zwei wochen hongkong - mittwoch - ein unvergessliches erlebnis in tai po

mittwoch - ein unvergessliches erlebnis in tai po

hühnerfüsse die zweite

In Hong Kong gab es das billigste Sternerestaurant der Welt. Es hiess Tim Ho Wan und hatte mehrere Niederlassungen. Wir wählten für das heutige Frühstück jenes in North Point. Wir wurden an einen langen Tisch gesetzt und bekamen einen Zettel zum Ankreuzen der Speisen, eine Kanne Tee und eine Schüssel, um mit dem Tee darin unser Essgeschirr auszuspülen. Das Geschirr bestand aus Plastik, die Tischsets aus Papier und die Atmosphäre hatte etwas von einem Wartsaal.

Wir sahen in die Küche, wo Teig geknetet wurde. Nach der positiven Erfahrung gestern mit den Hühnerfüssen, bestellten wir heute wieder welche und wurden nicht enttäuscht. Sie waren sehr ähnlich zubereitet und wieder sehr köstlich. Auch die anderen Dim Sum schmeckten hervorragend. Der Teig war etwas feiner gearbeitet, als im Dim Sum King.

busfahrt

Ich liebte das Busfahren, weil man da so viel sehen konnte. Am liebsten setzte ich mich auf die vordersten Plätze in der oberen Etage. Meist waren diese Plätze frei, weil die Sonne durch die Scheibe und die reduzierte Klimaanlage einem ganz schön einheizten.

Heute hatten wir uns den Markt von Tai Po in den New Territories vorgenommen. Im Gegensatz zum gestrigen Bus verfügte dieser über digitale Anzeigen und wir wussten ganz genau, wo wir auszusteigen hatten.

tai po market

Nun waren wir dem Tourismus endgültig entflohen. Auf der anderen Seite des Lam Tsuen Rivers gingen wir diesen entlang und überquerten den Fluss über die Kwong Fuk Bridge. Die antike, chinesische Brücke war mit einem grünen Zeigeldach überdeckt, das auf roten Säulen stand. Auf der Brücke befanden sich Sitzplätze, die von älteren Chinesen besetzt waren.

 

Auf der anderen Seite begann der Tai Po Market. Ausser ein paar lebenden Kröten konnten wir nicht viel Exotisches ausmachen. Viel schönes Obst und Gemüse lag in den Auslagen, aber auch getrocknete Seesterne und andere Dinge, die wir nicht erkannten. Das Vergnügen des Marktbesuchs endete sofort, als mich wieder dieser scharfe Schmerz im Fuss durchzuckte, der jeden Schritt zur Qual werden liess.

   

Wir setzten uns in den Kwung Fuk Bridge Garden und beobachteten die alten Chinesen, wie sie in Windeseile geräuschvoll Reis mit Fleisch in sich hineinschaufelten und wir bemerkten, dass auch wir hungrig waren. Auf Google Maps sahen wir, dass sich in der Nähe eine Mall mit Restaurants befand, dort wollten wir essen gehen.

essen mit hindernissen

Die Mall wurde durch eine Rolltreppe von der Strasse her erschlossen. Gleich am Anfang des Ganges befand sich ein chinesisches Restaurant mit grossen, runden, weiss gedeckten Tischen. Wir betraten den Raum ohne auf eine Speisekarte geblickt zu haben. Die Bedienung konnte kein Englisch und fragte in Zeichensprache, ob wir etwas trinken möchten. Wir antworteten in derselben Sprache, dass wir auch gerne essen würden.

Sie geleitete uns zu einem der grossen Tische und rückte diesen näher an den Nachbartisch heran, an dem sechs ältere Männer sassen. Sie sprach mit ihnen, indem sie auf uns deutete. Etwas verwundert, aber auch amüsiert nahmen wir Platz und waren gespannt darauf, was passierte. Die Karten auf dem Tisch waren ausschliesslich voller chinesischer Schriftzeichen. Wir dachten, dass die Bedienung irgendwoher eine englische zaubern würde oder ein paar Bildchen zeigen konnte. Doch auf sowas wie uns war man hier nicht vorbereitet.

Einer der Herren vom Nachbarstisch stand auf und setzte sich neben mich. Er nahm die Speisekarte und zeigte auf die Gerichte, übersetzte sie und fragte, ob wir dieses und jenes haben wollten und ob mit Schwein, Huhn oder Shrimps. Wenn ich bejahte, machte er einen Kringel auf einen Zettel. Nach fünf oder sechs Kringel war er der Meinung, dass dies genug sein müsste und gab den Zettel an die Bedienung weiter.

Danach fragte er uns, woher wir kämen und erzählte etwas von sich. Er hatte wohl in Cambridge studiert und war auch schon in Genf. Nach dem Small Talk setzte er sich wieder zu seinen Tischpartnern zurück. Inzwischen war auch der Tisch auf unserer anderen Seite auf uns aufmerksam geworden, an dem mehrere ältere Frauen sassen. Eine davon bot uns ihre Hilfe an. Ich erklärte ihr, dass uns bereits geholfen wurde, woraufhin sie unseren Retter mit hochgezogenen Augenbrauen beäugte.

Als unser Essen kam, unterbrach unser Helfer extra sein Telefongespräch um uns zu erklären, was wir vor uns hatten und welche Sauce wozu passte. Es war ein einmaliges Erlebnis und bis auf einen Teller Nudeln, der etwas langweilig war, hatten wir sehr gut ausgewählt.