren Toyota kein Problem dar. Schwieriger gestaltete sich jedoch unser erster Wanderversuch. Weil wir keine Lust auf nasse Füsse hatten, war die Überquerung des Paria Rivers für uns ein unüberwindbares Hindernis. 

Wesentlich besser gelang unser zweiter Versuch. Wir stellten das Auto beim Lower Hackberry Canyon ab und folgten einem Trampelpfad zum Cottonwood Creek. Nach dem Überqueren des Creeks, der kaum Wasser führte, ging es steil bergauf. Vorsichtig stellte ich einen Fuss vor den anderen, um guten Halt in dem losen Gestein zu haben. Als der Pfad noch steiler wurde, musste ich aufgeben. Obwohl mein Kopf weiter wollte, weigerten sich meine Füsse. Widerwillig stieg ich bis zu einem etwas flacheren Teil ab und setzte ich mich auf einen Stein. Ich schaute zu, wie Reiner hochstieg und immer kleiner wurde, bis er mir schliesslich von ganz oben zuwinkte. Dann kam auch er zurück und wir fuhren weiter vorbei an Kühen mit unzähligen kleinen Kälbern und wundervollen Landschaften. Auf einmal sahen wir zwischen zwei Erhebungen den Yellow Rock leuchten. Erst jetzt erkannte Reiner, wie nah er diesem einzigartigen Berg war. Ich ärgerte mich, es nicht weiter geschafft zu haben, denn zu gerne hätte ich diesen Berg erklommen.

Die nächste Station waren die Cottonwood Narrows. Der Zugang war flach aber sehr sandig, danach versperrten Steinbrocken den Weg. Ohne Klettern ging es nicht mehr weiter.

Ein letztes Highlight auf der Strecke war der Grosvenor Arch. Wegen seiner Nähe zum Kodachrome State Park und zur UT 12 war der Steinbogen etwas besser besucht, als der südliche Teil der Strasse, wo wir keinem Menschen und nur sehr wenigen Autos begegnet waren. Doch mit insgesamt vier Fahrzeugen hielt sich der Massenauflauf sehr im Rahmen.


grand canyon national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 455 km (4 Std. 20 Min.) von Las Vegas entfernt
Ca. 175 km (1 Std. 50 Min.) von Page entfernt
Ca. 120 km (1 Std. 15 Min.) von Flagstaff entfernt
Bundesstaat: Arizona
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Grösse: 4'926 km2
Eintritt: $ 25 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 07.05. - 09.05.2014
Wetter: Schneeregen / Sonnenschein, kühl

Die Strecke zum Grand Canyon NP war nicht besonders attraktiv, aber auch nicht sehr weit. Wie erwartet, waren unzählige Touristen im Park unterwegs. Bei den Sehenswürdigkeiten wie dem Desert View POint herrschte dichtes Gedränge und dies, obwohl noch nicht Hochsaison war. Als dann auch noch Schneeregen einsetzte, war meine Stimmung nicht mehr die allerbeste. Gemäss Wetterbericht sollte sich das Wetter jedoch für morgen bessern. Deshalb informierten wir uns über Helikopterflüge. Der Mann am Schalter drängte uns beinahe zu einem Flug. Seiner Aussage nach würde nur die Geburt des eigenen Kindes glücklicher machen, als über den Grand Canyon zu fliegen und er hätte Menschen, sogar Männer, vor Glück weinen sehen. Wir glaubten ihm zwar kein Wort, buchten trotzdem eine grosse Tour für den nächsten Morgen.

Nach einem hervorragenden Frühstück im Best Western, welches wir für Tusayan sehr empfehlen können, begaben wir uns bei Traumwetter auf den Flugplatz. Erst wurden wir über die Sicherheit an Bord informiert, danach hiess es geduldig warten. Ein Name nach dem anderen wurde aufgerufen, nur unsere nicht. Ich war schon ganz hibbelig, als wir endlich an die Reihe kamen. Jeder der fünf Passagiere bekam eine Nummer. Ich hatte die Nummer eins, was meine Hoffnung auf den Sitz neben dem Piloten erhöhte. Und tatsächlich durfte ich neben Rusty, dem Piloten, Platz nehmen, während sich Reiner mit den drei Franzosen in den hinteren Teil des Helikopters begab.

Geweint habe ich nicht, soviel vorweg. Ich wartete die ganze Zeit auf den Moment, wo dieses einmalige Gefühl einsetzt, aber es kam nicht. Der Flug war schön und der Grand Canyon gewaltig, das ist keine Frage. Besonders die Stelle, wo der blaue Little Colorado River in den dunkelgrünen Colorado River fliesst, ist einmalig. Warum sich aber dieses Hochgefühl nicht einstellte, war mir ein Rätsel. Noch heute versuche ich dies zu ergründen. Lag es an dem unverschämt hohen Preis oder weil wir nicht in den Canyon hinein, sondern darüber hinweg geflogen sind? Ich kann es nicht sagen.

Vielleicht trug auch Rusty dazu bei, dass ich mich nicht so wohl fühlte. Er sah gut aus und versuchte mit mir zu flirten, was ich ihm jedoch nicht abnahm. Irgendwas stimmte nicht. Im Gegensatz zu der ehrlichen Herzlichkeit von Matt, dem Besitzer des Motels in Page, wirkten Rustys Charme und Witz aufgesetzt und gekünstelt.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Wanderungen und Fahrten mit dem Shuttle Bus im westlichen Teil des South Rims. Den Menschenmassen konnten wir nur auf den Wanderungen entgehen, ansonsten war es für uns einfach zu voll.

Gegen Abend kehrten wir kurz ins Hotel zurück und als wir wieder vom Parkplatz aus los fuhren, um den Sonnenuntergang zu beobachten, schritten Hirsche mit wunderbaren Geweihen mitten durch die Hotelanlage und taten sich an einem Bäumchen genüsslich. Wir blieben noch vor der Einfahrt in die Strasse stehen, um das Geschehen zu fotografieren. Auf einmal kamen von allen Seiten Leute und Fahrer stoppten ihre Autos, um diese ungewöhnliche Situation mit ihren Handys und Kameras festzuhalten. Auch auf dem weiteren Weg begegneten uns immer wieder Rehe.

