zwei wochen hongkong - dienstag - tai o auf delfinsuche

dienstag - tai o auf delfinsuche

Es war nicht besser. Mein Fuss schmerzte. Ich wünschte, ich hätte eine Salbe dabei und nahm mir vor, in der nächsten Apotheke danach zu fragen. Auf jeden Fall wollte ich heute meinen Fuss schonen und nur wenig laufen.

hühnerfüsse

Wieder frühstückten wir beim Dim Sum King. Wir wagten uns an Hühnerfüsse heran und ich war total überrascht, dass die mir sogar besser schmeckten, als die amderen vier Köstlichkeiten, die noch vor uns standen. Das Fleisch war saftig und die Füsse waren mit einer würzigen Sauce umhüllt. Einzig die kleinen Knöchelchen, die ich mir aus dem Mund klauben musste, nervten mich mit der Zeit.

  

Wir gingen die paar hundert Meter zur MTR-Station, die mir des Fusses wegen viel länger vorkamen. In Central stiegen wir um, aber nicht bloss auf die andere Bahnsteigseite, sondern zur Hong Kong Station, die unterirdisch mit der Central Station verbunden war.

tai o

Die Weiterfahrt nach Tung Chung dauerte ein Weilchen. Dort angekommen, machten wir uns auf die Suche nach dem Bus, der uns nach Tai O bringen sollte. Erst erklommen wir eine breite Treppe zum Shopping Center, weil ein Durchgang gesperrt war, dann irrten wir etwas in der Busstation dahinter herum um festzustellen, dass unser Bus da keine Haltestelle hatte. Nach einem kühlen Getränk in einem der kleinen Restaurants, wo wir im Internet die Haltestelle heraussuchten, fanden wir endlich den Abfahrtsort. Wir mussten ein Weilchen auf den Bus warten, dann stiegen wir ein und waren überrascht ab den weichen, bequemen Sitzen. Wir fuhren durch eine wunderbare Landschaft, vorbei an weissen Sandstränden und sahen in der Ferne die Rückseite des Big Buddha, der auf einem Hügel thronte. Immer wieder stiegen Leute aus. Ich fragte mich, woher die wussten, wann ihre Station gekommen war - zumindest bei einer Gruppe junger Hippies, die ihrer Ausrüstung nach ein Fotoshooting planten. Tai O lag an der Endstation und ich hatte mir im Vorfeld Bilder des Fischerdorfes angesehen, so dass es kein Problem sein sollte, es zu erkennen. An einem grösseren Parkplatz stiegen alle ausser uns aus, was mich etwas verunsicherte. Ich fragte den Buschauffeur nach Tai O und er zeigte geradeaus.

Okay, das hatte ich mir anders vorgestellt. Wir gingen in Richtung Promenade, wo uns eine Bootsfahrt angeboten wurde. Das war genau das, was wir uns vorgenommen hatten und erst noch sehr günstig. Mit einem kleinen Boot ging es durch den engen Strom, der das Städtchen teilte. Links und rechts standen mehr oder weniger verwahrloste Häuser auf Holzstelzen. Sie waren die Heimat der Tanka, einer Gemeinde von Fischern, die seit Generationen ihre Häuser auf Stelzen erbauten.

 

Bald schon wendeten wir und fuhren zurück aufs offene Meer hinaus, um nach den rosa Delfinen Ausschau zu halten. Leider konnten wir keines der Tiere entdecken, bloss viel Plastikmüll, der im Meer schwamm. Trotzdem fand ich es in Anbetracht der paar Franken, die wir lediglich bezahlen mussten, einen schönen, kleinen Ausflug.

Zu Fuss ging es weiter durch eine Gasse voller kleiner Shops, die vorwiegend getrocknete Fische und Meeresfrüchte verkauften. Bereits vom Boot aus konnten wir ein Restaurant mit hübschen, roten Lampignons ausmachen. Dort wollten wir Fisch essen gehen. Auf Stegen, durch die die Häuser miteinander verbunden waren, gingen wir quasi an den Wohnzimmern der Fischer vorbei, die hier in einer Art Freilichtmuseum lebten. Schade, dass die Häuser nicht etwas besser unterhalten wurden. So befürchtete ich, dass eines Tages nichts ausser einem Stapel Holz mehr von der Tradition der Tanka übrig bleiben wird.

Nach einem ordentlichen Fussmarsch - wie war das von wegen Fuss schonen? - erreichten wir das Tripple Lantern Cafe mit seiner herrlichen, mit Lampignons geschmückten Terrasse direkt am Strom. Giulia, die Inhaberin des Cafes, begrüsste uns herzlich, als ob wir Stammgäste gewesen wären. Nur der Blick in die Speisekarte enttäuschte uns, denn die einzigen Gerichte waren Pizza, Fischküchlein und Cheese Cake. Da wir schon mal hier waren, assen wir halt das, was es gab und genossen die Gastfreundschaft sowie die Aussicht.

Nach gefühlten Stunden, die wir im Cafe verbrachten, brachen wir auf. Der Weg zur Busstation kam mir wie eine Weltreise vor und ich war froh, endlich im Bus zu sitzen. In Tung Chung suchten wir in einer Drogerie mit angeschlossener Apotheke nach einer Salbe, wurden aber nicht fündig. Auch Nachfragen half nichts. Die unbeholfene Verkäuferin kam erst mit einem seltsamen Verband und danach mit einer Art Absatz, den ich wohl in den Schuh hätte stecken können. Unverrichteter Dinge verliessen wir den Laden und ich humpelte zur Busstation. Eine gute Stunde fuhren wir von Lantau Island bis nach Tin Hau, während die Sonne im Meer versank.