unter der sonne andalusiens - von den arabern zu den stierkämpfern

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Frühstück gab es nicht vor neun, hatte John gestern angekündigt. Dadurch, dass wir kein Fenster nach draussen hatten, konnte ich nicht abschätzen, wie das Wetter war. Mein Handy zeigte 14 Grad und bewölkter Himmel an. Ich ging mit einem Fleece bewaffnet nach draussen und wurde von einer strahlenden, warmen Sonne und John begrüsst, der mich wegen des Fleeces auslachte. Wir durften uns den Platz aussuchen. Unsere Wahl fiel auf einen Tisch auf dem Rasen der unglaublich gleichmässig grün war, bis ich zu meiner Schande gestehen musste, dass ich den Rasenteppich erst für echt gehalten hatte. Die Sonne hatte sich über die Hügel geschoben und tauchte die Gegend in ein traumhaftes Licht. Das Frühstück war gut, aber es gab nur eine kleine Auswahl: Brot, Butter, Konfitüre, Honig, Joghurt, Müesli und frische Erdbeeren. Dazu servierte John Kaffee oder Tee mit Milch.

 

John fragte, was wir vorhätten und empfahl uns eine günstige Tapasbar, die ein portugiesisches Paar, das auch bei ihm zu Gast war, für gut befunden hätte. Wir merkten uns den Standort, denn an den Namen konnte er sich nicht mehr erinnern.

Gleich neben unserer Unterkunft befand sich die alte Stadtmauer "Murallas Del Carmen", "Murallas de la Cijara", "Murallas de Ronda". Die zu erkunden war unser erstes Tagesziel. Von oben sahen wir fast auf den Pool des ehemaligen Klosters - wären da nicht Bäume im Weg gewesen. An der Mauer entlang führte ein ziemlich steiler und teilweise wegen heruntergefallenen Feigen rutschiger Weg zum Arabischen Bad "Baños Arabes".

    

Es handelte sich um das am besten erhaltene Bad der iberischen Halbinsel aus dem islamischen Zeitalter. Erbaut wurde es gegen Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts. Durch die Übernahme der Region durch die Christen, die die islamischen Praktiken für unmoralisch hielten, wurden die Bäder vernachlässigt und sogar verschüttet. Erst 1935 wurden sie wieder ausgegraben und so konnten drei Badesäle - einer mit kaltem, einer mit lauwarmem und einer mit heissem Wasser - gerettet werden. Besonderes Merkmal waren sternförmige Öffnungen an den Kuppeln der Säle, die das eindringliche Licht filterten und für ein erholsames Zwielicht sorgten. Ich war überrascht, wie gut die Gewölbe und Bögen erhalten waren. Im letzten Raum, der den Besuchern offen stand, befanden sich ein paar Stühle und eine Leinwand, auf dem ein Film über die Geschichte der Badeanlage gezeigt wurde. Im Aussenbereich gab es noch eine Gartenanlage, die bestimmt im Frühling, wenn alles blüht, noch etwas attraktiver ist.

   

Inzwischen waren es knackige 30 Grad warm und ich schaute zur Stadt hoch, die sich in gefühlt schwindelerregender Höhe befand. Dort mussten wir hoch und das bei der Wärme. Der erste Teil des Weges bis zur Calle Molino de Alarcón verlief im Schatten und war nur halb so schlimm, wie befürchtet. Ausserdem machten wir so viele Pausen, um unsere Blicke schweifen zu lassen und die Kamera zu zücken, dass wir gar nicht dazu kamen, eine Anstrengung zu verspüren. Richtig toll war der weitere Weg durch den "Jardines De Cuenca". Die Ausblicke waren unbeschreiblich. Besonders sehenswert war der "Mirador De Cuenca", von wo aus man einen tollen Blick auf die Puente Nuevo hat.

   

Wir gingen durch die Calle Virgen de los Remedios, wo Reiner mich auf eine noch geschlossene Tapasbar aufmerksam machte, die ihre Tapas für sage und schreibe 80 Cents das Stück anbot. Da konnte was nicht stimmen - entweder die Qualität oder die Quantität oder vermutlich beides!

Es war kurz vor zwölf, also Essenzeit für die Touristen, nicht aber für die Einheimischen. Wir hatten noch keinen Hunger, aber Lust auf einen Kaffee. In der Calle Nueva reihte sich ein Restaurant an das andere. An einigen Tischen sassen schwatzende Asiaten bei Paella, Pizza oder Pasta. Wir begnügten uns mit einem Kaffee und beobachteten die Touristen beim Mittagessen. Auf einmal sah ich einen Kinderwagen mit dem kleinen Jungen, der in Málaga beim Frühstück neben uns sass. Ein Blick auf die Eltern bestätigte meine Vermutung.

Eigentlich wollten wir zur Stierkampfarena, aber auf dem Weg dahin kamen wir an einem kleinen Süssigkeitenladen vorbei, der sich vor allem auf Mandeln und Mandelspezialitäten wie Turrón, eine Variante des Nougats, spezialisiert hatte. Wir gingen hinein, schauten uns die Regale an, bis uns das Wasser im Mund zusammenlief und verliessen den Laden auf der andern Seite wieder mit dem Vorsatz, zurückzukehren, um zuzuschlagen.