Ein Ranger überholte uns mit Blaulicht und fuhr zum ersten Aussichtspunkt, wo bereits ein Grossaufgebot an Polizei und Feuerwehr auf ihn warteten. Ein Auto stand mitten im Wäldchen, hinter ihm ein Wohnmobil. Wie hatten die das bloss geschafft? Wir stellten auf der Weiterfahrt jede Menge Mutmassungen an bis wir ein Tier beim Überqueren der Strasse beobachteten. Leider war die Distanz zu gross um es genau zu erkennen, aber wir sind der Meinung, dass es sich der Grösse und Körperform nach zu urteilen um einen Puma gehandelt haben müsste.

An einem Viewpoint vor dem Lipan Point stand kein einziges Auto. Das war unser Platz, um in aller Ruhe den Sonnenuntergang zu geniessen. Kaum hatten wir unser Auto geparkt, folgten uns zwei weitere, wovon das eine nach kurzer Besichtigung wieder davon fuhr.

Ich liess mich nicht beirren und stellte am schönsten Punkt das Stativ auf und richtete die Kamera ein. Die beiden Fotografen fanden rechts von mir Platz und so hörte man ein "Klick" nach dem anderen. Es war ein herrlicher Blick und ein wunderschöner Sonnenuntergang.

Als wir knapp zwei Stunden später auf der Rückfahrt erneut an der Unfallstelle vorbei kamen, waren die Rettungsleute noch immer dabei, das Auto zu bergen.


route 66

Fakten und Zahlen:
Bundesstaaten: Illinois - Missouri - Kansas - Oklahoma - Texas - New Mexico - Arizona - Kalifornien
Länge: 2'451 Meilen (3'944 km) von Chicago bis Santa Monica
Von uns befahrener Streckenabschnitt: Von Williams bis Topock
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Datum: 09.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Vom Grand Canyon aus ging es weiter Richtung Lake Havasu. Um ein bisschen in Nostalgie zu schwelgen, bogen wir kurz vor Williams in die historische Route 66 ein. Williams war ganz der Route 66 gewidmet. Es gab kaum eine Fassade, die diese magische Zahl nicht ziert. Noch extremer war dieser Effekt im beschaulichen Seligman zu beobachten. Viel war jedoch nicht mehr vorhanden von den vergangenen Zeiten oder wir hatten die Augen nicht weit genug geöffnet.

Ein besonders attraktiver Strassenabschnitt führt über den Sitgreaves Pass, von wo aus man einen herrlichen Blick über die Berge hat. Früher seien die Autofahrer rückwärts die Strasse hochgefahren, damit das Benzin in den Motor fliessen konnte. Wir schafften es vorwärts ohne Probleme. Bei der Talfahrt kamen wir an der Gold Road Mine vorbei und etwas weiter unten stellte sich uns ein Esel in die Quere. Er liess sich streicheln und bettelte um Futter. Als wir dann in Oatman ankamen, trafen wir auf eine Vielzahl seiner Artgenossen, die sich auf der engen Strasse tummelten. Die wilden Esel (Burros) stellen eine Attraktion in der ehemaligen Goldgräberstadt dar und locken viele Touristen an. Sie stammen von den Lasteseln ab, die von ihren Besitzern freigelassen wurden, wenn sie sie nicht mehr gebraucht hatten. Das bunte Treiben täuschte darüber hinweg, dass es sich bei Oatman in Wirklichkeit um eine Geisterstadt handelt.


lake havasu city (und umgebung)

Fakten und Zahlen:
Ca. 270 km (2 Std. 40 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaat: Arizona
Grösse: 112 km2
Höhe: 224 m ü. M.
Einwohner: 52'819 (Stand 2012)
Zeitzone: MST (MESZ-9 Std.)
Datum: 09.05 - 10.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Die Stadt liegt am gleichnamigen Stausee, welcher die Grenze zwischen Arizona und Kalifornien bildet. Eine künstliche Insel wird über die weltberühmte London Bridge erschlossen, die wir uns als Erstes anschauten. Ich genoss den Spaziergang bei heissen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein am Seeufer entlang.

Danach erkundeten wir ein wenig die Stadt. Beim Wheeler Park lag eine verunfallte Motorradfahrerin regungslos auf dem Boden, den Kopf auf der Kante des Bordsteins. Das sah nicht gut aus und mir wurde bewusst, dass dies erst der zweite Unfall war, den wir auf unserer langen Tour gesehen hatten. Wobei der erste im Grand Canyon NP vermutlich lediglich Sachschaden verursachte, dieser hier hingegen war vermutlich schlimmer und beschäftigte mich noch, als wir ins Angelina's Italian Kitchen gingen, um in gemütlicher Atmosphäre hervorragend zu essen. Beim Genuss des leckeren Salats und der hausgemachten Krabbenravioli kam ich auf andere Gedanken.

Bereits früh am nächsten Morgen machten wir beim Supermarkt Halt, um uns mit Wasser einzudecken. Einmal mehr war diese alltägliche Situation eine angenehme Erfahrung, denn vom Lageristen bis zur Kassiererin hatte jeder ein freundliches Lächeln für uns übrig und grüsste herzlich. Davon könnten wir uns in der Schweiz eine grosse Scheibe abschneiden.

Die Fahrt am See entlang bei 79°F (26°C) war sehr gemütlich. Reiner hatte die glorreiche Idee, den Joshua Tree National Park von Süden her zu befahren.


joshua tree national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 210 km (2 Std. 10 Min.) von Los Angeles entfernt
Ca. 80 km (50 Min.) von Palm Springs entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 3'196 km2
Eintritt: $ 15 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 10.05. - 11.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Im Süden des Joshua Tree NP gibt es keine Eingangskontrolle. Das Ticket muss im Visitor Center erstanden werden. Obwohl wir im Besitz des Jahrespasses waren, statteten wir dem Visitor Center einen Besuch ab, denn die meisten sind wundervoll eingerichtet und bieten jede Menge nützlicher Informationen. Wir wurden mit Informationsmaterial eingedeckt und auf die Klapperschlangen aufmerksam gemacht. Als ich die Rangerin mit meinem Wissen beeindrucken wollte, dass lautes Aufstampfen helfen würde, die Schlangen vom Hals zu halten, meinte sie mit einem spitzbübischen Grinsen, dass dieses Vorgehen sehr gut sei - aber ob's helfe?

