andalusien - eine neue liebe

Reisebericht unserer Rundreise durch Andalusien vom 25. Mai - 10. Juni 2017.

25.05.2017 - basel - granada

Der Flug von Basel nach Málaga mit EasyJet war dank XL-Seats am Notausstieg überraschend komfortabel. Die klatschenden Passagiere nach der Landung irritierten mich etwas. Gehört es nicht zur Aufgabe des Piloten, sicher zu landen?

Nachdem wir im Besitz unserer Koffer waren, gingen wir schnurstracks zum Sixt-Schalter, um den gebuchten VW Golf in Empfang zu nehmen. Wir bekamen ein Gratis-Upgrade auf einen Opel Astra Combi, den wir in dem grossen Parkhaus auch schnell fanden. Plötzlich durchzuckte mich ein Schreckensblitz: Passte das grosse Auto überhaupt in den Autolift des Hotels in Granada? Maximal 4.70 m lang durfte ein Fahrzeug sein, also schritt ich die Länge ab und kam auf rund 4.20 m. Glück gehabt, das müsste passen.

Entspannt und gut gelaunt fuhren wir nordwärts durch eine wunderbare Hügellandschaft mit unzähligen Olivenbäumen. Die Sonne stand schon tief und unsere Hoffnung, bei Tageslicht in Granada anzukommen, wurde enttäuscht. In der Dunkelheit taten wir uns schwer, unser Hotel zu finden, was wir übrigens bei Tageslicht überhaupt nicht mehr verstehen konnten. Nach ein paar Kilometern durch enge Gassen und durch ein Fahrverbot kamen wir schliesslich müde an.


25.05. - 28.05.2017 - granada

hotel granada five senses rooms & suites

Der Haupteingang des Hotels befand sich an einer schmalen Querstrasse. Bevor wir lange nach dem Parking suchen wollten, stieg ich aus und fragte den entgegenkommenden Hotelangestellten danach. Er meinte, wir sollen das Auto für das Check-In mitten auf der Strasse stehen lassen, er würde es anschliessend parkieren. Vorher checkten wir aber noch ein und er brachte uns und das Gepäck aufs Zimmer. Wir bekamen ein hübsches Eckzimmer zur Calle Gran Vía de Colón und zur Calle Postigo Velutti, an welcher sich die gut besuchte Bar Saint Germain befand.

Das Personal war durchwegs herzlich und hilfsbereit. An der Rezeption bekamen wir viele Tipps für die besten Tapasbars, Sehenswürdigkeiten und auch einen Hinweis, wo wir unsere Alhambra-Tickets eintauschen konnten. Besonders angetan hatte es uns der Angestellte, der das kleine, aber extrem leckere Frühstück betreute. Er war klein, rundlich und witzig. Er erinnerte mich etwas an Danny DeVito. Als ihm eine Cocktailtomate von einem Teller fiel und zu uns entgegenrollte, meinte er verschmitzt, er sei Christiano Ronaldo.

Wie gut die Lage des Hotels wirklich war, bemerkten wir, als wir nach ein paar Schritten die Gran Vía entlang vor der Kathedrale standen. Auch zum Plaza Nueva, zur belebten Calle Elvira, zum Plaza del Carmen oder zur wegen ihren vielen Bars und Restaurants bekannten Calle Navas war es nicht weit.

catedral santa maría de la encarnación

Die Kathedrale ist die bedeutendste Renaissancekirche Andalusiens und Sitz des Erzbischofs von Granada. Der Bau begann Anfang 16. Jahrhundert im gotischen Stil und wurde über Jahrhunderte immer wieder ergänzt und verändert. Knapp 200 Jahre nach der Grundsteinlegung wurde sie für vollendet erklärt. Im Chorgewölbe gibt es zwei Reihen bunte Glasfenster, die biblische Geschichten erzählen. Ohne Audioguide, der im Eintrittspreis von 5€ enthalten war, hätte ich nicht gemerkt, dass die beiden Reihen von unterschiedlichen Künstlern in zwei verschiedenen Epochen gestaltet worden waren. Auch zu den beiden parallel angeordneten Orgeln oder dem normalerweise im Mittelschiff stehende Chor, der 1929 abgebrochen wurde, gab es Informationen.

corral del carbón

Als er 1336 von den Nasriden erbaut wurde, hiess er noch "Al-Funduq al-Gidida" oder "alhóndiga nueva" (neuer Getreidemarkt) und diente als "Karawanserei", eine ummauerte Herberge, in der Reisende Unterkunft und Verpflegung fanden. Den Namen Corral del Carbón (deutsch: Kohlenhof) gaben ihm die Christen nach der Rückeroberung Granadas durch die katholischen Könige. Das Gebäude mit einem von einer Galerie umlaufenden Innenhof diente nach der Vertreibung der Mauren als Lager der Holzkohlehändler, danach als Theaterbühne und später als Wohnhaus. Heute befinden sich Büros und Geschäfte darin.

alhambra

tickets

Wir hatten unsere Tickets bereits Monate im Voraus bei ticketmaster.es gekauft. Das war gar nicht so einfach, denn obwohl wir die Sprache auf Englisch stellten, waren die Beschreibung und der Kaufprozess in Spanisch, eine Sprache, deren wir nicht mächtig sind. Trotzdem konnten wir ein paar Minuten später unsere Tickets ausdrucken, die wir in Granada noch gegen "richtige" Tickets umtauschen mussten. Gemäss Recherchen im Internet sollte dies an Automaten "ServiCaixa" der Bank "La Caixa", an Verkaufsautomaten im Eingangspavillon der Alhambra oder an den Kassen der Alhambra möglich sein. Wir vertrauten dem Rezeptionisten und gingen zum Plaza del Carmen. Angeblich sollte sich so ein Schalter an der Ecke zur Calle Escudo del Carmen befinden. Dort wurden wir nicht fündig, aber am Platz befand sich das Tourismusbüro, also fragen wir dort nach. Die äusserst freundliche Dame rüstete uns mit einem Stadtplan aus und schickte uns einen Häuserblock weiter hoch zum Corral del Carbón (s.o.).

Im Erdgeschoss dieses historischen Gebäudes waren mehrere Büros angeordnet. Wir meldeten uns im ersten und wurden ein paar Türen weitergeschickt. Dort waren wir allerdings wieder falsch und auch das dritte Büro entpuppte sich als nicht richtig. Alle aber waren sie sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl inzwischen ganz schön viele Leute an den falschen Türen angeklopft hatten. Die angeblich richtige Tür zum Schalter war leider verschlossen. Daran klebte ein Zettel: "Bin in 5 Min. zurück" (deutsche Übersetzung). Wir warteten als vorderste einer inzwischen langen Schlange rund eine Dreiviertelstunde, bis eine Dame kam und uns aufschloss. Von da an ging es zackig: Kreditkarte in den Automaten stecken, Tickets rausnehmen, gehen.

