unter der sonne andalusiens

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Reisebericht unserer Andalusienreise vom September/Oktober 2018.

Es war Dienstagnachmittag, als wir uns bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen zum Euroairport Basel/Mulhouse begaben. Dank Speedy Boarding konnten wir unser Gepäck ohne Anstehen am Schalter abgeben und als eine der ersten ins Flugzeug einsteigen. Das Chaos begann. Gepäck wurde in die Ablagen gesteckt und wieder heraus genommen. Eine ältere Frau stand den anderen Passagieren die längste Zeit im Weg und jammerte, dass sie doch lieber am Gang, statt in der Mitte der Dreierreihe sitzen wollte. Dass sich ihretwegen ein Stau bildete, ging an ihr vorbei. Ich war froh, die paar Franken für eine Sitzplatzreservierung in die Hand genommen zu haben, um genau dort sitzen zu können, wo ich wollte, nämlich auf einem XXL-Seat beim Notausgang.

Überraschenderweise landeten wir trotz dieses langwierigen Einsteigeprozederes zwanzig Minuten vor der angegebenen Zeit in Málaga. Wir holten unser Gepäck und gingen zum Sixt-Schalter, um den Schlüssel für das gebuchte Auto abzuholen. Leider gab es diesmal kein Upgrade, dafür jede Menge Versicherungen, die wir hätten abschliessen dürfen. Letztendlich stiegen wir in einen weissen Opel Mokka und brausten davon.

Weit ging die Fahrt nicht, denn für die erste Nacht hatten wir eine Reservierung für ein Zimmer im Flughafenhotel, um am nächsten Tag den Weg nach Ronda in vollen Zügen geniessen zu können. Das Zimmer war besser, als erwartet.

Zum Abendessen fuhren wir nach Málaga in unser Lieblingsrestaurant, das "La Taberna de Cervantes". Wir hofften, trotz fehlender Reservation einen Platz ergattern zu können und hatten Glück. Eine rabiate, junge Kellnerin bediente uns mit rauem Charme. Wir bestellten die Tagesspezialitäten und waren wieder mal hin und weg. Ein Dessert sei "obligatorio", meinte die Bedienung. Okay, ausnahmsweise… Nach dem Bezahlen trafen wir die inzwischen liebgewonnene Kellnerin rauchend draussen vor der Tür und plauderten noch etwas mit ihr, bevor wir zum Hotel zurück fuhren.

 


Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Hotelfrühstück. Das Angebot war nichts, was man sich hätte merken müssen. Am Nebentisch sass ein müder, kleiner Junge in einem Kindersitz und wurde von seinem Vater gefüttert. Der süsse Fratz dürfte etwas über ein Jahr alt gewesen sein. Obwohl er seinen Vater keines Blickes würdigte, sperrte er automatisch seinen Mund auf, wenn ein Löffelchen mit Brei in seine Richtung kam und ass schöner, als die meisten Kinder, die ich kenne. Am liebsten hätte ich ihn mitgenommen, aber da hätten wohl seine Eltern etwas dagegen gehabt.

Unser erstes Tagesziel war Ronda. Die gut 100 km wären in 1.5 Stunden zu schaffen, aber wir wollten etwas von der Gegend sehen. Auf der Landstrasse ging es erstmal nordwärts. Bereits nach 33 km hielten wir das erste Mal, um einen Blick auf das weisse Dorf "Almogía" mitten in einer wunderschönen Naturlandschaft zu werfen.

 

Nach weiteren 23 km bogen wir links zum "El Torcal" ab. Bereits letztes Jahr faszinierte uns das Naturschutzgebiet mit seinen aussergewöhnlichen Karstformationen. Eine Gruppe Jugendlicher kletterte wie Gemsen auf den Felsen herum; zwei von ihnen versuchten etwas schwerfälliger zu folgen. Sie waren laut, aber die gute Laune steckte an.

   

Die nächste Station war das "Centro de Visitantes José Antonio Valverde" in Fuente de Piedra. Die "Laguna de Fuente de Piedra" ist ein Feuchtgebiet, das zum Teil unter Naturschutz steht. Hier befand sich die grösste Kolonie von Rosaflamingos der iberischen Halbinsel. Nach der Camarque in Frankreich war es die wichtigste Kolonie Europas. Wir spazierten etwas die Wege entlang. Die Landschaft war bezaubernd, aber die Vögel waren so weit weg, dass wir nicht mal die rosa Farbe erkennen konnten. Einzig der Kamerazoom brachte sie uns etwas näher.

   

Inzwischen war es Mittagszeit und wir hatten Hunger. In Campillas, entdeckten wir ein Schild "menú del día in 200 m". Auf der Strasse vor der "Taberna del Ni" war ein Parkplatz frei. Reiner parkierte und wir traten durch die Tür in einen dunklen, leeren Raum mit einer Bar und einem muffeligen Alten dahinter. Die Wände waren voller Bilder von Stierkämpfern und der Besitzer war offensichtlich ein Fan des FC Málaga. Zumindest hingen Fotos, Käppi und Banner von dem Verein an den Wandflächen, die noch nicht von Stierkämpfern voll waren. Am liebsten wäre ich wieder raus, doch das erschien mir unhöflich und ausserdem knurrte der Magen, also setzten wir uns an einen Tisch. Der grummelige Alte kam und es stellte sich heraus, dass er kein Wort englisch sprach. Ausserdem war er überhaupt nicht grummelig, sondern äusserst freundlich und geschäftstüchtig. Er zählte eine Reihe von Speisen auf und wir entschieden uns spontan je für eine Vor- und Hauptspeise. Dazu bestellten wir eine grosse Flasche Wasser.

Während wir auf das Essen warteten, gab es jede Menge zu beobachten. Zum einen die unzähligen, staubigen Bilder und Gegenstände, die im gesamten Lokal verteilt waren und zum anderen betrat immer mal wieder ein Handwerker den Raum, setzte sich an die Bar, bestellte ein Bier oder einen Schnaps und dazu eine Tapa. Das Essen schmeckte überraschend gut und der Besitzer, wie ich vermute, bemühte sich unglaublich. Er nahm sein Handy und sprach das gesamte Dessertsortiment darauf, um es auf Englisch übersetzen zu lassen und uns die Übersetzung zu zeigen. Seine Stammgäste lachten ihn aus, das hinderte ihn aber nicht daran, die spanischen Begriffe solange aufs Handy zu sprechen, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Ich glaube, dass sich zwei Gäste über uns lustig machten, weil wir bloss Wasser tranken. Ich hörte sie "solo agua" sagen, während sie hämisch grinsend zu uns schauten. Mir war das egal, es gehörte für mich zum Teil der Show. Das gesamte Erlebnis war für 16 Euro zu haben.