Die Gegend war sehr karg. Hin und wieder wuchsen Kakteen, deren Zahl und Pracht in nördlicher Richtung zunahm. Beim Cholla Cactus Garden konnten verschiedene Exemplare dieser mannshohen Kakteen in dichter Konzentration betrachtet werden. Ein Lehrpfad führte an mit Erklärungstafeln versehenen Pflanzen vorbei.

Der Wechsel von der Colorado-Wüste, die im Norden durch die Mojave-Wüste abgelöst wird, war deutlich spürbar. Auf einmal wuchsen kaum mehr Chollas, dafür immer mehr Joshuas, die dem Nationalpark seinen Namen gaben. Ich trauerte ein bisschen den in der Sonne leuchtenden Kakteen nach, war aber auch von den Joshua Trees und den aussergewöhnlichen Felsformationen begeistert.

Beim Campingplatz White Tank wanderten wir zum Arch Rock, ein weiterer Steinbogen in unserer Sammlung. Im Gegensatz zu den Sandsteingebilden bestehen im Joshua Tree NP die Gesteine aus Granit, die im Laufe der Zeit verwittert waren. So entstanden wunderschöne Gebilde mit so tollen Namen wie "Jumbo Rocks", "Wonderland Rocks" oder "Split Rock".

Mir gefiel der Park so sehr, dass ich ich ihn kaum mehr verlassen mochte. Nach einem traumhaften Sonnenuntergang konnte ich Reiner überreden, trotz der langen Fahrt am nächsten Morgen nochmals durch den Joshua Tree NP zu fahren. Auch wenn es etwas dunstig war, so genoss ich diese letzte Sicht auf einen der schönsten Nationalparks sehr.


los angeles

Fakten und Zahlen:
Grösste Stadt im Bundesstaat Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 1'291 m2
Höhe: 100 m ü. M.
Einwohner: Ca. 3'858'000 (Stand 2012)
Datum: 11.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Von Las Vegas und Lake Havasu abgesehen, waren wir bislang stets in ländlichen Regionen unterwegs. An manchen Stellen sahen wir kaum ein Auto und der Verkehr war nicht die Rede wert. Nun aber kamen wir Richtung L.A., die Strassen wurden immer breiter und der Verkehr nahm deutlich zu. Obwohl das Autofahren in den USA gemütlich und einfach ist, überforderten die vielen Spuren uns zu Beginn etwas.

Ich hatte keine Vorstellung von Los Angeles, bloss ein unbegründetes Vorurteil. Als dann die Skyline am Horizont auftauchte, war ich komplett aus dem Häuschen. Ich wollte unbedingt mehr sehen. Leider hatten wir nicht wirklich Zeit, die Stadt kennen zu lernen, denn es stand lediglich eine Durchfahrt auf dem Programm. Der Anfang auf der Ostseite begeisterte mich mit den kleinen Läden und Galerien sehr. Hollywood hingegen war nicht meine Welt. Den vielen Leuten, die den Sternen auf dem Trottoir folgten und den Disneyfiguren, die herumtänzelten, konnte ich nicht viel abgewinnen. 

Unser Ziel aber war das Getty Center. Die Beschilderung lotste uns zielsicher ins riesige Parkhaus, welches eine Tagesnutzungsgebühr von $ 15 pro Auto verlangte. Die Fahrt mit der Bahn zum Center sowie sämtliche Eintritte hingegen waren kostenlos.

Es war Sonntag, schönes Wetter und ganz Kalifornien hatte Zeit, sich im von Richard Meier entworfenen Gebäudekomplex zu treffen. Trotz der Massen gab es nirgends beim Anstehen ein Gedränge. Neben der Freundlichkeit im Dienstleistungsbereich ist das die zweite Eigenschaft, die ich bei den Amerikanern so schätze.

Dass mir das Gebäude gefallen würde, davon war ich überzeugt. Ich war ja längst sowas wie ein Fan von Richard Meier. Wir hatten aber auch noch das Glück, dass im Getty Center unter dem Titel "In Focus: Ansel Adams" Fotos von Ansel Adams ausgestellt waren. Ich wünschte mir, später auf der Reise im Yosemite National Park ähnlich tolle Fotos zu schiessen, wie dieser begnadete Fotograf.

Nach dem ausgiebigen Besuch im Getty Center blieb nur noch Zeit für einen kurzen Abstecher zum Venice Beach. Dann lenkten wir das Auto weiter nach Santa Barbara.


santa barbara

Fakten und Zahlen:
Ca. 155 km (1 Std. 35 Min.) von Los Angeles entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 112 m2
Höhe: 15 m ü. M.
Einwohner: 89'639 (Stand 2012)
Datum: 11.05. - 12.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Gegen Abend trafen wir in Santa Barbara ein, wo wir von Frank, dem Manager des Inn at East Beach herzlich empfangen wurden. Der Mann muss in seinem richtigen Leben Komiker sein. Auch wenn sein Charme und seine Fröhlichkeit etwas übertrieben waren, so amüsierten wir uns und fühlten uns willkommen. Dass unser Zimmer über ein Cheminée verfügte, war zwar witzig, aber bei Temperaturen um die 30°C nicht wirklich erforderlich. 

Am Morgen überraschte Frank uns mit einem sensationellen Frühstück, das er auf kleinster Fläche im Office aufgebaut hatte. Es fehlte an nichts (wenn man von richtigem Geschirr und Besteck absieht) und Frank selbst pries seine Leckereien an, als ob wir auf einem Bazar gewesen wären. Nach dem Essen im lauschigen Innenhof - denn Reiner brachte mir das Frühstück nicht wie von Frank vorgeschlagen ans Bett - unternahmen wir einen herrlichen Strandspaziergang und danach bummelten wir durch das süsse Städtchen. Im Freiluft-Einkaufscenter Paseo Nuevo fühlt man sich wie in Mexico. Warme Rot- und Gelbtöne beherrschen die Gässchen und laden zum Verweilen ein. Wir hatten aber noch etwas vor, deshalb ging es bald weiter Richtung Monterey.


california state route 1 (highway 1)

Fakten und Zahlen:
Start: Ca. 240 km südlich von Santa Barbara
Ende: Ca. 330 km nördlich von San Francisco
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Länge: 655 Meilen (1'055 km)
Datum: 12.05. - 13.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Ich war schon sehr gespannt auf den berühmten Highway #1. Die ersten Kilometer ging es durch grüne Hügel und obwohl die Landschaft sehr schön war - sie erinnerte mich etwas an die Schweiz - war ich ein bisschen enttäuscht, weil ich gedacht hatte, die Strasse würde entlang der wundervollen Pazifikküste führen. 