busfahrt

Unsere Tickets für den Nasridenpalast waren für Samstag, den 27. Mai um 08.30 Uhr ausgestellt - der erste mögliche Einlass. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man sich eine Stunde vorher bei der Alhambra einfinden sollte. Ob dies auch dann erforderlich war, wenn man im Besitz eines "richtigen" Tickets war, wusste ich nicht, aber wir nahmen auf jeden Fall mal den ersten Bus zur Alhambra hoch. Die Linie C3 fuhr um 7:22 Uhr vom Plaza Isabel la Catolica los. Am Steuer sass eine resolute Frau, die einem Taxifahrer, der uns an einem Rotlicht überholte, ganz schön die Meinung geigte. Als wir an der Alhambra nicht ausstiegen, fragte sie uns, wo wir hinwollten. Ganz die Kenner (wir hatten die Gegend bereits gestern auskundschaftet), antworteten wir, dass wir zum "Puerta de la Justicia" fahren wollten. Sie zeigte uns freundlich (wir waren auch überrascht, dass sie auch freundlich sein kann) das Tor, durch welches wir in die Alhambra eintreten konnten. Früher war das der Haupteingang zur Alhambra. Zeitweise diente es als Hinrichtungsstätte. Heute wird es als Nebeneingang genutzt. Da es keinen Ticketschalter gibt, muss man jedoch bereits im Besitz eines gültigen Tickets sein, um in die Paläste eingelassen zu werden.

nasridenpalast

   

    

Von da aus war es nicht weit bis zum Nasridenpalast, der schönsten arabischen Palastanlage Europas. Wir waren die ersten, was uns aber in Anbetracht des goldenen Morgenlichts nicht störte. Auch als langsam die Leute vom rund 850m entfernten Haupteingang her eintrudelten, ging es gesittet zu und her. Als wir dann eingelassen wurden, kam ich bereits im ersten Raum, dem "Mexuar" (arab. für Verwaltungstrakt) kaum aus dem Staunen heraus. Die filigranen Ornamente zeugten von hoher Baukunst. Gerne hätte ich die Reliefs gespürt, aber leider war das Berühren aus verständlichen Gründen verboten und so musste ich mich begnügen, die Handwerkskunst mit den Augen zu erforschen.

Als nächstes kam man in den "Cuarto Dorado" (deutsch: Goldenes Zimmer). Der Raum heisst wegen der im Mudéjarstil geschnitzten und bemalten Holzdecke so. Neben der spektakulären Decke - genau genommen sind es mehrere, verschiedene Decken - sind auch die blau-weissen Verzierungen an den Kapitellen sehenswert. In der Mitte des "Patio Mexuar" befindet sich ein niedriger, runder Brunnen und auch hier sind die Wände reich verziert. Der "Patio de los Arrayanes" (deutsch: Myrtenhof) ist gross und wird von einem langen Wasserbecken dominiert. Von da aus führen Türen in verschiedene, teilweise für Besucher gesperrte Räume. Einer der zugänglich war, ist der "Salón de Embajadores" (deutsch: Saal der Gesandten) im "Torre de Comares", der hinter dem "Sala de la Barca" liegt. Ich muss wohl nicht erwähnen, wie reich geschmückt auch hier die Wände und Decken waren.

Durch den "Sala de los Mocarabes" gelangten wir in den "Patio de los Leones" (deutsch: Löwenhof), in dem ein Schwarm Mauersegler geräuschvoll seine Runden drehte. Das war vielleicht ein Spektakel! Auf einmal waren alle Vögel weg und es wurde ruhig, denn auch die vielen Besucher hatten sich in dem grossen Palast verteilt. Inzwischen konnte ich sogar Fotos der Räumlichkeiten fast ohne störende Personen aufnehmen.

Im weiteren Verlauf kamen wir durch noch mehr wundervolle Räume und den "Patio de Lindaraja", der als Garten ausgebildet war. Tief beeindruckt verliess ich den Nasridenpalast und hatte fast schon keine Lust mehr, die übrigen Sehenswürdigkeiten der Alhambra anzuschauen, denn sie konnten niemals mit dem Nasridenpalast mithalten. Deswegen wäre es vielleicht besser, ihn am Schluss zu besuchen. Trotzdem würde ich es wieder so machen, denn weniger Leute, als am frühen Morgen, wird es wohl nie haben.

generalife

  

Generalife liegt so ziemlich auf der anderen Seite des Nasridenpalastes. Das hiess rund 950 m Fussweg durch den wunderschönen "Jardines del Paraiso" und vorbei am "Torre de las Damas", am "Torre de los Picos" (deutsch: Turm der Zinnen), am "Torre del Cadí", am "Torre de la Cautiva" (deutsch: Turm der Gefangenen), am "Torre de las Infantas" (deutsch: Turm der Infantinnen), am "Torre del Cabo de la Carrera" (deutsch: Turm am Ende der Rennbahn) und am "Torre del Agua" (deutsch: Wasserturm).

Genau genommen gehören der "Palacio de Generalife" und seine Gärten nicht mehr zur Alhambra, sondern sie liegen östlich gegenüber der eigentlichen Alhambra. "Generalife" (deutsch: Garten des Architekten) gehört seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Palacio de Generalife diente den Nasriden-Sultanen als Sommerpalast und Landsitz. Im Vergleich zum Nasridenpalast ist er ein eher unscheinbares Bauwerk, trotzdem ist vor allem der Aussenbereich mit seinen Gärten und Wasserspielen wunderschön anzuschauen. Einziges Ärgernis waren viele rücksichtslose Asiaten, die sich vordrängelten oder sich einem vor die Kamera stellten, um für ihr Foto zu posieren.

übrige Alhambra

   

Inzwischen war es wohl gegen Mittag und die Maisonne hatte die Luft auf rund 35°C erwärmt. Wir nahmen den südlichen Weg zurück und gingen am Palast Karls V. vorbei, denn auf einen Museumsbesuch hatten wir keine Lust. Unser letztes Ziel war die Mauer der Alcazaba, die an der Westseite des Zisternenplatzes verläuft. Von den Ecktürmen aus hat man einen wunderschönen Blick auf Granada. Den schönsten Rundblick soll man vom 26m hohen "Torre de la Vela" über dem westlichen Vorwerk haben, doch unser Bedarf an Treppen war für den Moment gedeckt.

albaicín

         

Wir liessen uns treiben und gingen kreuz und quer durch die Gassen von Albaicín, dem ältesten Stadtviertel Granadas. Da dieser Stadtteil auf einem Hügel liegt, bedeutete dies auch einige Höhenmeter in der warmen Nachmittagssonne. Da hatten wir uns einen Drink verdient. Wir beobachteten bei einem kühlen Glas Weisswein und leckeren Oliven die Einheimischen bei ihrem späten Mittagessen und den kleinen Bus, der sich sicher durch die engen Gassen schlängelte. Nächstes Mal wollten wir auch mit dem Bus hier hochfahren.

Gestärkt gingen wir weiter und kehrten am nächsten Platz wieder ein. Schliesslich landeten wir beim Mirador de San Christobal, von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt hat. Leute kamen und gingen, wir blieben. Unangenehm war eine Busladung voller Asiaten, die sich ohne Rücksicht auf Verluste zum Aussichtspunkt drängelten. Zum Glück waren sie schnell wieder weg und wir hatten den Platz wieder für uns. Das Abwärtslaufen war noch fast anstrengender, als das Hochgehen, denn die steilen Gassen waren deutlich in den Knien zu spüren. 