Bereits bei der Vorbereitung zum letztjährigen Andalusien-Trip entdeckte ich einen Wanderweg bzw. Klettersteig mit dem Namen "Caminito del Rey" (dt. "Königspfad"), der mich unglaublich faszinierte. Er war einst der gefährlichste Wanderweg der Welt, bevor er von 2014 bis 2015 komplett wiederhergestellt wurde. Er war so verfallen, dass er lange Zeit gesperrt war. Mir ging es nicht darum, diesen Weg, der entlang von steilen Wänden durch zwei 200 m tiefe Schluchten führte, selber zu begehen, aber ich wollte schauen, ob man ihn von unten sehen konnte. Ausserdem lag er in Nähe der Stauseen des Río Guadalhorce in einer herrlichen Landschaft. Der Entscheid, in diese Region zu fahren, war goldrichtig. Die Stauseen und die Berge um El Chorro waren traumhaft schön.

       

Eine weitere faszinierende Landschaft war die "Sierra de las Nievas". Am Wegrand hüpften Ziegen umher, Häuser suchte man vergeblich. Auf einmal zog sich der Himmel zu und hüllte die Berge in eine graue Masse, die nicht minder schön war. Es begann zu regnen. Das war es wohl mit dem schönen Wetter. In Andalusien gibt es 300 Tage im Jahr Sonnenschein und wir erwischten ausgerechnet die Regenzeit.


Doch bereits in Ronda lachte der Himmel wieder. Unser ansonsten ziemlich lausiges Navi (es kannte kaum eine Adresse), lotste uns zielsicher zum ehemaligen Kloster, das für die nächsten zwei Nächte als unsere Unterkunft diente. Wir stellten das Auto auf einen privaten Parkplatz und klingelten am grossen Gittertor. Sofort war John, unser englischer Gastgeber, zu hören, der uns fröhlich willkommen hiess. Ich hatte ihm im Vorfeld geschrieben, dass Reiner am Freitag seinen 50. Geburtstag feiern würde. Allerdings hatte John das verwechselt und dachte, dass bereits heute, Mittwoch, der Jubiläumstag wäre und hatte eine Flasche Freixenet kalt gestellt. Er zeigte uns den grosszügigen Innenbereich, der den Bewohnern der vier Zimmern bei schlechtem Wetter zur Verfügung stand. Bei Sonnenschein lud der Aussenbereich mit Infinity-Pool, Liegestühlen und verschiedenen Sitzbereichen zum Verweilen ein. Dort würde auch das Frühstück bei herrlichem Blick auf die Berge bei Sonnenaufgang serviert. Das Zimmer selbst war in Ordnung, doch das Fenster war blickdicht verhangen, so dass wir keinen Ausblick hatten.

Auf dem Privatparkplatz durften wir nicht bleiben, deshalb lotste John uns durch Ronda, bis er einen freien Parkplatz entdeckte und uns anwies, dort zu parkieren. In seinem Auto fuhr er uns dann kreuz und quer durch das Städtchen und zeigte uns die guten Restaurants. Da war zum Beispiel die "Bodega San Francisco", die zwar günstig, aber eher touristisch und nicht schlecht, aber auch nicht hervorragend sei. Daneben befand sich das "Restaurante Casa María", das er uns wärmstens empfahl. Nur Einheimische würden dort essen und es sei spitzenmässig. Auch die "Cerveceria El Bandolero" empfahl er uns wie auch noch ein paar weitere in der Altstadt. Überhaupt sei bloss die Altstadt das wahre Ronda, die Neustadt nach der berühmten "Puente Nuevo" sei nichts Sehenswertes.

Er fuhr uns zur Unterkunft "Monestario del Carmen" zurück und wir zogen los, um eine Kleinigkeit zu essen. In dem empfohlenen "Restaurante Casa María" gab es keine Speisekarte, sondern für 30 Euro pro Person konnte man essen und trinken, soviel man wollte. Das war nicht das, was wir uns vorstellten, weshalb wir etwas verlegen wieder kehrtmachten. Das weniger warm empfohlene Restaurant "Bodega San Francisco" hatte Tische und Stühle auf dem "Plaza Ruedo Alameda", was uns reizte, trotzdem dort ein paar Tapas zu essen. Die Bedienung war unaufmerksam, die Tapas ganz gut und das Leben auf dem Platz gefiel mir sehr. Soweit wir erkennen konnten, waren nur Einheimische dort zu Gast, zumindest sprachen sie spanisch und tranken "café con leche" vor dem eigentlichen Essen, was wir später auch bei anderen Spaniern beobachten konnten.

Wir schlenderten noch etwas durch die Altstadt, bis wir kurz vor der Brücke links ein paar Tische mit Hockern unter Bögen entdeckten. Wir kehrten auf ein (oder zwei) Glas in die "Tabanco Los Arcos" ein und liessen uns noch etwas Jamón Ibérico Bellota schmecken.

   


Frühstück gab es nicht vor neun, hatte John gestern angekündigt. Dadurch, dass wir kein Fenster nach draussen hatten, konnte ich nicht abschätzen, wie das Wetter war. Mein Handy zeigte 14 Grad und bewölkter Himmel an. Ich ging mit einem Fleece bewaffnet nach draussen und wurde von einer strahlenden, warmen Sonne und John begrüsst, der mich wegen des Fleeces auslachte. Wir durften uns den Platz aussuchen. Unsere Wahl fiel auf einen Tisch auf dem Rasen der unglaublich gleichmässig grün war, bis ich zu meiner Schande gestehen musste, dass ich den Rasenteppich erst für echt gehalten hatte. Die Sonne hatte sich über die Hügel geschoben und tauchte die Gegend in ein traumhaftes Licht. Das Frühstück war gut, aber es gab nur eine kleine Auswahl: Brot, Butter, Konfitüre, Honig, Joghurt, Müesli und frische Erdbeeren. Dazu servierte John Kaffee oder Tee mit Milch.

 

John fragte, was wir vorhätten und empfahl uns eine günstige Tapasbar, die ein portugiesisches Paar, das auch bei ihm zu Gast war, für gut befunden hätte. Wir merkten uns den Standort, denn an den Namen konnte er sich nicht mehr erinnern.