Dann kam der Pazifik in Sicht und mit ihm die Rancho Guadalupe Dunes, die wir allerdings laut meiner Recherche nicht besuchen konnten, weil von März bis September der Zugang den Menschen verwehrt wurde. Grund dafür sind die Vögel, die ihre Nistplätze in den Dünen einrichten und nicht gestört werden möchten. Beim Pismo State Beach stoppten wir und ich watete barfuss ins kühle Meer. Es war herrlich. Kaum eine Menschenseele verweilte hier. Die Ausnahme bildeten ein paar Autonarren, die sich einen Spass daraus machten, mit einem Offroadfahrzeug den Strand hoch und runter zu fahren. Aber selbst die störten mich kaum - insbesondere, weil sie Rücksicht auf die paar Strandläufer wie uns nahmen.

Der nächste Halt war in Morro Bay, wo der Morro Rock im Meer die Attraktion bildet. Von nun an war die Strecke so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Wir fuhren der wundervollen Küste entlang und hielten immer wieder an, um die Aussicht zu geniessen. Kaum waren wir ausgestiegen, waren wir umringt von rotzefrechen Streifenhörnchen, die bestimmt auf Futter hofften. Doch wir hatten gelernt, dass Wildtiere weder angefasst noch gefüttert werden sollten und hielten uns strikt daran, auch wenn der Reiz noch so gross war.

Wieder einmal mussten wir uns etwas beeilen, um nach Pacific Grove zu gelangen. Das nächste Mal würde ich die Unterkunft etwas näher an Santa Barbara buchen, um mehr Zeit für die Küste zu haben. Als wir schliesslich in Pacific Grove ankamen, war es bereits ziemlich dunkel. Wir suchten uns ein Fischrestaurant und landeten im Passionfish. Ganz untypisch für die Staaten gab es vernünftige (sprich: Kleine) Portionen, so dass wir für einmal auch Vorpeise schafften. Das Essen sowie der Wein waren vorzüglich und die Bedienung zuvorkommend.

Am nächsten Morgen genossen wir erst die Sonne und Ruhe am Meer, dann fuhren wir weiter. Noch mitten in Monterey konnten wir Rehe beobachten, die in aller Gemütlichkeit die Blumen im Garten einer Villa wegfrassen. Die Villa selbst war eine, wie wir sie uns vorstellen könnten, wenn wir einmal auswandern würden. Zumindest die Lage wäre perfekt - über den Preis müsste man vermutlich noch reden.


san francisco

Fakten und Zahlen:
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 601 m2
Höhe: 16 m ü. M.
Einwohner: Ca. 825'863 (Stand 2012)
Datum: 13.05. - 15.05.2014
Wetter: Sonnenschein, warm

Endlich kamen wir in der Stadt an, von der ich so viel gehört und gelesen hatte. Ich wollte möglichst nichts verpassen und das in der kurzen Zeit. Deshalb fuhren wir gleich zu Beginn auf den 49-Mile Scenic Drive, der zu einem grossen Teil ausgeschildert war. Wir starteten die Tour beim Fort Mason, von wo aus wir einen ersten Blick auf die Golden Gate Brücke hatten. Das Palace of Fine Arts im Marina District war bereits Filmkulisse für Alfred Hitchcocks Film "Vertigo - Aus dem Reich der Toten", den ich schon mehrmals gesehen hatte. Wir begnügten uns mit der Aussenansicht und fuhren weiter durch das Gate in den Presidio Park. 

Sehr überrascht war ich, dass wir mit Sicht auf die Golden Gate Bridge parken konnten und das sogar gratis. Bei der Fort Point National Historic Site trafen wir auf zwei lustige Elektroautos von GoCar Tours. Mit diesen Zweiplätzern können Touristen eine GPS-geführte Sightseeing Tour durch die Stadt unternehmen. Dasselbe gibt es wohl auch für San Diego, Barcelona, Madrid und Lissabon. Wir werden uns diese Option auf jeden Fall merken.

Auf der Fahrt am Baker Beach entlang konnten wir dutzende Badegäste ausmachen, die sich sonnten, unterhielten oder die sich einem Spiel widmeten. Zum Schwimmen war das Wasser zu kalt, trotzdem standen einige wenigstens knietief in den Wellen. Wenn ich jetzt im Internet die vielen traumhaften Fotos von diesem Strand mit der wundervollen Brücke im Hintergrund anschaue, bereue ich es im Nachhinein, nicht bis zum Sonnenuntergang dort geblieben zu sein. Doch die Weiterfahrt im Lake Merced Park und kreuz und quer durch den Golden Gate Park war auch sehr schön. Wir verpassten die Strasse, die uns auf Twin Peaks führen sollte und mussten wenden. Schliesslich schafften wir es und wurden mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt.

Als wir in die Nähe des AT&T Parks kamen, wurde der Verkehr dichter und von allen Seiten strömten in Orange gekleidete Giants-Fans Richtung Stadion. Mich störte es keineswegs, dass wir nur langsam vorwärts kamen. So hatte ich Gelegenheit, die Leute zu beobachten. Die einen versuchten, Tickets zu verkaufen, die anderen zu kaufen. Ob sie je zusammen gefunden haben, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Hier unterbrachen wir die Tour, denn inzwischen waren wir müde und hungrig.

Unser Hotel, das Hotel del Sol (ein joie de vivre-Hotel) lag nur einen Häuserblock hinter der Lombard Street. Es verfügte über eigene Parkplätze, die allerdings ziemlich gut besucht waren. Die Hotelgäste konnten aber auch den anliegenden öffentlichen Valet-Parkplatz benutzen. Dieser war jedoch bedingt durch seine niedrige Tagesnutzungsgebühr von $ 10 ebenfalls schnell belegt. Der Innenhof war eine kleine Oase mit Palmen und einem Pool. Das beste aber war, dass ich nur drei Minuten gehen musste, um die besten Sushi zu kriegen, die ich je in meinem Leben gegessen hatte. Das Zushi Puzzle ist von aussen recht unscheinbar, innen aber hübsch, wenn auch ziemlich klein. Der Sushi-Meister schaffte mit Liebe und Hingabe ein Traum von Sushi-Kreationen. 