Am nächsten Abend nahmen wir den Bus hoch zum Mirador San Nicolás. Der Platz war voller Menschen, die die Abendsonne genossen, dem Spiel von Strassenmusikern lauschten oder Kleinigkeiten zum Kauf anboten. Der Blick auf die Alhambra, die im goldenen Licht leuchtete, war wundervoll und die Stimmung herrlich. Für einmal störten mich auch die vielen Menschen nicht, denn die belebten diesen wunderschönen Platz.

weitere erlebnisse in Granada

andalusier

 

Als wir vom Alhambra-Besuch zurückkehrten, um uns im Hotelzimmer etwas auszuruhen, war die Innenstadt voller Polizei. Die Gran Vía entlang waren Traktoren und Pferde mit geschmückten Wagen abgestellt. Reiter und Frauen in schönen Gewändern standen herum und unterhielten sich oder warteten. Gemäss Auskunft des Rezeptionisten versammelten sich die Andalusier, um gemeinsam für ein Rodeo zu einem Dorf, dessen Namen ich nicht verstand, aufzubrechen.

Nach einer kurzen Siesta gingen wir zum Plaza Nueva. An den Strassenrändern standen Schaulustige und auf der momentan für den motorisierten Verkehr gesperrten Calle Reyes Católicos warteten unzählige Reiter und Reiterinnen auf den Abmarsch. Ob dabei die andalusischen Pferde oder die Menschen in ihren schönen Gewändern stolzer waren, vermochten wir nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall war es ein eindrucksvolles Spektakel.

essen und trinken

In Granada gibt es zu jedem alkoholischen Getränk eine Gratis-Tapa. In manchen Cafés bekamen wir sogar zu einem Wasser eine Leckerei. Die Vielfalt war gross und immer sehr gut.

Eines unserer Lieblingsrestaurants in Granada war "La Gran Taberna" am Plaza Nueva. Dass wir hier einkehrten, lag daran, dass wir in der nebenan liegenden Tapasbar "Los Diamantes", die uns vom Hotel empfohlen wurde, keinen Platz fanden. Wir grämten uns jedoch nicht, denn das Essen und Ambiente in La Gran Taberna gefiel uns sehr gut. Die Bedienung war etwas "schnodderig", woran wir uns aber schnell gewöhnten.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir die Calle Navas, die für meinen Geschmack zu touristisch war. Wir assen trotzdem mal dort, aber waren nicht so begeistert, wie von den anderen Restaurants, die wir zufällig fanden.

feiern

Am Samstagabend war die Stadt voller junger Leute, die feierten. Erst dachte ich, es handle sich um Fans einer Fussballmannschaft, die fröhlich auf den Strassen sangen und tanzten. Aber dann sah es eher aus, wie eine Junggesellenabschiedsparty, denn viele der jungen Leute waren verkleidet. Dann hätten allerdings mehrere Hochzeiten stattfinden müssen, denn es waren unzählige Gruppen unterwegs. Mehrheitlich handelte es sich um Männer, teilweise in Frauenkleidern, aber es gab auch Frauengruppen. Eine davon, alle Mädels trugen blaue Perücken, trafen wir in der Calle Elvira und später auf dem Mirador San Nicolás wieder.

abschied von granada

Als ich am Sonntagmorgen aufstand, wollte ich alles, nur nicht weg von hier. Ich hatte mich in die Stadt verliebt. Was kann Córdoba mir bieten, was Granada nicht hat? Ich schaute auf die Gran Vía runter, wo grad hunderte von Läufern vorbeirannten. War das ein Wink des Schicksals? Kamen wir hier nicht mehr fort? Nie mehr?

Doch, kamen wir. Wir checkten aus, warteten, bis unser Auto gebracht wurde und brausten davon - nicht ohne noch einen wehmütigen Blick zurückzuwerfen.


28.05.2017 - granada - córdoba

montefrío

Schon von weitem konnten wir die weissen Häuser von Montefrío sehen. Auf dem höchsten Punkt thronten die Ruinen einer maurischen Burg. Als wir ins Dorf hineinfuhren, traute ich meinen Augen kaum: Die Strassen und Cafés waren voller Menschen. Es war Sonntag und vermutlich kamen die Bewohner gerade vom Gottesdienst.

castello de la mota

Etwas weiter sahen wir eine stattliche Burg. Wir folgten einem Wegweiser zum Castello de la Mota. Eigentlich hätte man von hier aus einen herrlichen Blick über die Landschaft gehabt, doch leider war es sehr dunstig. Trotzdem hatte sich der kleine Abstecher gelohnt.

priego de córdoba

Rund 100km vor Córdoba liegt das Städtchen auf 652m Höhe. Wir kurvten durch enge Gassen, vorbei an einem kleinen Freiluft-Gottestdienst und parkten schliesslich unser Auto im engsten Parkhaus, das ich je gesehen hatte. Das Parkieren war gratis, was ich mir in der Schweiz nicht vorstellen könnte.

Wir schlenderten hoch zum Monumento Sagrado Corazón de Jesús, wo der kleine Gottesdienst abgehalten wurde. Die Besucher sangen miteinander, tanzten und traten nacheinander ans Mikrofon. Verstanden hatten wir nichts, deshalb gingen wir auch weiter zum Mirador del Adarve. Auch hier wäre der Ausblick wieder gigantisch gewesen, hätte der Dunst nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dafür waren die Gassen mit vielen Blumentöpfen an den Fassaden wunderschön, was uns für die verpasste Fernsicht entschädigte.

eine seltsame begegnung

In vielem bin ich keine typische Frau, in einem jedoch schon: Ich brauche ständig eine Toilette. Da wir in Priego de Córdoba eine grosse Flasche Wasser getrunken hatten und im Auto auch stets den Durst löschten, war es bald soweit, dass meine Blase heftig drückte. Wir fuhren von der Autobahn ab und kehrten im erstbesten Café ein, das wir fanden. Als wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, suchte ich das stille Örtchen auf, wo ich einer Frau begegnete, die mir kichernd in Zeichensprache klarmachte, dass ich mich ins Männerklo begeben wollte. Erst dachte ich, sie sei eine Angestellte, aber bald schon merkte ich, dass sie ein Gast war - ein betrunkener Gast. Sie kippte einen Drink nach dem anderen und unterhielt sich glucksend mit der Bedienung, während sie immer wieder zu mir schaute. Dann kam sie zu mir, redete auf mich ein und als ich nicht verstand, ging sie wieder zur Kellnerin. Diese erklärte dann in gebrochenem Englisch, dass die Frau unsere Getränke übernehmen möchte. Mir war das überhaupt nicht recht und wollte bezahlen, doch das sei bereits erledigt. Mit schlechtem Gewissen verliessen wir dankend das Café und fuhren die letzten paar Kilometer Richtung Córdoba.


28.05. - 31.05.2017 - córdoba

nh córdoba guadalquivir

Das Hotel am schönen Guadalquivir war gut zu finden. Wir stellten unser Auto auf den Kurzzeitparkplatz vor dem Eingang und checkten ein. Das Personal war freundlich, aber viel reservierter, als in Granada. Wir bekamen ein schönes, geräumiges Zimmer mit Blick auf einen hässlichen Parkplatz hinaus. Etwas weiter links war die Mezquita zu sehen, das war schon viel besser. Wir parkierten unser Auto in der hoteleigenen Garage und zogen los, die Stadt zu erkunden.

juderia

      

Der Weg vom Hotel zur Altstadt war wunderschön. Erst ging man der baumgesäumten Strasse am Guadalquivir entlang, um nach ein paar Metern die Puente Romano zu überqueren.