Gleich neben unserer Unterkunft befand sich die alte Stadtmauer "Murallas Del Carmen", "Murallas de la Cijara", "Murallas de Ronda". Die zu erkunden war unser erstes Tagesziel. Von oben sahen wir fast auf den Pool des ehemaligen Klosters - wären da nicht Bäume im Weg gewesen. An der Mauer entlang führte ein ziemlich steiler und teilweise wegen heruntergefallenen Feigen rutschiger Weg zum Arabischen Bad "Baños Arabes".

    

Es handelte sich um das am besten erhaltene Bad der iberischen Halbinsel aus dem islamischen Zeitalter. Erbaut wurde es gegen Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts. Durch die Übernahme der Region durch die Christen, die die islamischen Praktiken für unmoralisch hielten, wurden die Bäder vernachlässigt und sogar verschüttet. Erst 1935 wurden sie wieder ausgegraben und so konnten drei Badesäle - einer mit kaltem, einer mit lauwarmem und einer mit heissem Wasser - gerettet werden. Besonderes Merkmal waren sternförmige Öffnungen an den Kuppeln der Säle, die das eindringliche Licht filterten und für ein erholsames Zwielicht sorgten. Ich war überrascht, wie gut die Gewölbe und Bögen erhalten waren. Im letzten Raum, der den Besuchern offen stand, befanden sich ein paar Stühle und eine Leinwand, auf dem ein Film über die Geschichte der Badeanlage gezeigt wurde. Im Aussenbereich gab es noch eine Gartenanlage, die bestimmt im Frühling, wenn alles blüht, noch etwas attraktiver ist.

   

Inzwischen waren es knackige 30 Grad warm und ich schaute zur Stadt hoch, die sich in gefühlt schwindelerregender Höhe befand. Dort mussten wir hoch und das bei der Wärme. Der erste Teil des Weges bis zur Calle Molino de Alarcón verlief im Schatten und war nur halb so schlimm, wie befürchtet. Ausserdem machten wir so viele Pausen, um unsere Blicke schweifen zu lassen und die Kamera zu zücken, dass wir gar nicht dazu kamen, eine Anstrengung zu verspüren. Richtig toll war der weitere Weg durch den "Jardines De Cuenca". Die Ausblicke waren unbeschreiblich. Besonders sehenswert war der "Mirador De Cuenca", von wo aus man einen tollen Blick auf die Puente Nuevo hat.

   

Wir gingen durch die Calle Virgen de los Remedios, wo Reiner mich auf eine noch geschlossene Tapasbar aufmerksam machte, die ihre Tapas für sage und schreibe 80 Cents das Stück anbot. Da konnte was nicht stimmen - entweder die Qualität oder die Quantität oder vermutlich beides!

Es war kurz vor zwölf, also Essenzeit für die Touristen, nicht aber für die Einheimischen. Wir hatten noch keinen Hunger, aber Lust auf einen Kaffee. In der Calle Nueva reihte sich ein Restaurant an das andere. An einigen Tischen sassen schwatzende Asiaten bei Paella, Pizza oder Pasta. Wir begnügten uns mit einem Kaffee und beobachteten die Touristen beim Mittagessen. Auf einmal sah ich einen Kinderwagen mit dem kleinen Jungen, der in Málaga beim Frühstück neben uns sass. Ein Blick auf die Eltern bestätigte meine Vermutung.

Eigentlich wollten wir zur Stierkampfarena, aber auf dem Weg dahin kamen wir an einem kleinen Süssigkeitenladen vorbei, der sich vor allem auf Mandeln und Mandelspezialitäten wie Turrón, eine Variante des Nougats, spezialisiert hatte. Wir gingen hinein, schauten uns die Regale an, bis uns das Wasser im Mund zusammenlief und verliessen den Laden auf der andern Seite wieder mit dem Vorsatz, zurückzukehren, um zuzuschlagen.

Die Stierkampfarena wurde aus Sandstein gebaut und war eine der ältesten und schönsten ihrer Art. Sie wurde vom selben Architekten entworfen, der auch die gewaltige Puente Nueva über die Schlucht des Tajo geplant hatte. Mit einem Audioguide bewaffnet, betraten wir erst die Reitschule. Wir hatten Glück und konnten ein bisschen das Training mitverfolgen. Danach warfen wir einen Blick in die Boxen, in denen sich die Stiere vor einem Kampf aufhielten. Es stank gotterbärmlich und ich war geschockt, wie klein die Box für so einen riesigen Stier ausfiel. Die Arena selbst war sehr beeindruckend und die Ausführungen im Audioguide spannend. Auch wenn ich jetzt gewisse Abläufe besser verstehe, so halte ich Stierkampf noch immer für Tierquälerei. Interessant war auch, dass diese Diskussionen um Tierquälerei bereits 1783 stattfanden, als die Stierkampfarena erstellt wurde.

 
Wir sausten noch kurz durch das Museum, aber so richtig interessiert hatte es weder Reiner noch mich. Ausserdem waren wir durstig und hatten Lust auf einen Happen zu Essen. Wir schlenderten zum Plaza del Socorro und nahmen im erstbesten Restaurant Platz. Wir teilten uns ein Tapas-Menü für 10 Euro. Es waren die schlechtesten Tapas, die wir in diesen Ferien bekamen und staunten nicht schlecht, als wir 20 Euro dafür bezahlen mussten. Mir war bewusst, dass Gedeck und Getränke dazukamen, aber dass die Mehrwertsteuer in dem angeschriebenen Preis nicht enthalten war, fand ich etwas merkwürdig. Selber schuld, wir hätten merken müssen, dass wir uns in ein Touristenlokal verirrt hatten.

Wir kehrten noch in den Süssigkeitenladen zurück und deckten uns mit Mandeln und Turrón ein. Anschliessend gingen wir ins Hotel, um uns am Pool zu entspannen. Ein Hirte und sein Hund trieben eine kleine Schafherde unterhalb des Hotels an der Stadtmauer entlang. Da wir im Aussenbereich besseres WLAN hatten, als im Zimmer, nutzten wir die Zeit, um noch etwas zu surfen. Ich schaute mir die von John am Morgen empfohlene Tapasbar genauer an. Gemäss Beschreibung handelte es sich um das im Internet positiv bewertete Restaurant Bar "El Lechuguita". Über die Öffnungszeiten waren sich die verschiedenen Websites nicht einig. Die eine schrieb, dass ab 20:15 Uhr geöffnet sei, auf einer anderen Seite sollten die Gäste erst ab 20:30 Uhr eingelassen werden.

Wir wollten so kurz nach 20 Uhr dort sein, um auch einen Platz ergattern zu können. Auf der Puente Nueva mussten wir stoppen, denn der Sonnenuntergang war zu schön.