Die Stierkampfarena wurde aus Sandstein gebaut und war eine der ältesten und schönsten ihrer Art. Sie wurde vom selben Architekten entworfen, der auch die gewaltige Puente Nueva über die Schlucht des Tajo geplant hatte. Mit einem Audioguide bewaffnet, betraten wir erst die Reitschule. Wir hatten Glück und konnten ein bisschen das Training mitverfolgen. Danach warfen wir einen Blick in die Boxen, in denen sich die Stiere vor einem Kampf aufhielten. Es stank gotterbärmlich und ich war geschockt, wie klein die Box für so einen riesigen Stier ausfiel. Die Arena selbst war sehr beeindruckend und die Ausführungen im Audioguide spannend. Auch wenn ich jetzt gewisse Abläufe besser verstehe, so halte ich Stierkampf noch immer für Tierquälerei. Interessant war auch, dass diese Diskussionen um Tierquälerei bereits 1783 stattfanden, als die Stierkampfarena erstellt wurde.

 
Wir sausten noch kurz durch das Museum, aber so richtig interessiert hatte es weder Reiner noch mich. Ausserdem waren wir durstig und hatten Lust auf einen Happen zu Essen. Wir schlenderten zum Plaza del Socorro und nahmen im erstbesten Restaurant Platz. Wir teilten uns ein Tapas-Menü für 10 Euro. Es waren die schlechtesten Tapas, die wir in diesen Ferien bekamen und staunten nicht schlecht, als wir 20 Euro dafür bezahlen mussten. Mir war bewusst, dass Gedeck und Getränke dazukamen, aber dass die Mehrwertsteuer in dem angeschriebenen Preis nicht enthalten war, fand ich etwas merkwürdig. Selber schuld, wir hätten merken müssen, dass wir uns in ein Touristenlokal verirrt hatten.

Wir kehrten noch in den Süssigkeitenladen zurück und deckten uns mit Mandeln und Turrón ein. Anschliessend gingen wir ins Hotel, um uns am Pool zu entspannen. Ein Hirte und sein Hund trieben eine kleine Schafherde unterhalb des Hotels an der Stadtmauer entlang. Da wir im Aussenbereich besseres WLAN hatten, als im Zimmer, nutzten wir die Zeit, um noch etwas zu surfen. Ich schaute mir die von John am Morgen empfohlene Tapasbar genauer an. Gemäss Beschreibung handelte es sich um das im Internet positiv bewertete Restaurant Bar "El Lechuguita". Über die Öffnungszeiten waren sich die verschiedenen Websites nicht einig. Die eine schrieb, dass ab 20:15 Uhr geöffnet sei, auf einer anderen Seite sollten die Gäste erst ab 20:30 Uhr eingelassen werden.

Wir wollten so kurz nach 20 Uhr dort sein, um auch einen Platz ergattern zu können. Auf der Puente Nueva mussten wir stoppen, denn der Sonnenuntergang war zu schön.

  

Als wir beim Restaurant ankamen, warteten bereits einige Menschen auf Einlass in das Lokal. Um halb neun kam dann eine Frau, öffnete die Tür, ein Mann folgte ihr und danach geschah ein Weilchen nichts mehr. Als sie dann definitiv die Türen aufmachte, strömten die Leute hinein. Es gab eine lange Bar und jede Menge Barhocker. Im rückwärtigen Teil waren links und rechts je zwei kleine Tischchen an die Wand angebracht. An so ein Tischchen setzten wir uns. An der Bar lagen Zettel mit den Speisen und Stifte aus. Hinter den Speisen standen Zahlen, was der Anzahl Tapas entsprach, die man bestellen wollte. Wir machten unsere Kreuze und Reiner ging an die Theke, um den Zettel abzugeben und die Getränke zu bestellen. Hinter der Bar hatten sie jede Menge zu tun. Zettel und Bestellungen entgegen nehmen, Wein und Bier ausschenken, Tapas reichen und das Ganze wieder von vorn. Die Bar füllte sich immer mehr. Der Geräuschpegel war hoch, die Stimmung bombastisch, die Speisen kreativ und herrlich und das für einen Spottpreis. Erst als wir die Tapasbar mit vollem Bauch verliessen, bemerkte Reiner, dass es sich um genau die Bar handelte, an der wir am Mittag vorbeigegangen waren und nicht glauben konnten, dass man qualitativ hochwertige Tapas für 80 Cents bekommen kann. Doch, kann man. Ein echter Geheimtipp!

 

Weil es uns gestern in der "Tabanco Los Arcos" so gut gefallen hatte, wollten wir dort auf einen Schlummertrunk vorbeischauen. Im Aussenbereich war alles belegt, aber im Innern bekammen wir einen kleinen Tisch direkt am Fenster mit Blick auf die beleuchtete Brücke.