Wir hatten Hunger, waren aber zu spät für ein Mittagessen und zu früh für ein Abendessen, trotzdem fanden wir ein hübsches Restaurant. Es hiess "La Tapería" und bot ein Tapas-Menü an. Wir bekamen Mazamorra, Ensaladilla, Alcachofas, Baclao Confi, Solomillo Iberico und Surtido de postre. War das lecker! Und das Ambiente sowie die Bedienung gefielen uns ausgezeichnet.

Nicht nur das Essen war toll, auch das Judenviertel "Juderia" mit seinen Gassen, Blumen und Geschäften. Es war touristisch, aber trotzdem verliebte ich mich sofort in Córdoba und wurde somit Granada untreu.

mezquita-catedral

     

Ich hatte bereits viele Bilder dieser alten Moschee gesehen und freute mich, sie nun selber zu sehen. Wir standen gleich früh am Morgen an, um zu einem Ticket zu kommen. Pünktlich öffnete der Schalter und der Ticketverkauf ging schnell. 

Als ich den gigantischen Raum der Mezquita betrat, war ich überwältigt. So gross hatte ich mir die Moschee nicht vorgestellt. Ausserdem war ich überrascht, dass sie aus einem einzigen, riesigen Raum bestand, der von zig wunderschönen Säulen gehalten wurde. Mitten in den Bogengängen befand sich eine Kathedrale.

Die Moschee wurde auf den Mauern einer westgotischen Basilika erbaut. Erst nach der Rückeroberung durch die Christen wurde die Moschee wieder zu einer Kirche, indem im Herzen der Moschee eine Kathedrale errichtet wurde. Der Mix aus christlichen und muslimischen Elementen machte das Gebäude zu etwas Aussergewöhnlichem.

jardines de la victoria mit mercado victoria

 

Ich liebe Markthallen, was eigentlich erstaunt, denn ich mag es überhaupt nicht, einkaufen zu gehen. Das fängt bei Lebensmitteln an und hört bei Kleidung auf. Auf jeden Fall wollte ich zur Markthalle Victoria, die im Jardines de la Victoria liegt und Reiner war sofort damit einverstanden.

Statt der erwarteten Gemüse-, Obst- und Fischstände erwartete uns ein herrlicher "Food Court". Draussen gab es einen hübschen, mit Stroh gedeckten Bereich mit Tischen und Stühlen. Reiner holte Getränke und Tapas und so verweilten wir ewig in dem tollen Ambiente und genossen das Kommen und Gehen der Einheimischen. Irgendwann spazierten wir durch den Park, beobachteten Enten und relaxten etwas, schliesslich hatten wir Ferien.

peña cultural

Das Hotel lud uns für Montag auf die Dachterrasse zu einem Folkloreabend ein. Gegen 22:00 Uhr trafen wir ein und waren vom Ausblick auf die Mezquita, den Guadalquivir und die Puente Romano fasziniert. Vor allem, als die Sonne unterging und die Lichter angingen, war es ein wundervolles Bild.

Der Chor "Los Limones" sang folkloristische Lieder über Córdoba. Die Kulisse war traumhaft und so wurde es ein netter Abend.

parque de miraflores

Als wir am Morgen dem Fluss entlanggingen, kamen uns sehr viele Spaziergänger mit ihren Hunden entgegen. Bis zum Miraflores Park begegneten uns bestimmt 20 Hunde. Was mir am Park selber gut gefiel, war die Tatsache, dass sich dort jeder aufhielt. Vom Penner, der auf der Parkbank schlief über Grosseltern, die mit ihren Enkeln spazieren gingen bis zu Joggern, die die frische Morgenluft genossen. Auch Männern in Businesskleidung konnten wir erblicken. Da sich im Park weder ein Café noch ein Kiosk befand, verliessen wir den Ort bald mal über die Puente de Miraflores.

plaza de la corredera und umgebung

Wir waren nicht weit von der Mezquita und der Juderia entfernt und trotzdem war dieses Quartier bereits viel weniger touristisch. In den Gassen quasselten alte Frauen miteinander, andere eilten von einem Termin zum nächsten, eine Schulklasse wartete auf den Eintritt in ein Museum.

Schliesslich landeten wir beim Plaza de la Corredera, ein grosser rechteckiger Platz. Am Rande des Platzes waren in den Arkaden der orangen, cremeweissen oder grünen dreistöckigen Backsteingebäuden viele kleine Restaurants untergebracht, die ihre Tische und Stühle auf dem Platz aufgebaut hatten. So langsam wurde das Frühstück abgeräumt und für das Mittagessen gedeckt. Fast jedes Restaurant hatte "Rabo de Toro" (deutsch: Ochsenschwanz) auf der Karte. Diese cordobésische Spezialität wollten wir probieren. Allerdings waren wir noch etwas früh dran, deshalb gingen wir durch die Markthalle - hier wurden Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst verkauft - durch die Arkaden und Gassen. In der "Taberna La Alquería" assen wir unter anderem den Ochsenschwanz und unsere erste Salmorejo. Alles war sehr köstlich.


31.05.2017 - córdoba - sevilla

frühstück in córdoba

Unser drittes und letztes Hotelfrühstück in Córdoba stand an. Wie die beiden Tage zuvor, war es wieder wunderbar. Eine grosse Auswahl liess keine Wünsche offen und wurde ständig aufgefüllt. Für solche wie uns, die gerne die lokalen Speisen probierten, gab es ein paar Leckerbissen aus der Region. Dann hiess es auschecken und weiterfahren.

madīnat az-zahrāʾ

Etwa 8km westlich von Córdoba liegt Madīnat az-zahrāʾ oder auch Medina Azahara (deutsch: die Stadt der Zahra) an einem Hang. Unterhalb der Ruinen der Palastanlage gab es einen grossen Parkplatz und ein Museum. Beim Museum kann auch das Busticket für die Fahrt zur Medina hoch erworben werden. Der Eintritt ins Museum selber ist für EU-Bürger kostenlos, andere zahlen einen kleinen Obulus. Die Ausstellung war ganz interessant. Spannender war aber die Ruine der Medina Azahara und der wunderschöne Blick auf das Tal und Córdoba selbst. Ich fand es auf jeden Fall ein lohnenswerter Ausflug auf dem Weg von Córdoba nach Sevilla.

carmona

 

Wir fuhren durch das maurische Stadttor und waren mitten in dem Städtchen, das auf dem Alcores, einem Höhenzug in der Zentralebene Andalusiens errichtet wurde. Viel war nicht los, wir sahen ausser einem Mann keine Menschen, bis ein kleiner Touristenzug durch die Gasse fuhr, in unserer Nähe hielt und ein Guide der Handvoll Engländern die Schönheit von Carmona näherbrachte.

Wir streiften etwas durch die Gegend, erfrischten uns in einer leeren Bar und verliessen den hübschen Ort wieder.