  

Als wir beim Restaurant ankamen, warteten bereits einige Menschen auf Einlass in das Lokal. Um halb neun kam dann eine Frau, öffnete die Tür, ein Mann folgte ihr und danach geschah ein Weilchen nichts mehr. Als sie dann definitiv die Türen aufmachte, strömten die Leute hinein. Es gab eine lange Bar und jede Menge Barhocker. Im rückwärtigen Teil waren links und rechts je zwei kleine Tischchen an die Wand angebracht. An so ein Tischchen setzten wir uns. An der Bar lagen Zettel mit den Speisen und Stifte aus. Hinter den Speisen standen Zahlen, was der Anzahl Tapas entsprach, die man bestellen wollte. Wir machten unsere Kreuze und Reiner ging an die Theke, um den Zettel abzugeben und die Getränke zu bestellen. Hinter der Bar hatten sie jede Menge zu tun. Zettel und Bestellungen entgegen nehmen, Wein und Bier ausschenken, Tapas reichen und das Ganze wieder von vorn. Die Bar füllte sich immer mehr. Der Geräuschpegel war hoch, die Stimmung bombastisch, die Speisen kreativ und herrlich und das für einen Spottpreis. Erst als wir die Tapasbar mit vollem Bauch verliessen, bemerkte Reiner, dass es sich um genau die Bar handelte, an der wir am Mittag vorbeigegangen waren und nicht glauben konnten, dass man qualitativ hochwertige Tapas für 80 Cents bekommen kann. Doch, kann man. Ein echter Geheimtipp!

 

Weil es uns gestern in der "Tabanco Los Arcos" so gut gefallen hatte, wollten wir dort auf einen Schlummertrunk vorbeischauen. Im Aussenbereich war alles belegt, aber im Innern bekammen wir einen kleinen Tisch direkt am Fenster mit Blick auf die beleuchtete Brücke.

 


Freitag, der 21. September: Reiners 50. Geburtstag. Mal sehen, ob John sich noch erinnerte - tat er nicht. Reiner war es egal, ihm war es viel lieber, eine schöne und kulinarische Zeit in Andalusien zu verbringen. Das hatte er zumindest gesagt.

Nach dem Frühstück gaben wir die Schlüssel ab und liessen uns von John zu unserem Auto chauffieren. Wir fuhren bis Setenil de las Bodegas und hielten an einem Aussichtspunkt an. Von dort aus hatte man einen schönen Blick auf das kleine, weisse Dorf. Ein Pärchen schlenderte ebenfalls dort entlang und wir wurden Zeuge eines dreisten Diebstahls. Die Frau legte sich bäuchlings auf die Mauer, um an die saftigen Feigen zu kommen.

  

Über Olvera ging die Fahrt weiter bis Zahara de la Sierra, das an dem Stausee "Embalse de Zahara-El Gastor" lag. Weil uns der See so gut gefiel, fuhren wir einmal rund herum. Auf der Nord-Ostseite des Sees führte die Strasse vom See weg. Die Landschaft war aber auch dort ganz hübsch.

 

Schliesslich trafen wir im "Hotel Sevilla Center" ein. Wir hatten uns für dieses Hotel entschieden, weil es über eine öffentliche Tiefgarage verfügte und weil es ziemlich nahe an der Innenstadt lag. Wir hatten eine De-Luxe-Suite gebucht, die leider (noch) nicht frei war. Aber wir bekamen eine Alternative. Ob diese schlechter war, als das für uns vorgesehene Zimmer, konnte ich nicht beurteilen. Ich glaube aber, dass das Zimmer im 14. Obergeschoss nur für einen (männlichen) Gast vorbereitet war. Auf jeden Fall klingelte es kurz nach Bezug und ein Zimmermädchen stand mit einer Handvoll Kosmetikprodukten von Chopard vor der Tür, obwohl auf dem Waschtisch bereits eine breite Palette an Produkten stand. Das Bad war sehr schön mit einer Sprudelwanne und einem separaten WC.

Wir waren bereits letztes Jahr in diesem Hotel. Damals hatten wir vom 12. Stock aus einen herrlichen Blick auf die Stadt. Das wünschten wir uns auch für dieses Mal. Doch leider war die Aussicht in eine andere Himmelsrichtung, die nicht ganz so attraktiv war.

Bis wir uns frisch gemacht hatten, war es bereits Mitte Nachmittag und wir waren wieder einmal hungrig. Das sollte kein Problem sein, denn in der Nähe des Hotels gab es jede Menge Restaurants. Wir entschieden uns für das "Restaurante Bocafina". Es gab zwei Bereiche: Eine Art Bistro, in der Tapas serviert wurden und ein Restaurant mit gedeckten Tischen. Weil wir beide absolute Tapas-Fans sind, war für uns sofort klar, dass wir uns ins Bistro setzten. Die Bedienung war äusserst freundlich und das Essen hervorragend. Die anderen Gäste waren ausschliesslich Einheimische und zu 80% Frauen. Das lag bestimmt an der Einrichtung, die hell, frisch und modern war. Für die Männer gab es nebenan eine dunkle Cerveceria.

Vom letzten Mal wussten wir, dass sich bei der Haltestelle Prado de San Sebastián ein TUSSAM-Schalter befand, bei dem man sich eine "Tarjeta Turística 3 días" kaufen konnte. Mit dieser Karte konnte man sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, die von TUSSAM betrieben wurden (galt nicht für die U-Bahn). Das Thermometer zeigte 39 Grad an und ich glaubte zu zerfliessen, als wir den knappen Kilometer in der heissen Sonne zu diesem Schalter liefen. Zum Glück war der Container klimatisiert. Als wir es endlich kapierten, wie wir die Nummer ziehen konnten, kamen wir auch bald mal dran und verliessen das Gebäude mit den gewünschten Fahrkarten. Mit dem nächsten Tram fuhren wir zur Endstation beim Plaza Nueva und spazierten etwas durch die Gegend. Wir versuchten, uns dem Schatten entlang zu bewegen, doch irgendwann hielten wir die Hitze nicht mehr aus und gingen für eine Siesta ins Hotel zurück. Dort wurden wir mit einem Früchteteller und einer Flasche Wasser überrascht. Genau die richtige Erfrischung für so einen Tag.