Nachdem wir gestern bloss durch den Golden Gate Park gefahren waren, wollten wir ihn und besonders den Japanischen Garten heute etwas genauer unter die Lupe nehmen. Wir parkten unser Auto am Strassenrand und begaben uns zu Fuss in den Park. Der Weg führte uns durch einen Wald. Nichts erinnerte mehr an eine Stadt mit über Dreiviertel Millionen Einwohnern. Der Japanese Tea Garden war wie erwartet sehr hübsch angelegt. Ich fand aber nicht dieselbe Ruhe, wie ich sie in den Gärten der Welt in Berlin Marzahn-Hellersdorf verspürt hatte. Dafür waren zu viele Leute im Park was vielleicht daran lag, dass am Mittwoch früh der Eintritt frei war.

Das nächste Ziel war der Corona Heights Park, von wo aus ein ähnlich toller Blick auf San Francisco geboten werden soll, wie von Twin Peaks. Die Gärtner machten uns jedoch einen Strich durch die Rechnung, denn sie sprengten den Rasen, so dass wir es nicht geschafft hätten, trockenen Fusses zum Aussichtspunkt zu gelangen. Stattdessen statteten wir den Twin Peaks einen erneuten Besuch ab.

Wir entschieden, dass wir die 49-Mile Scenic Drive fertig fahren wollten. Den Weg zum AT&T Park kürzten wir ab, den kannten wir bereits. Dort angekommen, waren wieder einige Fans der Giants zu sehen. Die hatten wohl täglich ein Spiel zu bestreiten. Für uns ging es an der Oakland Bay Bridge und dem historischen Ferry Building vorbei und danach ins Financial District. Dort änderte sich schlagartig alles. Die Leute auf den Strassen trugen feine Business-Anzüge, die Häuser wurden höher und die Parkinggebühren teurer.

Ein weiteres Hightlight, welches ich nicht explizit in meinen Reiseführer aufgenommen hatte, war Japan Town. Der Grund für meine Begeisterung lag weniger in der Architektur, als vielmehr in der vielfältigen Auswahl an Lebensmittelläden und Restaurants. Wenn es bei uns eine Sushi-Abteilung im Supermarkt oder im Asialaden gibt, ist es schon viel, aber hier gab es ein ganzes Quartier mit Einkaufcenter, Läden und Restaurants nur auf die japanische Kultur und Küche ausgelegt. Wir waren so ziemlich die einzigen nicht-Asiaten in dem Japantown Peace Plaza, was aber niemand zu stören schien.

In San Franscisco gibt es eines der grössten Chinatowns von Amerika. Verglichen mit Bangkok ist es dennoch ziemlich klein und überschaubar. Wir hielten uns nicht sehr lange dort auf, sondern fuhren erst die Tour zu Ende, um dann die berühmte Lombard Crooked Street zu fahren. Ich hatte nicht mit Zaungästen gerechnet, die die Strasse und Autos fotografierten oder filmten. Ich kam mir vor wie ein Affe im Zoo und wäre viel lieber bei denen gestanden und hätte die Szene festgehalten, statt selber Teil eines Films zu werden.

Den Rest des Tages verbrachten wir mit Sightseeing und Shopping. Gegen Abend überquerten wir die Golden Gate Bridge. Bereits im Vorfeld hatten wir unsere Autonummer registrieren lassen, damit die Maut von der Kreditkarte abgebucht werden konnte. Dies war meines Wissens die einzige praktikable Möglichkeit, wenn man mit einem Mietauto unterwegs war. Auf einem Parkplatz in der Golden Gate National Recreation Area stellten wir das Stativ auf, machten es uns auf einer Parkbank gemütlich und warteten auf den Sonnenuntergang. Meine Hoffnung war, dass die Abendsonne die Brücke knallrot erleuchten liesse. Das klappte nicht so ganz, vermutlich wäre der Herbst für solche Stimmungen die bessere Jahreszeit gewesen. Aber dafür ging genau im Blickfeld der Vollmond auf. Ich konnte mich kaum sattsehen. Ich weiss nicht mehr, wie lange dieses Spektakel dauerte, welches von zahlreichen Fotografen mitverfolgt wurde. Erst als der Mond hell erleuchtet am Himmel stand und die ersten Sterne sichtbar waren, kehrten wir in die Stadt zurück.

Am nächsten Morgen hiess es Abschied nehmen von San Francisco mit dem Versprechen, wieder zu kommen. Wir fuhren über die Oakland Bay Bridge und warfen von Treasure Island einen letzten Blick auf die Stadt.


yosemite national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 30 km (30 Min.) von Mariposa entfernt
Ca. 295 km (3 Std.) von San Francisco entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 3'081 km2
Eintritt: $ 20 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 15.05. - 17.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Wir kamen viel zu früh in Mariposa an, wo wir das Inn at Mariposa gebucht hatten. Unglücklicherweise dachten wir nicht daran, dass es sich bei diesem Inn um ein Bed & Breakfast bei einer Privatperson handelte und versuchten bereits früher einzuchecken. Die verdutzte ältere Dame war beim Saubermachen, als wir sie völlig aus dem Konzept brachten. Obwohl das Zimmer noch nicht ganz fertig war, durften wir unser Gepäck da lassen und erhielten einen Haustürschlüssel für den Fall, dass wir spät abends zurück kommen würden. 

Mit schlechtem Gewissen und trotzdem froh darüber, unbeschwert die Zeit im Yosemite National Park geniessen zu können, machten wir uns auf den Weg dorthin. Es dauerte ein Weilchen, bis wir den Eingang erreichten und von dort aus ist es nochmals ein Stück bis ins Yosemite Valley. Das Tal mit seinen Wasserfällen ist sehr schön und lädt zum Wandern ein. Ich war kaum ein paar Schritte den Merced River entlang gelaufen, da stachen fiese Mücken erbarmungslos zu. Diese Biester vermiesten mir meinen Aufenthalt im Yosemite. Erst weigerte ich mich, nochmals in die Nähe eines Gewässers zu gehen, überwand dann jedoch meine Aversion und fotografierte Ausschnitte des Bridaviel Falls. Ein besonders schöner Blick hat man vom Tunnel View aus auf den Half Dome, meinen Lieblingsberg im Yosemite NP.