31.05. - 03.06.2017 - sevilla

hotel sevilla center

 

Wenn man sich auf der richtigen Strasse befand, konnte man das Hotel nicht verfehlen. Es war höher, als die umliegenden Gebäude. Wir parkierten in der hoteleigenen, öffentlichen Tiefgarage und bekamen ein grosses Zimmer in der 12. Etage mit einem tollen Blick über Sevilla, der vor allem beim Sonnenuntergang bezaubernd war. Das Bad und der Schlafbereich waren durch einen Gang getrennt. Ich fühlte mich sofort wohl.

Auf dem Stadtplan sah ich, dass sich in Hotelnähe eine Tapasbar befand. Die suchten wir auf. Draussen waren es 36°C und im Tapas Viapol gab es leckere Tapas. Ich glaube, dort verkehrten nur Einheimische, die in zweiter oder dritter Reihe stehend an der Bar ihre Tapas-Tellerchen balancierten und sich prächtig miteinander unterhielten.

öv

Sevilla ist gross und verfügt über ein gutes Bussystem. Sogar ein Tram gab es, auch wenn die Strecke nur sehr kurz war.

Ich hatte im Vorfeld recherchiert und herausgefunden, dass es eine Touristenkarte für einen (5€) oder drei Tage (10€) gab. So eine Tarjeta Turístca 3 días wollten wir haben. Doch woher bekamen wir die? Angeblich soll sie bei den Schaltern der METRO-Eingängen verkauft werden, doch bei der nächstgelegenen Haltestelle "San Bernardo" kannte keiner eine solche Karte - geschweige denn, dass einer sie verkaufen wollte.

Wir versuchten unser Glück bei der nächsten Haltestelle "Prado De San Sebastian" und tatsächlich wurden wir fündig. Es gab dort ein kleines Gebäude aus Metall (eine Blechkiste, würde man bei uns sagen). Dort wurden die Tickets verkauft. Dazu gab es noch einen Busnetzplan, von dem wir häufig Gebrauch machten. Nun konnten wir für die nächsten 72 Stunden in jeden Bus und jedes Tram einsteigen und fahren, wohin wir wollten.

catedral santa maría de la sede

  

Es wartete bereits eine ansehnliche Schlange auf den Einlass in die berühmte Kathedrale. Auch wir reihten uns ein und waren froh, dass wir die meiste Zeit im Schatten stehen konnten. Kurz vor dem Eingang befand sich ein sonniger Platz, doch keiner drängelte vor, wenn man eine Lücke liess und im Schatten wartete, bis der Eingang frei war.

Die Kathedrale selber ist gigantisch. Ich hatte geglaubt, die in Granada sei gross, aber die Kathedrale in Sevilla überbot alles. Was mich besonders faszinierte, waren die vielen Räume, die jeder für sich komplett anders ausgestaltet waren. Wir verbrachten mehrere Stunden mit Betrachten, Fotografieren, Herumgehen und Staunen. Die Besichtigung ist auf jeden Fall ein Muss für jeden Sevilla-Besucher.

plaza nueva

     

Der Plaza Nueva war die Endhaltestelle des Trams und für uns Dreh- und Angelpunkt für alle Unternehmungen in die Stadt. Vor dem Rathaus demonstrierten ein paar Bauarbeiter friedlich, bis ein Herr in Anzug herauskam und sich mit ihnen unterhielt. Ein einziger fiel etwas aus der Reihe, indem er herumschrie, wild gestikulierte und zackig auf der Strasse herummarschierte. Ich bin mir nicht mal sicher, ob der zu den Männern gehörte, oder ob es sich einfach um einen Spinner handelte.

Reiner und ich mögen es, uns einfach auf eine Bank zu setzen und die Leute zu beobachten. An diesem Platz war dies besonders interessant, weil immer irgendwas passierte. So spazierte ein älterer Mann gemächlich in unsere Richtung. Aus einer Tasche schaute Paulchen Panther heraus. Obwohl er offensichtlich geistig etwas zurückgeblieben war, wurde er von anderen Passanten geherzt und vor allem von Kindern bewundert. Der Mann - ich vermute ein Unikum, das man in der Stadt kannte - setzte sich neben uns auf die Bank und unterhielt sich mit älteren Frauen, die ebenfalls dort sassen. Leider verstand ich nichts und konnte auch nicht mitreden.

Kurz darauf kam eine Schulklasse vorbei. Die Jungs und Mädels waren schätzungsweise 12 Jahre alt. Eine hübsche, kleine Touristenfamilie mit einem zuckersüssen Baby im Kinderwagen spazierte über den Platz. Vom Aussehen her tippte ich auf Schweden. Die Mädchen der Schulklasse waren total verzückt vom Baby und eine nach der anderen ging zu ihm hin und streichelte es, womit sie den blonden Vater völlig in Verlegenheit brachten. Auch die Mutter schien über die Reaktion etwas verwirrt, nahm es aber mit Humor. Schliesslich trieb die Lehrerin die Klasse vorwärts und sie mussten sich vom Baby verabschieden.

"kreuzfahrt" auf dem guadalquivir

         

Die einstündige Fahrt auf dem Guadalquivir als Kreuzfahrt zu bezeichnen, hielt ich zwar für vermessen, amüsierte mich aber gleichermassen. Unweit des Torre del Oro lag die Anlegestelle für die Ausflugsschiffe. Wir kauften ein Ticket und warteten auf die Ankunft des Schiffes. Ein älteres Paar erklärte uns auf Englisch, dass wir in Córdoba im selben Hotel übernachtet hätten. Schliesslich stellten wir fest, dass es Deutsche waren und wechselten in die uns geläufigere Sprache. Die Hamburger waren wie wir zuvor in Granada und Córdoba unterwegs und hatten vor, ihre Ferien in Conil de la Frontera zu beenden. Ob wir uns in Conil wieder über den Weg laufen würden? 

Auf dem Schiff hatte es nur wenige Passagiere, so dass wir je nach Sonnenstand oder Ausblick den Platz wechseln konnten. Es war sehr gemütlich, allerdings auch kurz. Ich bin der Meinung, dass wir zu spät abgelegt und zu früh wieder angelegt hatten. Gefallen hatte es mir trotzdem. Auch die Hintergrundinformationen zu der Umgebung in mehreren Sprachen, waren sehr interessant.

metropol parasol

     

Früher war dort eine Markthalle und das ist heute noch so, wenn auch in kleinerer Form. Im Erdgeschoss des Bauwerks mit der pilzartigen, gigantischen Überdachung befand sie sich und b^t eine tolle Auswahl an frischen Fischen. Uns aber interessierte das begehbare Dach dieser Holzkonstruktion. Wir umrundeten das Gebäude einmal, bis wir den Zugang fanden, der durch das Untergeschoss führte. Mit dem Lift ging es hoch. Auf dem Dach verlief auf 21 bis 28m Höhe ein 250m langer Steg und eröffnete wunderbare Ausblicke über die ganze Stadt. Das Liftticket durfte man gegen ein Getränk eintauschen und so lernten wir den "Tinto de Verano" kennen, der anschliessend unser Lieblingsgetränk wurde. Besonders schön soll die Stimmung beim Sonnenuntergang sein, aber das schafften wir leider nicht. Es gibt bestimmt ein nächstes Mal!

die irrfahrt zum alcázar

Vom Metropol Parasol aus wollten wir zum Alcázar kommen. Mit der Tarjeta in der Tasche sollte das kein Problem sein und Busse fuhren ja zur Genüge. Doch der Bus, den wir erwischten, beendete seine Fahrt beim Plaza del Duque, wo wir gar nicht hinwollten. Zu Fuss wäre es rund 1km gewesen, aber wir hatten uns in den Kopf gesetzt, mit dem Bus zu fahren. Gemäss Netzplan sollte der Bus C5 vom Plaza del Duque losfahren und nach einer grossen Runde in der Nähe des Alcázar ankommen. Doch wir fanden einfach diese Haltestelle nicht. Wir schritten den Platz in jegliche Richtung ab, nichts zu sehen. Wir gingen durch eine Seitenstrasse und immer weiter in Richtung einer nächsten Haltestelle, hatten aber wieder kein Glück. Inzwischen wären wir vermutlich längst beim Alcázar angekommen. Der Fussmarsch hatte aber auch was Gutes: Wir lernten eine neue Gegend kennen und trafen bei einem kleinen Platz auf eine Schar süsse kleine Kinder in hübschen Kleidchen, die scheinbar in eine Kita oder so ähnlich gebracht wurden.

