unter der sonne andalusiens - eine schöne schweinerei

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Montag war Weiterreisetag. Um nicht viel Zeit zu verlieren, assen wir im "BocaFina", das in Hotelnähe lag, einen "Tostada con Jamón". Was für ein herrlicher Schinken! Und bald sollten wir noch viel mehr davon bekommen! Vorher checkten wir aus und versuchten die Stadt nordwärts zu verlassen. Wir brauchten zwei, drei Anläufe, bis wir die richtige Ausfahrt erwischten, aber dann ging es zügig vorwärts. Allerdings nur, bis die Tankanzeige auf Reserve stand. Als wir endlich eine Tankstelle erblickten, lag die auf der falschen Strassenseite und es war kein Abbiegen möglich. So fuhren wir drei Kilometer in eine falsche Richtung, bis wir endlich wenden konnten. Ich wurde bereits nervös, weil wir für 11 Uhr eine Reservation für die Besichtigung einer Schinkenproduktion hatten.

Um 10:50 Uhr fuhren wir etwas ausserhalb von Corteconcepción ein. Wir waren noch nicht ganz bei "Jamones Eiriz Jabugo", dem Schinkenproduzenten, angekommen, als wir auf einen Parkplatz geführt wurden. Offensichtlich waren wir bereits als Besucher entlarvt. Ein junger Mann kam und fragte, ob wir die deutsche Führung gebucht hätten. Er stellte sich als Manuel vor. Gemeinsam mit einem österreichischen Paar gingen wir auf die Suche nach den Ibérico-Schweinen. Manuel erzählte viel über die Haltung der Schweine und die strengen Vorschriften für die Herstellung von Ibérico-Schinken. Wir waren noch nicht lange im Eichenwald unterwegs, als wir ein seltsames Geräusch hörten. Manuels Onkel hatte die Schweine gerufen, weil er sie füttern wollte. Bis zwei Monate vor der Schlachtung dürfen sie mit Getreide zugefüttert werden, danach ist das nicht mehr erlaubt. Dann müssen sie sich ausschliesslich aus Eicheln ernähren, damit es einen wertvollen 100% Jamón Ibérico de Bellota gibt.

Kaum hatte der Bauer gerufen, rasten die Schweine den Hang herunter. Dieses Spektakel wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir sahen, wie der Onkel nach einem Schwein trat. Manuel erklärte uns, dass sein Onkel sauer war, weil ihn das Schwein gebissen hätte. Die Schweine waren gierig und dachten nur ans Fressen und ans Suhlen. Böse waren sie nicht, man konnte sie anfassen, aber bisschen aufpassen musste man schon, denn so ein mächtiges Schwein kann einen umhauen, wenn man ihm im Weg steht.

 

Die nächste Station war die Fleischproduktion. Jamones Eiriz schlachtete nicht selber, dies geschah in einer nahen Schlachterei, denn die Tiere dürfen einen maximalen Transport von einer halben Stunde auf sich nehmen, um nicht unnötig gestresst zu werden. In Schutzkleidung betraten wir einen Raum, in dem Lomo hergestellt wurde. Das Rückenstück vom Ibérico-Schwein wurde mariniert, in Darm verpackt und zum Lufttrocknen aufgehängt. Die Schinken wurden erst gesalzen und ein paar Tage aufgestapelt gelagert, danach umgelagert, bevor sie zum Trocknen für ca. 3 Jahre aufgehängt wurden. Der Raum, in dem die Schinken gesalzen werden, war leer. Einzig einige grosse Säcke mit ausgedientem Salz standen darin herum um als Streusalz für die Strassen zum Einsatz zu kommen. Der Dachboden hing voller Schinken und im Keller waren noch mehr Schinken zu sehen. Im warmen Dachboden trocknete das Fleisch rund 1 Jahr, die weiteren zwei Jahre reifte es im kühleren Keller.

   

Das Tollste war die anschliessende Verköstigung. Beide Paare bekamen je einen grossen Teller mit getreidegefüttertem Schinken. Dazu gab es ein Glas Wein aus der Region. Obwohl dies noch kein Bellota (eichelgefüttert) war, schmeckte der Schinken phantastisch. Der zweite Teller, diesmal mit Bellota, toppte den ersten um Längen. Der Schinken schmolz regelrecht im Mund. Hierzu wurde uns ein Fino kredenzt. Zum Abschluss bekamen wir noch eine Portion Lomo und dazu einen Orangenwein.

Auf der Weiterfahrt kamen wir an Minas de Riotinto mit der namensgebenden Kupfer- und Eisenmine vorbei. Mehr als ein paar Fotos gab es nicht von der Mine für uns.