Am Abend fielen wir todmüde ins bequeme Bett. Unser Zimmer war sehr schön und geräumig. Am besten gefiel mir das Bad und dort vor allem die luxuriöse Dusche. Nach einem leckeren Frühstück, das uns Elaine, unsere Gastgeberin frisch zubereitet hatte, ging es erneut in den Yosemite. Wir hofften, auf Bären zu treffen, was aber bei den vielen Touristen unwahrscheinlich war. Der erste Tagesordnungspunkt war der Glacier Point. Wir verbrachten sehr viel Zeit bei der herrlichen Aussicht auf meinen Liebling, den Half Dome. Schliesslich fuhren wir südwärts nach Mariposa Grove zu den Giants. Die Wanderung zu den gewaltigen Sequoias war eine der schönsten, die wir unternommen hatten. Während nahe am Parkplatz noch viele Leute waren, so wurden es immer weniger, je weiter hoch wir kamen. Lediglich auf den quietschenden Trams, die uns ab und zu begegneten, sassen einige lauffaule Besucher.

Ein wunderschöner Tag ging zu Ende und am Morgen überraschte Elaine uns mit Dutch Babies und Apfelkompott, frisch gepresstem Apfelsaft und weiteren Leckereien. Danach hiess es Abschied nehmen und weiter über den Tioga Pass Richtung Mono Lake fahren.

Der Tioga Pass liegt auf 3'031 m ü. M. und ich war überglücklich, dass er bereits befahrbar war. In anderen Jahren muss man manchmal bis im Juni warten, bis die Strasse vom vielen Schnee geräumt ist. Wäre der Pass geschlossen gewesen, hätten wir einen riesigen Umweg in Kauf nehmen müssen und ich glaube kaum, dass dieser landschaftlich ebenso reizvoll gewesen wäre. Zwar waren sämtliche Nebenstrassen noch geschlossen, aber auch so gab es genügend Impressionen. Noch einmal hatte ich Gelegenheit, einen Blick auf den Half Dome zu werfen, diesmal war die Nordseite des Berges auszumachen. Auf der Passhöhe lag noch Schnee und im Tioga Lake schwammen Eisplatten, die bezaubernde Muster bildeten. 


bodie state historic park

Fakten und Zahlen:
Ca. 400 km (4 Std. 40 Min.) von San Francisco entfernt
Ca. 220 km (3 Std. 25 Min.) von Mariposa entfernt
Ca. 50 km (45 Min.) von Lee Vining entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Höhe: 8'375 Feet (2'553 m ü. M.)
Eintritt: $ 5 pro Person
Datum: 17.05.2014
Wetter: Sonnenschein, warm, windig

Bodie wurde 1859 als Goldgräbersiedlung erstellt und in den 1930er Jahren aufgegeben. Durch die geringe Luftfeuchtigkeit ist es die am besten erhaltene Geisterstadt der USA. Von Lee Vining aus ist sie über eine Schotterpiste zu erreichen.

Die Häuser sahen teilweise aus, als wären sie fluchtartig verlassen worden. In den Schaufenstern waren verschiedene Dinge ausgestellt und in Wohnhäusern stand noch Geschirr auf den Tischen. Wir vermuten allerdings, dass gewisse Dinge nachträglich platziert worden waren, um den Museumscharakter zu verstärken. Nichts desto trotz ist es ein eindrückliches Zeugnis vergangener Zeiten und einen Besuch wert.


mono lake

Fakten und Zahlen:
Ca. 3 km (3 Min.) von Lee Vining entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 182 km2
Höhe: 1'946 m ü. M.
Eintritt: $ 3 pro Person und Tag
Datum: 17.05. / 18.05.2014
Wetter: Sonnenschein, warm, windig

Unsere Unterkunft befand sich in June Lake, ganz in der Nähe des Mono Lake. Der Mono Lake ist ein alkalischer Salzsee unter der Osftflanke der Sierra Nevada. Das Besondere an diesem See ist nicht nur, dass er das 520 km weit entfernte Los Angeles mit Trinkwasser versorgt, sondern auch, dass durch das Absinken des Wasserspiegels der Salzgehalt des Sees derart stieg, dass Teile austrockneten und zahlreiche unter Wasser entstandene Kalktuff-Gebilde sichtbar wurden. 

Meiner Meinung nach sehr interessante Informationen über den See gibt es auf Wikipedia nachzulesen.


alabama hills

Fakten und Zahlen:
Ca. 3 km (5 Min.) von Lone Pine entfernt
Ca. 90 km (55 Min.) von Bishop entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Eintritt: kostenlos
Datum: 18.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Auf dem Weg ins Death Valley wollten wir einen Abstecher zu den Alabama Hills unternehmen. Davor stärkten wir uns in Erick Schat's Bakkery in Bishop. Die riesige Bäckerei ist eine Institution und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

In Lone Pine suchten wir erst das Visitor Center auf, welches viele Informationen über die Region um den Mount Whitney und das Death Valley bot. Wir baten den Ranger um eine Karte der Alabama Hills. Er war bester Laune, machte sich einen Spass daraus, mir zu erklären, dass Alabama sehr, sehr weit weg liege und stattete uns mit diversen Fotokopien aus, die er durch Handskizzen ergänzte. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wären wir vermutlich heute noch dort, aber wir wollten zu den bizzarren, orangefarbenen Granitfelsbögen, die in zahlreichen Westernfilmen als Drehort dienten.

Dank der Zeichnung des witzigen Rangers fanden wir den Mobius Arch auf Anhieb, durch den wir das obligate Foto des Mount Whitney schossen. Es war sehr heiss, trotzdem genossen wir die Wanderung in der traumhaft schönen Gegend sehr. Ausser uns sahen wir bloss noch zwei weitere Personen, die jedoch so weit weg waren, dass wir sie kaum erkennen konnten und uns schon gar nicht durch sie stören liessen. 