Nach langem Suchen standen wir dann an einer winzig kleinen Haltestelle und warteten auf den Bus. Es dauerte rund 1/4 Stunde, bis das kleine Fahrzeug kam. Darin befanden sich kurlige Leute. Die einen stiegen aus, die anderen zu, wir blieben und betrieben Sightseeing vom Bus aus. Bei der Haltestelle beim Plaza del Duque wurde mir klar, weshalb wir die nicht finden konnten: Sie war nur gegen den Platz hin mit einer kleinen Tafel beschriftet. Kam man hingegen vom Platz her, war nichts erkennbar.

Beim Puerta de Jerez stiegen wir aus und marschierten bei 38°C Richtung Alcázar und daran vorbei, als wir die lange Warteschlange in der prallen Sonne sahen. Dieses Bauwerk muss auf unseren nächsten Sevilla-Besuch warten, entschieden wir einstimmig.

plaza de españa

  

Bei 38°C gingen wir zum schönsten Platz in Sevilla, dem Plaza de España. Der halbkreisförmige Platz wurde im Zuge der iberoamerikanischen Ausstellung 1929 errichtet. Alle Stilrichtungen der spanischen Architekturgeschichte sollten darin vereint werden. Der Palacio Central in der Mitte wird von zwei Galerien zu den beiden 82m hohen Ecktürmen geleitet, die an die Giralda erinnern sollen. Die venezianischen Brücken über den Wasserlauf vor dem Gebäude sind mit Azulejos überzogen.

die besten churros con chocolate

Frittiertes zum Frühstück ist für uns eher ungewöhnlich, aber in Andalusien soll das eine Spezialität sein. Die Bar El Comercio mache angeblich die besten Churros. Das wollten wir testen.

Rund 550m vom Plaza Nueva aus befand sich die Bar. Wir waren ziemlich früh dran, weil wir noch weiter nach Conil de la Frontera wollten. Die Strassen von Sevilla waren ziemlich leer und der Rollladen zur Bar El Comercio nur halb geöffnet. Da aber bereits Leute an der Bar sassen, wollten wir trotzdem schon rein. Wir sollen in 10 Min. wiederkommen. Also gingen wir der Strasse entlang und landeten zu unserer Überraschung auf dem Plaza de la Encarnacion, wo sich der Metropol Parasol befand. Als wir schliesslich zurückkamen, war die Bar geöffnet und wir hofften, bezüglich der Qualität nicht enttäuscht zu werden.

Hinter der Theke war ein eingespieltes Team von drei Leuten: Ein Barkeeper mit "geschleckter" Frisur, der auch ein Torero hätte sein können und zwei eher rundliche Gesellen, die für das Toasten des Brotes, das Schneiden des Schinkens und die Zubereitung der Churros zuständig waren. Alle machten ein Gesicht, als ob sie überhaupt keinen Spass an ihrem Job hätten.

Der Barkeeper nahm die Bestellung auf und noch in der gleichen Sekunde warf er Untertellerchen, Löffelchen und Zucker in unsere Richtung und nur einen Augenblick später konnten wir unseren Café con leche schlürfen, der mir - wie immer in Andalusien - gut schmeckte. In der Zwischenzeit beobachteten wir, wie die Churros zubereitet wurden. Gleichzeitig mit dem fettigen Gebäck kam die Schokoladensauce. Die Churros waren dick, aussen knusprig und innen weich. Zusammen mit der Schokoladensauce ein sündiger Leckerbissen, den man sich einmal leisten muss.


03.06. - 07.06.2017 - conil de la frontera

hotel fuerte conil

Gemäss Buchung mussten wir zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr einchecken. Das kam uns nicht besonders gelegen, weil wir auf der Fahrt von Sevilla nach Conil einiges hätten anschauen wollen. Wir planten, um 12:00 Uhr einzuchecken und danach auf Erkundungsfahrt in die Umgebung zu gehen. Leider war unser Zimmer noch nicht fertig, als wir ankamen. Die, wie alle Angestellten des Hotels, deutschsprechende Rezeptionistin bot uns ein anderes Zimmer im Erdgeschoss an. Uns gefiel der Gedanke, vom Zimmer aus direkt in den Pool zu springen und suchten in dem riesigen Hotel nach dem entsprechenden Raum. Darin befand sich ein Babybett, für welches wir keine Verwendung hatten. Es würde entfernt, teilte man an der Rezeption mit. Ein paar Stunden später wurde es auch tatsächlich abgeholt und wir hatten Platz für unser Gepäck. Den Ausflug vertagten wir auf morgen.

Das Zimmer war schön und zweckmässig eingerichtet, die Hotelanlage riesig. Entsprechend gross und hübsch war auch der Pool mit seinen vielen Liegestühlen. Diese wurden jedoch von den überwiegend deutschen Touristen frühmorgens mit Handtüchern reserviert, so dass man kaum eine Chance hatte, einen solchen zu ergattern, obwohl das Reservieren von Liegestühlen an grossen Tafeln untersagt wurde.

Alles in dem Hotel war gross, auch das Frühstücksbuffet. Noch nie hatte ich so ein grosses Buffet gesehen. Die Qualität war gut, aber nicht so aussergewöhnlich, wie in Granada oder Córdoba, dafür um ein x-faches grösser. Das Personal im ganzen Haus war äusserst freundlich. Man merkte, dass es sich sehr um seine Gäste bemühte.

strand

Conil liegt am Atlantik, welcher bekanntermassen nicht besonders warm sein soll. Dieses Jahr hatte er bereits im Juni um die 20°C und ich war gespannt, ob ich darin baden würde.

Erstmal hielt ich bloss meine Zehen hinein, dann trat ich mit Knöcheln und Knien in den Ozean. Wegen der Wellen war ich innert kürzester Zeit vollkommen nass und hatte einen riesigen Spass, mich in die Fluten zu stürzen. Mir kam das Wasser überhaupt nicht kalt vor. Im Gegenteil, es fühlte sich einfach nur herrlich an.