Für das Geburtstagsessen hatten wir das ziemlich berühmte "Eslava" ausgesucht, das aus einem Restaurant und einer Bar bestand. Wer uns kennt, weiss, dass wir uns an die Bar setzten und nicht in das Restaurant. Das erste, was wir bestellten, war "Sangre encebollada", einen Blutpudding mit karamelisierten Zwiebeln. Die Kellnerin glaubte, sich verhört zu haben. Vermutlich war das nicht das Gericht, das sich Ausländer oft aussuchten. Uns schmeckte es. Das beste war ein Gericht, mit dem sie beim "Sevilla en Boca de Todos" 2010 den ersten Platz belegten: "Huevo sobre bizcocho de boletus y vino caramelizado". Das bestand aus einem flüssigen Eigelb auf einem Pilzküchlein mit einer karamelisierten Weinreduktion. Das bestellten wir uns gleich ein zweites Mal, so unglaublich lecker war es. Ebenfalls zum Niederknien waren "Costilla de cerdo con miel de romero al horno", Spareribs mit Rosmarinhonig aus dem Ofen. Aber auch die Entenleber auf geröstetem Nussbrot, mit einem Gelee und einer Pedro Ximenez-Sauce obendrauf war ein Gedicht. Egal, was wir probierten, uns schmeckte einfach alles. Die Bedienung war freundlich und aufmerksam, obwohl die Leute Schlange standen, um einen Platz im vollen Restaurant zu kriegen.

   

Anschliessend gingen wir noch in der Altstadt etwas trinken. Mir taten die Füsse weh, denn das Eslava lag nicht besonders zentral. Als wir mitten in der Nacht ins Hotel zurück gingen, zeigte das Thermometer noch immer 27 Grad an.


Am Samstag nahmen wir es gemütlich. In den Tag starten wollten wir in der "Bar El Comercio", denn dort gab es die weltbesten Churros. Als wir ankamen, war die Bar bereits brechend voll. Trotzdem ergatterten wir noch ein paar Zentimeter an der Theke und liessen es uns nicht nehmen, wenigsten eine Portion Churros con Chocolate zu geniessen. Einheimische und Touristen standen sich gleichermassen auf den Füssen herum, aber sowohl Reiner wie auch mir gefiel die Atmosphäre hier sehr. Irgendwann war uns das Gedränge dann doch zu viel, so dass wir weiter zogen. Für den heutigen Tag nahmen wir uns das Barrio Santa Cruz vor. Als es uns zu heiss wurde, zogen wir uns für eine Siesta ins Hotel zurück.

     

Gegen Abend ging es erneut durch das Barrio Santa Cruz. Für heute Abend hatten wir im "Los Gallos" eine Flamenco-Show gebucht. Ich war sehr gespannt, was mich erwartete, denn Flamenco war nicht unbedingt meine Leidenschaft. Doch wir wollten es mal live erleben. Als wir ankamen, war der Saal bereits voll, obwohl wir rund zehn Minuten vor Beginn da waren. Wir bekamen in der hintersten Ecke einen bequemen Platz zugewiesen. Dann begann die Show und ich bekam eine Gänsehaut. Es war total beeindruckend, wie die Männer Gitarre spielten und sangen und die Frauen in ihren schönen Kleidern tanzten. Am meisten beeindruckte mich ein männlicher Tänzer mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Das einzig störende an dem Abend waren die Gäste am Nebentisch. Eine Frau tippte ständig Nachrichten in ihr Handy. Das helle Display lenkte mich ab. Wenn sie gerade nicht tippte, unterhielt sie sich lauthals mit ihren Freunden oder was es waren. Die Show selbst durfte weder gefilmt noch fotografiert werden. Erst beim Schlussakt gab es ein Zeichen, dass dieses Verbot nun aufgehoben war. Reiner filmte diesen bombastischen Auftritt. Als wir das Video nachträglich anschauten, war ich etwas enttäuscht. Die gesamte Stimmung kam nicht rüber. Flamenco muss man live erleben. Nur dann spürt man die Leidenschaft und das Temperament der Künstler.

Den Abend liessen wir in der "Cervecería Giralda Bar" ausklingen. Bei herrlichen Tapas und Bier, die uns von sehr freundlichen Kellnern serviert wurden, bestaunten wir unzählige wunderschöne Schwarz-Weiss-Fotos an den Wänden.

      


Unser Vorhaben, in Hotelnähe zu frühstücken, scheiterte daran, dass alle Restaurants sonntags geschlossen waren. Deshalb fuhren wir in die Stadt und genossen im "qaqo seis b" einen Tostado con tomate mit frisch gepresstem Orangensaft und einem Café con leche. Das Brot war eine grosse, geröstete Scheibe Weissbrot mit Ochsenherztomatenscheiben darauf. Es schmeckte herrlich, auch wenn ich eigentlich ein getoastetes Brötchen mit Tomatenmus erwartet hatte.

Um halb zehn öffnete der Alcázar von Sevilla, den wir trotz dass Sonntag war, unbedingt besuchen wollten. Um 9:20 Uhr standen wir in der bereits beachtlich langen Schlange. Zum Glück war es schattig, so dass es gut aushaltbar war. Wir bereuten, kein Ticket im Internet gekauft zu haben, um an der Schlange vorbeigehen zu können, doch wir wollten flexibel bleiben und nur ganz wenige, ausgewählte Dinge vorab buchen.

Reiner und ich unterhielten uns über dies und das, als sich eine Frau auf schweizerdeutsch einmischte. Sie war alleine unterwegs, denn ihre Schulkollegen der Sprachreise hatten für Sonntag andere Pläne. Sie erzählte von ihrem Ausflug nach Cádiz und von ihrem Sprachkurs. Diese Sprachreisen waren für sie als Alleinreisende eine Möglichkeit, Leute kennenzulernen.

Nach gut einer Stunde - es war inzwischen knackig warm - erreichten wir endlich den Ticketschalter. Eigentlich hätte ich gerne einen Audioguide gehabt, aber dafür hätten wir erneut anstehen müssen und dazu hatte ich keine Lust mehr.

Wir schauten uns diverse Räume und die Ausstellungsstücke darin an und ich wunderte mich, dass kaum Leute da waren. Wo waren all die Menschen, die vor uns angestanden waren? Im eigentlichen Palast wurde ich dann leider fündig. Die Asiaten, Europäer und Amerikaner standen sich gegenseitig beim Fotografieren der Räume mit den wunderschönen Decken und Verzierungen im Weg. Nachdem wir alle Innenräume und -höfe bewundert hatten, zog es uns in den Garten und den Park. Auf einer Bank im Schatten entdeckte uns dann die Schweizerin und liess sich von Reiner die Fotofunktion ihres Handys erklären.