Um uns etwas abzukühlen, steuerten wir das Whitney Portal am Fusse des 4'421 Meter hoch liegenden gleichnamigen Berges an. Dazu mussten wir in die "Active Bear Area" hineinfahren, aber auch hier konnten wir keinen Meister Petz ausmachen.


death valley national park

Fakten und Zahlen:
Ca. 210 km (2 Std.) von Las Vegas entfernt
Ca. 160 km (1 Std. 40 Min.) von Bishop entfernt
Ca. 295 km (3 Std.) von San Francisco entfernt
Bundesstaat: Kalifornien
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 13'628 km2
Eintritt: $ 20 pro Auto für 7 Tage (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 18.05. - 20.05.2014
Wetter: Sonnenschein, sehr heiss, sehr windig

Auf das "Tal des Todes" war ich sehr gespannt. In Western war die Ebene ein fast unüberwindbares Hindernis und auch heute werden die Touristen gewarnt, genügend zu trinken, das Auto vollzutanken und die Kühlwassertemperatur zu überwachen. Doch bisher waren alle Nationalparks in tadellosem Zustand mit genügend Gelegenheiten, sich zu verpflegen oder Hilfe zu holen, falls es erforderlich gewesen wäre. Deshalb erwartete ich auch vom Death Valley, dass es nicht (mehr) ganz so abenteuerlich werden würde, wie noch zu John Waynes Zeiten.

Im Gegensatz zu allen anderen Parks gab es weder eine Eingangskontrolle noch eine Selbstdeklaration. Es wurde erwartet, dass der ehrliche Tourist sich in einem der Visitor Center meldete, falls er noch nicht im Besitz eines Passes war. 

Es war heiss und dunstig. Je weiter wir fuhren, desto höher kletterte das Thermometer, bis es schliesslich bei 108°F (42.2°C) stehen blieb. Trotz der Hitze wollten wir unbedingt die Mesquite Flat Sand Dunes erkunden. Der Wind blies wie ein Föhn heisse Luft ins Gesicht, aber durch die Trockenheit war es nicht unangenehm - zumindest nicht für mich. Der männliche Teil eines Pärchens, das vor uns eine Düne erklomm, rannte zu unserer Belustigung wie von einer Tarantel gestochen in den Schutz eines Busches. Vermutlich war der heisse Sand bisschen zuviel für seine nackten Füsse. Ich war froh um meine schützenden Wanderschuhe und wanderte munter weiter. Als wir ins kühle Innere des Autos zurückkehrten, fing ich an zu schwitzen, aber auch das verging schnell wieder.

Nach dem Einchecken in die Furnace Creek Ranch wollte ich unbedingt den nahe gelegenen Zabriskie Point sehen. Der kurze Fussmarsch hoch zu dem Aussichtspunkt war nicht ganz so einfach, wie er aussah, denn der Wind blies uns beinahe weg. Schliesslich gewannen wir den Kampf. Die Aussicht auf die Erosionslandschaften war traumhaft. Ich hatte schon viele Fotos gesehen, aber in Natura war es noch viel schöner, als auf jedem Bild.

Für das Abendessen wählten wir das teurere "The Wrangler" aus. Der Salat von der Salatbar war lecker, Reiners T-Bone-Steak perfekt gegrillt und butterzart. Mein Fisch schmeckte mir nicht besonders, dafür aber der Wein aus dem Nappa Valley umso mehr.

Bereits vor Sonnenaufgang brachen wir auf und trafen auf zwei Kojoten, die am Strassenrand entlang streunten. Ich hatte gelesen - oder zumindest war ich der Meinung, es gelesen zu haben - dass Beatty (Nevada) ein hübsches Örtchen sein soll. Wir fuhren da hin, was wir nicht bereuten. Das lag aber nicht an seiner Schönheit, sondern daran, dass hier das Benzin deutlich günstiger war, als im Death Valley. Ausserdem war es nicht weit weg von Rhyolite, einer Geisterstadt. Mir gefiel dort einerseits das Bottle House und andererseits die Bewohner aus gehärtetem Acryl, die der belgisch-polnische Künstler Albert Szukalski erstellt hatte, als er in den 1980er Jahren dort gelebt hatte.

Von Rhyolite aus ging es weiter auf die Titus Canyon Road. Auch hier wirbelten wir mächtig Staub auf, als wir über den White Pass, den Red Pass vorbei an rauhen Bergen, farbigen Felsformationen und Petroglyphen fuhren. Es gab sogar noch eine weitere Geisterstadt anzuschauen. Allerdings war von Leadfield, wie die Stadt hiess, nicht mehr allzu viel übrig. Warnhinweise untersagten mit einer Liste von plausiblen Begründungen den Zugang zu der verlassenen Mine. Der Höhepunkt war das Ende der Strasse, die durch den Titus Canyon führte. Ich stieg aus und ging einen Teil zu Fuss durch den Canyon.

Obwohl uns Pseudoschlösser nicht interessieren, bogen wir zu Scotty's Castle ab. Überall waren Hinweise angebracht, dass man unbedingt genügend trinken soll und obwohl wir eine Wasserflasche nach der anderen leerten, hatte ich manchmal ein leicht schummriges Gefühl und war ständig durstig.

Lange hileten wir uns nicht beim Castle auf, denn unser heutiges Ziel - The Racetrack Playa - lag noch weit vor uns. Erst mussten wir zum Ubehebe Crater und von dort aus 43 km auf einer der holprigsten Schotterpisten fahren, die uns bisher begegnet waren. Erst dachte ich, dass es Stunden dauern würde, bis wir bei den wandernden Steinen ankommen würden, aber als Reiner etwas mehr aufs Gas drückte, ging es nicht nur schneller voran, sondern holperte auch nicht mehr so stark wie mit kleinerem Tempo. Nach rund eineinhalb Stunden hatten wir die weisse, ebene und rissige Fläche erreicht und gingen auf Wanderschaft, um die Steine zu finden. Das war gar nicht so einfach. Manche Spuren führten zu keinem Stein und manche Steine hatten keine Schleifspur hinterlassen. Und dann gab es noch Spuren, die offensichtlich von Menschenhand geschaffen worden waren. Diese und auch die Fussspuren ärgerten mich sehr. Ich konnte es nicht fassen, dass es Idioten gibt, die absichtlich ein Naturwunder zerstören. Als wir zum Auto zurückkehrten, begegneten wir wieder einer Schlange. Diese war kleiner und hübscher, als die beim Coal Mine Canyon. Erst reckte sie ihren Kopf in Drohgebärde in die Höhe und als sie merkte, dass von uns keine Gefahr ausging, schlich sie langsam davon. Diesmal hatte ich überhaupt keine Angst vor dem Reptil, nicht mal im Nachhinein.