Der Strand selber war ganz schön. Wir mieteten Liegestühle unter einem Sonnenschirm, verbrannten uns aber trotz des Schattens und der Sonnencrème mit Schutzfaktor 50 an den Beinen und Füssen.

conil

In Conil waren wir zum Entspannen und um uns die Gegend anzuschauen. Vom Städtchen selber sahen wir ausser ein paar Restaurants nicht viel. Auf jeden Fall probieren muss man den roten Thunfisch (auch Gelbflossenthunfisch), der hier frisch gefangen wird. Am besten schmeckte er roh als Sashimi, Carpaccio oder Tatar. Besonders lecker war "Mojama", das ist luftgetrockneter Thunfisch.

Am Samstag des Pfingstwochenendes war das Champions Leage Finale zwischen Juventus Turin und Real Madrid. In jedem Lokal lief ein Fernseher und vor allem die Männer sassen oder standen aufgeregt davor und feuerten Real an. Es half, denn Real gewann das Finale 1:4.

Nach dem Pfingstwochenende war das Städtchen wie ausgestorben. Einige Restaurants waren sogar geschlossen. Vermutlich warteten sie auf die Hochsaison. Nur im Hotel und am Strand war kein Unterschied festzustellen. Da waren immer noch sehr viele Deutsche unterwegs.

cádiz

   

Wir waren bereits ziemlich früh am Morgen in Cádiz. Die Leute waren beim Frühstück und wir bereuten, bereits gegessen zu haben, denn die Sachen liessen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Einen Kaffee gönnten wir uns trotzdem, bevor wir uns die Kathedrale anschauen wollten. Leider war diese noch geschlossen und so begnügten wir uns, durch die Gassen zu schlendern und ein paar Fotos zu schiessen.

vorbeigefahren

 

Wir fuhren durch das hübsche Städtchen El Puerto de Santa María, sahen die Strandbesucher in Rota und erhaschten einen Blick auf den Leuchtturm von Chipiona. Unsere nächste Station war:

sanlúcar de barrameda

    

Bevor wir uns ein Mittagessen gönnten, schauten wir uns die Gebäude etwas genauer an. Wir gingen hoch zur ehemaligen Iglesia de la Merced, vorbei am Rathaus und zum Castillo de Santiago. Aus dem Museum und Bodegas Barbadillo kamen Leute und wir machten den Fehler, daran vorbei zu laufen. Einen herrlichen Manzanilla gönnten wir uns nach unserem schweisstreibenden Spaziergang zum Mittagessen in der Barbiana Bar.

Der Kellner war einmalig. Gut gelaunt und mit Zeichensprache empfahl er uns Spezialitäten und sorgte dafür, dass wir uns wohl fühlten. Sein Trinkgeld hatte er sich redlich verdient.

jerez de la frontera

  

Hier wollte ich unbedingt einen Sherry trinken, weshalb ich Reiner durch die engsten Gassen trieb, bis er in einem sehr steilen und superengen Parkhaus das Auto abstellte. Wir gingen dann auch gleich in die nächste Bar und ich genoss einen Sherry, während Reiner leider verzichten musste, denn er wollte uns ja noch sicher nach Conil zurückbringen.

Wir schauten uns die Catedral de Jerez an und liefen am Tio Pepe vorbei zum Alcázar de Jerez. Der Park davor war von einem vorausgegangenen Fest zugemüllt. Das war schade, denn die violett-blau blühenden Bäume waren hinreissend.

Insgesamt hatte mich Jerez eher enttäuscht. Vielleicht lag es am falschen Tag oder an der falschen Zeit, dass so wenig Menschen unterwegs waren. Eine belebte Stadt strahlt sofort viel mehr Charme aus, als eine fast ausgestorbene.

playa la barrosa

Wir waren schon ziemlich spät dran, trotzdem wollte ich mir diesen Strand nicht entgehen lassen. Hätte ich allerdings gewusst, dass die Anfahrt so weit ist, hätte ich darauf verzichtet. Der Strand war schön, aber nicht besser, als derjenige von Conil. Ausserdem hielten sich viel mehr Touristen dort auf, die alle zur selben Zeit den Ort verliessen und so die Strassen verstopften.


07.06.2017 - conil - málaga

arcos de la frontera

    

Wir kamen an mehreren weissen Dörfern vorbei, von denen wir uns mehr versprochen hatten, bis wir in Arcos de la Frontera eintrafen. Der Fussmarsch hoch bis zur Iglesia de Santa María war zwar ziemlich anstrengend, aber lohnenswert. Die weissen Häuser und die strassenüberspannenden Bögen waren wunderschön. Touristen und Einheimische teilten sich die engen Strassen und Gassen.

Vom Balcón de la Peña Nueva aus hat man eine tolle Sicht auf die Umgebung. Etwas weiter fanden wir ein nettes, kleines Restaurant mit Tischen und Stühlen fast mitten auf der Strasse. Während wir uns erfrischten, konnten wir den Autos und dem kleinen Bus zuschauen, wie sie sich sicher durch die enge Gasse und um die Kurve manövrierten.

grazalema

  

Anschliessend fuhren wir durch die Sierra de Grazalema und stoppten im gleichnamigen Ort für einen Stadtspaziergang und ein paar Tapas. Im Gegensatz zu Villamartin und El Bosque gefiel uns Grazalema sehr gut. Lange hielten wir uns aber hier nicht auf, sondern fuhren weiter nach Ronda.

ronda

  

Auf Ronda und die berühmte "Puente Nuevo" über der tiefen Schlucht "El Tajo" freute ich mich schon lange. Etwas ernüchtert war ich, als wir durch das zwar hübsche, aber völlig von asiatischen Touristen überlaufene Städtchen fuhren. Ich hoffte, dass wir anhalten und zumindest ein Foto der Brücke schiessen konnten, doch dem war nicht so. Also kehrten wir um und parkierten unser Auto auf einem öffentlichen Parkplatz mitten in der Sonne. Selbst zu Fuss war es schwierig, einen guten Blick auf die hohen Bögen der Brücke zu erhaschen. Dazu wäre eine Wanderung hinunter erforderlich gewesen. Im Wissen darum, dass wir alles, was wir runterlaufen, auch wieder hochmussten, liessen wir es dabeibleiben.


07.06. - 10.06.2017 - málaga

hotel boutique teatro romano

Schräg gegenüber dem Teatro Romano befand sich unser Hotel. Wir stellten unseren Mietwagen in ein nahegelegenes, öffentliches Parkhaus. Der Hoteleingang war in der Fussgängerzone zwischen dem Burger King und dem Restaurant La Plaza. Die rund zwölf Zimmer befanden sich im ersten Stock. Wir wurden sehr herzlich begrüsst und informiert, dass das Frühstück im Preis inbegriffen sei. Das überraschte uns, denn gebucht hatten wir ohne Frühstück.