      

Mitte Nachmittag hatten wir dann genug gesehen. Das Tomatenbrot war verdaut und der Magen verlangte nach Nachschub. Wir taten ihm den Gefallen, indem wir in der "Cervecería Giralda Bar" auf ein paar Tapas vorbeischauten. Danach ging es zum Relaxen ins Hotel zurück, bevor wir nochmals auf Tapas-Tour gingen.


Montag war Weiterreisetag. Um nicht viel Zeit zu verlieren, assen wir im "BocaFina", das in Hotelnähe lag, einen "Tostada con Jamón". Was für ein herrlicher Schinken! Und bald sollten wir noch viel mehr davon bekommen! Vorher checkten wir aus und versuchten die Stadt nordwärts zu verlassen. Wir brauchten zwei, drei Anläufe, bis wir die richtige Ausfahrt erwischten, aber dann ging es zügig vorwärts. Allerdings nur, bis die Tankanzeige auf Reserve stand. Als wir endlich eine Tankstelle erblickten, lag die auf der falschen Strassenseite und es war kein Abbiegen möglich. So fuhren wir drei Kilometer in eine falsche Richtung, bis wir endlich wenden konnten. Ich wurde bereits nervös, weil wir für 11 Uhr eine Reservation für die Besichtigung einer Schinkenproduktion hatten.

Um 10:50 Uhr fuhren wir etwas ausserhalb von Corteconcepción ein. Wir waren noch nicht ganz bei "Jamones Eiriz Jabugo", dem Schinkenproduzenten, angekommen, als wir auf einen Parkplatz geführt wurden. Offensichtlich waren wir bereits als Besucher entlarvt. Ein junger Mann kam und fragte, ob wir die deutsche Führung gebucht hätten. Er stellte sich als Manuel vor. Gemeinsam mit einem österreichischen Paar gingen wir auf die Suche nach den Ibérico-Schweinen. Manuel erzählte viel über die Haltung der Schweine und die strengen Vorschriften für die Herstellung von Ibérico-Schinken. Wir waren noch nicht lange im Eichenwald unterwegs, als wir ein seltsames Geräusch hörten. Manuels Onkel hatte die Schweine gerufen, weil er sie füttern wollte. Bis zwei Monate vor der Schlachtung dürfen sie mit Getreide zugefüttert werden, danach ist das nicht mehr erlaubt. Dann müssen sie sich ausschliesslich aus Eicheln ernähren, damit es einen wertvollen 100% Jamón Ibérico de Bellota gibt.

Kaum hatte der Bauer gerufen, rasten die Schweine den Hang herunter. Dieses Spektakel wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir sahen, wie der Onkel nach einem Schwein trat. Manuel erklärte uns, dass sein Onkel sauer war, weil ihn das Schwein gebissen hätte. Die Schweine waren gierig und dachten nur ans Fressen und ans Suhlen. Böse waren sie nicht, man konnte sie anfassen, aber bisschen aufpassen musste man schon, denn so ein mächtiges Schwein kann einen umhauen, wenn man ihm im Weg steht.

 

Die nächste Station war die Fleischproduktion. Jamones Eiriz schlachtete nicht selber, dies geschah in einer nahen Schlachterei, denn die Tiere dürfen einen maximalen Transport von einer halben Stunde auf sich nehmen, um nicht unnötig gestresst zu werden. In Schutzkleidung betraten wir einen Raum, in dem Lomo hergestellt wurde. Das Rückenstück vom Ibérico-Schwein wurde mariniert, in Darm verpackt und zum Lufttrocknen aufgehängt. Die Schinken wurden erst gesalzen und ein paar Tage aufgestapelt gelagert, danach umgelagert, bevor sie zum Trocknen für ca. 3 Jahre aufgehängt wurden. Der Raum, in dem die Schinken gesalzen werden, war leer. Einzig einige grosse Säcke mit ausgedientem Salz standen darin herum um als Streusalz für die Strassen zum Einsatz zu kommen. Der Dachboden hing voller Schinken und im Keller waren noch mehr Schinken zu sehen. Im warmen Dachboden trocknete das Fleisch rund 1 Jahr, die weiteren zwei Jahre reifte es im kühleren Keller.

   

Das Tollste war die anschliessende Verköstigung. Beide Paare bekamen je einen grossen Teller mit getreidegefüttertem Schinken. Dazu gab es ein Glas Wein aus der Region. Obwohl dies noch kein Bellota (eichelgefüttert) war, schmeckte der Schinken phantastisch. Der zweite Teller, diesmal mit Bellota, toppte den ersten um Längen. Der Schinken schmolz regelrecht im Mund. Hierzu wurde uns ein Fino kredenzt. Zum Abschluss bekamen wir noch eine Portion Lomo und dazu einen Orangenwein.

Auf der Weiterfahrt kamen wir an Minas de Riotinto mit der namensgebenden Kupfer- und Eisenmine vorbei. Mehr als ein paar Fotos gab es nicht von der Mine für uns.

   


Unser nächstes Ziel war das ADH Isla Cristina. Unser Navigationsgerät im Auto erkannte die Adresse wieder mal nicht - wie bereits so gut wie jede Adresse vorher - so dass wir in Isla Cristina auf Geratwohl Richtung Strand fuhren. Per Zufall sahen wir gleich das Hotel. Das Hotel hatte vier Sterne, aber nicht jeder glänzte gleich stark. Ich fühlte mich hier trotzdem extrem wohl. Wir hatten eine Junior Suite gebucht und somit einen separaten Schlaf- und Wohnbereich. Ausserdem gab es eine Küche mit einem Esstisch für vier Personen. Vom Balkon aus hatten wir Meerblick. Die übrigen Gäste waren Spanier, so dass das Leben viel gemütlicher zuging, als in anderen Strandhotels. So begann das Frühstück später und Liegestühle am hübschen Pool mit Palmeninseln wurden nur besetzt, um darauf zu liegen.

   

Der Strand an der Costa de la Luz war sehr schön, das Wasser überraschend warm. Viele Muscheln wurden angeschwemmt. Gegen Mittag trafen die Spanier mit ihren Liegestühlen (eher Sitzstühlen) und Sonnenschirmen ein, Mitte Nachmittag verschwanden sie wieder. Es war einfach gemütlich und ruhig. Nur das Meeresrauschen war zu hören. Am späten Morgen wurden Muscheln gesammelt, die danach lecker zubereitet auf den Tellern landeten.