Auf dem Rückweg widmete ich mich den wundervollen Wüstenpflanzen. Auf den ersten Blick sah die Gegend trostlos und öde aus, aber wenn man ein bisschen genauer hinschaute, so konnte man unzählige farbenprächtige Blüten erkennen. Besonders schön waren die verschiedenen blühenden Kakteen, die meist in kleineren oder grösseren Gruppen beieinander standen. 

Beim Ubehebe Crater stiegen wir aus und wären beinahe in den Krater gerissen worden. Der Wind blies dermassen stark, dass eine Krähe rückwärts flog, bis sie schliesslich das Fliegen aufgab und sich auf den Boden begab. Wir unterliessen die geplante Wanderung zum kleinen Krater und fuhren zurück zum Hotel und dann erneut zum Zabriskie Point, den Sonnenuntergang fotografieren. Die Kameras der vielen Fotografen, die dieselbe Idee hatten, wackelten auf den Stativen. Manch einer verlor seine Mütze im Wind und einem Mann wurde gar die Sonnenbrille weggefegt. Als die Sonne vom Horizont verschwunden war, gingen wir ins 49'er Cafe essen, was ein Fehler war. Wir hatten die letzten fünf Wochen nicht einmal ein so schlecht gebratenes Stück Fleisch serviert bekommen, wie dort. Die Bedienung war äusserst freundlich, aber den Koch hätte man schlagen müssen.

Wieder standen wir sehr früh morgens auf, um den Sonnenaufgang zu erleben. Ich stellte mir vor, dass die Farben bei Artists Palette schillernd leuchten würden, doch ich hatte nicht daran gedacht, dass die bunten Felsen gegen Osten und somit auch gegen die Sonne liegen. Trotzdem war der Anblick traumhaft schön. Anschliessend besuchten wir Devil's Golf Course, wo die zerklüfteten und spitzen Salzstrukturen eine ganz spezielle Oberfläche bilden.

Zum Abschluss unserer Death Valley Tour fuhren wir zu dem mit 86 m unter dem Meeresspiegel liegenden tiefsten Punkt der USA, dem Badwater Basin. Danach hatten wir einen Bärenhunger und freuten uns auf das Frühstück im einzigen Restaurant von Shoshone, dem Crowbar Cafe & Saloon. Hätten wir nicht auf Tripadvisor davon gelesen, hätten wir vermutlich das Lokal nicht betreten, besonders nicht, weil wir die einzigen Gäste waren. Dann hätten wir aber definitiv etwas verpasst. Das Frühstück war zwar nicht kalorienarm, aber göttlich.


red rock canyon national conservation area

Fakten und Zahlen:
Ca. 20 km (20 Min.) von Las Vegas entfernt
Bundesstaat: Nevada
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 330 km2
Eintritt: $ 7 pro Auto für 1 Tag (im America the Beautiful - Annual Pass enthalten)
Datum: 20.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Der Red Rock Canyon lag auf dem Weg nach Las Vegas. Durch seine Nähe zur Stadt war er entsprechend gut besucht. Der farbenfrohe Kaibab-Kalkstein war sehr hübsch anzusehen und der Freizeitpark bot 18 verschiedene Wanderrouten. Wir konnten auch einige Kletterer beobachten, als wir bei den Viewpoints anhielten, um die Gegend zu erkunden.


las vegas

Fakten und Zahlen:
Grösste Stadt im Bundesstaat Nevada
Zeitzone: PDT  (MESZ-9Std.)
Grösse: 340 m2
Höhe: 610 m ü. M.
Einwohner: 596'424 (Stand 2012)
Datum: 20.05. - 22.05.2014
Wetter: Sonnenschein, heiss

Mit Las Vegas hatten wir den letzten Punkt unserer Reise erreicht. Die erste Tat war das Anfahren einer Autowaschanlage, um den gröbsten Schmutz von unserem stark strapazierten Toyota entfernen zu lassen. Wir wurden gleich zweimal durch die Waschstrasse geschickt, weil unser Auto angeblich voller Schlamm und Dreck gewesen wäre. Erst zierten wir uns, aber schliesslich liessen wir uns dazu überreden. Danach erkannten wir unseren SUV kaum wieder. Trotzdem war an einigen Stellen noch roter Sand zu erkennen und in einem Radkasten klebte zentimeterdicker getrockneter Schlamm.

Für die letzten zwei Nächte unserer Reise hatten wir das ARIA Resort & Casino am Strip gebucht. Nachdem wir zu Beginn so begeistert von der Junior Suite im Eastside Cannery waren, hatten wir vor einigen Tagen umgebucht. Wir waren nun so viele Meilen mit dem Auto unterwegs, da kam es auf die paar Kilometer bis zum Strip auch nicht mehr an. Ausserdem lag das Sushi Twister nebendrand und wir hatten Aussicht auf die Stadt und den Stratosphere Tower.

Den Aufenthalt in Las Vegas gestalteten wir gemütlich mit Wellness, Shopping, Sightseeing und Essen. Letzteres Sushi und Seafood - what else?

Sehr früh am Morgen ging es dann zum Flughafen. Als wir das Auto abgeben wollten, kam uns ein Angestellter mit einer riesigen Taschenlampe entgegen. Er bückte sich und ich befürchtete bereits das Schlimmste für den Fall, dass er den Schlamm im Radkasten entdeckt hätte. Er händigte mir eine saftige Rechnung aus, die sich als Quittung für das am Anfang gebuchte Upgrade entpuppte. Erst jetzt stellte ich fest, dass es sich bei der fetten Taschenlampe um eine Getränkedose gehandelt hatte, die er während der Fahrzeugentgegennahme auf dem Boden plaziert hatte. Solche Wahrnehmungsstörungen konnten eigentlich nur ein Zeichen dafür sein, dass ich dringend Ferien nötig hatte.