  

Dadurch, dass Nebensaison war, hatten einige Restaurants geschlossen. Wir fanden jedoch immer etwas Essbares. Einmal fuhren wir in die "Bar la Belli". Das war ein kleiner Pavillon mit ein paar Stühlen und Tischen davor und Selbstbedienung. Wir bestellten eine Salmorejo mit Mojama (luftgetrockneter Thunfisch), ein Thunfisch-Tataki und einen Auberginengratin. Das Essen war der Wahnsinn! Besonders das Thunfisch-Tataki hatte Sterneniveau - sowohl von der Anrichteweise wie auch vom Geschmack her.


Am Samstag, nach einem herrlichen Sonnenaufgang, hiess es Ortswechsel für uns. Auf dem Weg kamen wir in Huelva vorbei. Bei der Muelle machten wir einen kurzen Fotostopp.

   

Um nach Chiclana de la Frontera zu gelangen, musste man einen Umweg über Sevilla nehmen, weil der "Parque Nacional de Doñana" nicht durchfahren werden darf. Rund zehn Kilometer nördlich von Sevilla in Santiponce lag Itálica, eine sehr gut erhaltene römische Stadt. Besonders attraktiv fand ich das grosse Amphitheater mit einer Länge von 160 m mit einem Fassungsvermögen von 25'000 Zuschauern. Es handelt sich um das drittgrösste römische Amphitheater überhaupt. Ich war froh, dass es in Sevilla inzwischen abgekühlt hatte, aber auch die 31°C waren immer noch warm genug, um beim Besuch von antiken Steinen ordentlich ins Schwitzen zu geraten.

     


Die Weiterfahrt verlief unspektakulär. Auch beim Hotel Barrosa Palace, einem Fünfsternehotel, versagte unser Navi. Hier mussten wir etwas mehr Aufwand betreiben, um es trotzdem zu finden. Wir wurden mit einem Sekt begrüsst. Antonio brachte unser Gepäck aufs Zimmer und fuhr unser Mietauto in die Tiefgarage. Das Zimmer war sehr schön mit einem grossen Bad, einem Schlaf- und Wohnbereich, die mit einem Paravent etwas unterteilt waren. Vom Balkon aus konnten wir ein bisschen vom Meer sehen.

Besonders auffallend war die Sauberkeit. Weder auf den Fluren noch im Zimmer konnte man ein Stäubchen entdecken. Etwas verwirrt war ich am Anfang, als wir von den anderen Gästen mit "guten Abend" und "guten Morgen" begrüsst wurden. Ich hatte mich so an das "Hola" oder "Buenos dias" gewöhnt.

Das Frühstück war gewaltig. Es gab Sekt und sogar Kaviar, aber trotzdem fehlte mir der frisch gepresste Orangensaft vom ADH Isla Cristina. Auch die warmen Speisen waren nicht alle perfekt zubereitet. Dafür war der Service sehr aufmerksam und freundlich. Die gesamte Anlage war sehr schön und gepflegt. Liegestühle wurden hier nach deutscher Manier bereits vor dem Frühstück reserviert, aber da Nebensaison war, konnten wir immer einen freien Platz ergattern, wenn wir vom Strand kamen und noch eine Runde im Pool schwimmen wollten.

  

Der Strand war zwar öffentlich, aber fast ausschliesslich von den Hotelgästen besucht. Es gab eine Strandbar namens "El Salaito La Barrosa", die nicht nur kühle Drinks servierte, sondern auch köstliches Essen. Sehr neugierig war ich auf die Vorspeise "Käsefondue mit Brot", die ich aber zu stolz war, zu bestellen. So weiss ich noch heute nicht, ob dies wirklich ein Schweizer Käsefondue gewesen wäre.

 

Leider gab es in Hotelnähe ausser der Strandbar keine spanischen Restaurants in Laufnähe, so dass wir meist zum Abendessen mit dem Auto ins Städtchen fuhren. Am ersten Abend assen wir eine Paella, die besser aussah, als dass sie mir schmeckte. Reiner fand sie ganz okay. 

    

Am besten gegessen hatten wir in der "Chiringuito Mojama Beach". Erst erschrak ich, als wir dort ankamen, denn es spielte eine Live-Band und deshalb standen jede Menge Leute an und vor der Bar, aber wir bekamen trotzdem noch einen Tisch, allerdings im Innern der Strandbar. Das Highlight war ein Ceviche vom Thunfisch mit Mango. Wie in der Bar El Belli in Isla Cristina war der Thunfisch von einer Qualität, wie ich ihn vorher noch nie gegessen hatte. Auch die anderen Speisen waren schön angerichtet und köstlich. Die Band spielte Rockmusik aus meiner Jungend - ein perfekter Abend.

 


Am Montag fuhren wir nach El Puerto de Santa Maria. Irgendwo hatte ich gelesen, dass täglich um 11 Uhr eine deutschsprachige Führung in der Bodegas Osborne angeboten würde. Wenn wir Glück hatten, könnten wir daran teilnehmen. Wir waren bereits kurz nach halb elf an der Reception und wurden vor die Wahl gestellt: 1. Geführte Tour mit Sherryverkostung, 2. Geführte Tour mit Sherryverkostung und Tapas, 3. Geführte Tour mit Sherryverkostung und Verkostung von "V.O.R.S" (Very Old Rare Sherry) oder 4. Das gesamte Programm. Wir buchten die Nummer 3 und bekamen je einen gelben Kleber mit dem berühmten Osborne-Stier darauf. Bald schon standen mehrere Leute mit einem blauen Kleber herum und warteten auf Christina, die uns die Bodega zeigen wollte. Insgesamt waren wir zehn Besucher, wobei die anderen acht bloss die kostengünstige Nummer 1 gewählt hatten.

Die Führung war sehr interessant. Leider zog sie sich in die Länge, so dass Christina zum Schluss etwas gehetzt war. Zur Verkostung wurden wir in einen wunderschönen, neu gestalteten Raum mit mehreren Tischen geführt. Reiner und ich bekamen einen eigenen Tisch, die anderen 8 einen anderen zugewiesen. Auf unserem Tisch standen zwei mal drei gefüllte, abgedeckte Gläser und drei leere Flaschen mit den V.O.R.S. Auf beiden Tischen waren drei Flaschen, leere Gläser und Knabbergebäck vorhanden. Den Fino holte Christina aus dem Kühlschrank und schenkte allen grosszügig ein. Auch davon bekam jeder Tisch je eine Flasche. Der zweite war ein Oloroso, mein Lieblings-Sherry. Er ist weicher und aromatischer, als der Fino. Die dritte Flasche beinhaltete einen Cream, der süss, aber trotzdem gut schmeckte. Mit dem vierten Sherry, dem Piedro Ximenez konnte ich mich nicht anfreunden. Der war pappig süss. Von den Sherrys durften wir uns nachschenken, soviel wir wollten. Am Nebentisch wurde es immer lauter und lustiger.

Aber Reiner und ich hatten ja noch die besonders alten Sherrys bei uns stehen: Einen Amontillado, einen Oloroso und einen Palo Cortado. Auch die drei schmeckten hervorragend, aber nicht so viel besser, dass ich den Mehrpreis dafür bezahlen würde. Von diesen gab es dann aus verständlichen Gründen keinen Nachschlag. Zum Abschluss schenkte Christina uns noch zwei Brandys ein: Den 1866 und einen Carlos I Imperial xo. Die beiden muss ich mir merken. Sie sind weich und sanft im Geschmack.

      


Nach zehn Tagen Sonne, Strand und Meer war es Zeit, wieder an die Heimreise zu denken. Wie schon bei der Hinfahrt traten wir diese nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" an. Erste Station war "Vejer de la Frontera". Leider fanden wir in dem hübschen Städtchen keinen Parkplatz, weshalb wir weiterfuhren. Auch beim Kap Trafalgar hatten wir diesbezüglich kein Glück. Der offizielle Parkplatz war mit einem Tor geschlossen und auf allen Privatparkplätzen war ein ausdrückliches Verbotsschild angebracht. Ich war wütend, aber es half nichts.

Einfacher war es in Tarifa, wo sich am Hafen ein recht grosser Parkplatz befand. Wir parkierten dort das Auto und schlenderten etwas am Hafen entlang. Eine Fähre fuhr ein, sonst gab es nicht allzu viel zu sehen. Wir gingen dann am Castillo de Tarifa / Castillo de Guzmán el Bueno vorbei in eine kleine Bar. Die Churros sahen sehr einladend aus. Da wir aber im Hotel bereits üppig gefrühstückt hatten, schlugen wir das Angebot ab. Die Bedienung, vermutlich die Tochter des Hauses, fand das offensichtlich nicht besonders toll und bediente uns mit einem "Lätsch". So unfreundlich wurden wir in ganz Andalusien nie behandelt. Das war auch das einzige Mal, wo es kein Trinkgeld gab. Aber ich vermute, dass sie das gar nicht bemerkten, weil Trinkgeld in dieser Gegend eh nicht üblich war.

Tarifa konnte mich nicht überzeugen, deshalb setzten wir unsere Fahrt auch schon bald fort. Jetzt, einige Wochen später, denke ich, dass ich der Stadt irgendwann nochmals eine Chance geben möchte, um dort etwas mehr Zeit zu investieren.

  

Wir steuerten Algeciras an und beobachteten riesige Containerschiffe beim Anfahren und Verlassen des Hafens. Beim Parkplatz, wo wir das Auto abstellten, gab es hübsche Häuser. Algeciras ist eine weitere Stadt, die ich nochmals etwas genauer unter die Lupe nehmen möchte.

  

Auf der Weiterfahrt kamen wir an Castellar de la Frontera vorbei. Wir unternahmen einen kleinen Abstecher zum Castillo de Castellar und kehrten anschliessend in Marchenilla im "El Vaquero" ein, das an der Strasse lag. Wir hatten Glück, denn wir wurden sehr freundlich bedient, obwohl wir nicht die gleichen Sprachen redeten. Mit Händen und Füssen erklärte die Kellnerin, dass sie die Chocos nicht als Tapas-Portion vorrätig hätten und somit orderten wir eine Media Ración davon. Wieder war alles sehr lecker.

 

Gemütlich fuhren wir weiter auf der leeren Strasse. Auf einmal standen wir in einem Stau. Reiner konnte in einer Kurve etwa zehn Autos vor uns ein Einsatzfahrzeug entdecken und eine Person in einer Leuchtweste. Eine halbe Stunde tat sich nichts, dann erschien gemäss Reiners Aussage ein grosses Kranfahrzeug, verschwand dann aber wieder aus seinem Sichtfeld. Mir wurde langsam langweilig. Als der Leuchtwesten-Mensch ins Fahrzeug einstieg, schöpfte ich Hoffnung, dass es nun weitergehen würde, aber da täuschte ich mich, denn nach ein paar Sekunden verliess er das Fahrzeug wieder und entschwand der Bildfläche. Dies wiederholte sich noch ein paar Mal, bis es endlich nach rund einer Dreiviertelstunde weiterging. Nach der Kurve sahen wir dann das Malheurs: Ein Panzer hatte eine Reifenpanne und musste auf das schwere Kranfahrzeug geladen werden. Ein weiterer Panzer stand am Strassenrand und viele Soldaten darum herum. Der gestrandete Panzer hatte beide Fahrspuren blockiert, aber nun hatten wir endlich freie Fahrt. Das war auch gut so, denn inzwischen hatte sich meine Blase erheblich gefüllt. Leider war weit und breit keine Toilette oder Restaurant auszumachen, in dem es eine gegeben hätte. Wir fuhren an Gaucín vorbei, aber meine Gedanken galten der Suche nach einem Pipihalt.

Wir kamen in Júzcar an. Júzcar war ein kleines weisses Dorf mit gerade mal 226 Einwohnern, das sich bereit erklärt hatte, für die Weltpremiere 2011 des Films "Die Schlümpfe" ihre Häuser blau streichen zu lassen. Sogar die Grabsteine und die Kirche wurde blau gefärbt. Als es Ende des Jahres 2011 darum ging, die Häuser wieder in die Ursprungsfarbe umzufärben, stimmte die Mehrheit dafür, dass Júzcar blau bleiben soll und somit galt es als das erste Schlumpfdorf der Welt.

Wir parkten das Auto und ich eilte zu einer Tür mit einem Frauen-Symbol. Doch was war das? Die Tür war verschlossen! Das gesamte Dorf war im Tiefschlaf. Weder das Restaurant noch die Apotheke hatten geöffnet und so blieb uns nicht viel übrig, als schnellstens weiterzufahren.

   

Endlich, meine Blase drohte bereits zu platzen, kamen wir an eine Tankstelle. Ich war der Verzweiflung nahe, als auch dort die Toilette verschlossen war. Zum Glück hatte aber der Tankstellenshop geöffnet, wo ein Schlüssel dafür geholt werden konnte und ich war endlich erleichtert.

Die restliche Fahrt bis Málaga blieb ereignislos. Wir genossen die Landschaft und suhlten uns in Erinnerungen an eine wunderschöne Andalusienreise.