Das Zimmer gefiel uns sehr gut und das kleine, aber feine Frühstück genauso. Die charmanten Besitzer oder Angestellten gaben sich extrem viel Mühe, den Gästen die Wünsche von den Augen abzulesen. Das Hotel hatte viel Charme und die Lage mitten in der Altstadt war bestechend.

santa iglesia catedral basílica de la encarnación und umgebung

      

Auch diese Kathedrale wurde auf den Mauern einer Moschee erbaut. Wegen Geldmangels wurde nur einer der beiden geplanten Türme fertiggestellt, was der Kathedrale den Namen "La Manquita" (deutsch: kleine einarmige Dame) einbrachte. Der Innenraum war reich verziert, aber nicht mit einer Kathedrale von Granada oder gar Sevilla vergleichbar. So waren wir auch bald mit der Besichtigung fertig und wandten uns wieder dem Strassenleben von Málaga zu.

weinmuseum

Das Weinmuseum hatte das Ziel, die Weine aus Málaga noch bekannter zu machen. Die Ausstellung war auf zwei Etagen verteilt. Unten waren hauptsächlich alte Etiketten, Werbeplakate und Weinflaschen ausgestellt. Oben wurde die Geschichte des traditionellen Handwerks erzählt. Anhand der alten Gerätschaften wurde gezeigt, wie früher Wein hergestellt wurde. Das fand ich besonders interessant. Am Ende des Durchgangs gab es noch eine Weinprobe.

museo picasso

Meist sahen wir eine lange Schlange beim Eingang zum Picassomuseum, welches sich ganz in der Nähe unseres Hotels befand. Deshalb entschieden wir uns, gleich um 10:00 Uhr, wenn das Museum öffnet, dort zu sein. So hielt sich das Anstehen in Grenzen. Das Picassomuseum befand sich im Renaissancepalast Palacio de los Condes de Buenavista. Das Gebäude für sich war schon ein Besuch wert. Aber auch die Ausstellung selbst fand ich äusserst interessant. Auch wenn nicht die bekannten Werke ausgestellt wurden, so bekam man über den Audioguide sehr viel Hintergrundinformationen zu Picasso und seinem persönlichen sowie familiären Umfeld mit.

hafengebiet

    

Der Paseo del Parque war eine wunderschöne Parkanlage am Hafen. Hier beobachteten wir kleine und grosse Kinder beim Spielen. Manche waren geschickt, andere weniger, manche hübsch angezogen, andere weniger. Dasselbe galt für die Eltern und Grosseltern, die ihre Schützlinge kaum aus den Augen liessen.

Am Hafen selbst lag eine riesige und bestimmt sehr teure Yacht vor Anker. Während diese vor allem Reiners Aufmerksamkeit auf sich zog, so war ich mehr auf das Centre Pompidou Málaga fixiert. Die bunten Glasscheiben gefielen mir besonders gut.

Wir gingen den Paseo del Muelle Uno entlang bis zum Leuchtturm "La Farola De Málaga" und von dort zum Strand. Dieser war nicht nach unserem Geschmack. Wir entschieden, in Málaga nicht baden zu gehen. Es gab ja genug zum Besichtigen. Ausserdem waren wir vom Flair der Stadt so angetan, dass wir lieber wieder durch die Strassen flanieren und in die tollen Bars und Restaurants einkehren wollten.

mercado central atarazanas

  

Wie ich bereits in Córdoba beschrieben hatte, liebe ich Markthallen. Von daher war es für mich ein Muss, die Markthalle mit ihrem bunten Tor, dem Puerta de Ataranzas, anzuschauen. Drinnen begegneten wir vielen frischen Fischen und Meeresfrüchten, Fleisch, Gemüse und Obst. Würde ich in Málaga leben, würde ich vermutlich nur noch hierher zum Einkaufen kommen. Die einstige Schiffswerft von Málaga war absolut sehenswert.

drinks und tapas

Wir liessen es uns gut gehen, kehrten hier ein und tranken da ein Glas Weisswein oder einen Tinto de Verano. Auch die einen oder anderen Tapas wanderten in unseren Mund. Speziell erwähnen möchten wir ein paar Restaurants, die einen besonderen Eindruck bei uns hinterlassen hatten.

restaurante gastrobar 21 bou

Mir gefiel hier das Ambiente draussen an den hohen rustikalen Holztischen. Im Fenster hingen Schinken und Knoblauch. Ein Schinkenschneider schnitt Scheiben vom Ibérico ab, den wir natürlich kosten mussten. Schmeckte wie immer sehr gut.

pepa y pepe

Auf der Terrasse dieses Restaurants wollten wir ein paar Tapas zum Mittagessen einnehmen. Draussen waren über 30°C, aber trotzdem waren die Heizstrahler an. Wir mussten den Platz wechseln, sonst hätten wir es nicht ausgehalten. Das Essen selber war gut, aber nichts Besonderes.

cerveceria la sureña

Auch dieses Lokal erwähne ich nicht wegen der besonderen Qualität der Speisen, sondern weil es sehr preisgünstige Specials angeboten hatte. Zum Beispiel standen mit Eis und kleinen Bierchen gefüllte Blecheimer parat, von denen rege Gebrauch gemacht wurden. Auch zum Essen gab es zwei Gerichte zum Preis von einem. Leider sah ich an anderen Tischen viel Essen, das zurückging, weil die Leute einfach über ihren Appetit hinaus bestellt hatten.

la plaza Tapas

  

Dieses Restaurant lag unmittelbar unter unserem Hotel und neben dem berühmten El Pimpi. Es hatte einen schönen Aussensitzplatz mit Blick auf die Alcazaba. Für uns ein guter Ort, um einen Schlummertrunk zu genehmigen. Die Aussicht auf die schwach beleuchtete Alcazaba war wunderschön. Noch toller war es, als der Vollmond genau dahinter aufging. Leider liess sich das mit dem Handy nicht wirklich gut abbilden, aber in unserem Gedächtnis wird der traumhafte Anblick für immer bleiben.

el pimpi

Das El Pimpi ist eine einzigartige Bodega. Früher war das Gebäude ein Kloster und beherbergte vor dem Erwerb durch die Brüder Francisco und José Cobos einen Festsaal. Die beiden stammten aus Córdoba, was sich im Innern der Bodega manifestierte. Wie die Patios in Córdoba, wurde auch der untere Bereich des El Pimpi mit Blumen und Pflanzen geschmückt. Viele Berühmtheiten waren hier schon zu Gast - zum Beispiel die Familie Picasso, Carmen Thyssen, Antonio Banderas und viele mehr. Im unteren Bereich konnte man die Schnappschüsse von einigen berühmten Gästen an der Wand hinter der Bar bewundern.

Die Tapas waren gut, aber es gab bessere. Was aber einmalig war, war das Ambiente. Überall hingen Weinfässer, bunte Gemälde und eben die erwähnten Fotos. Auch wenn es inzwischen ziemlich touristisch war, fand ich einen Besuch lohnenswert. Schliesslich waren wir ja auch Touristen.

taberna cervantes

Die besten Tapas der Stadt soll es im El Tapeo de Cervantes geben. Das wollten wir prüfen, doch leider gab es keinen Platz mehr für uns. Wir konnten wählen, ob wir warten oder in "La Taberna de Cervantes" wollten, welches um die Ecke lag und durch die Frau des Besitzers des Tapeo geführt wurde. Die Küche sei dieselbe. Wir entschieden uns für die Taberna, die fast ausschliesslich von Frauen betrieben wurde. Wir wurden sowas von herzlich behandelt, als wären wir langjährige Freunde. Zum Essen bestellten wir einen Pulpo brasa und eine Entenbrust. War das lecker! Der Pulpo war super gewürzt und auf den Punkt gegrillt, die Ente kam mit einer köstlichen Sauce und schmackhaften Streuseln. Wir waren so begeistert, dass wir gleich für den Abend reservierten.

Auch am Abend bekamen wir Köstlichkeiten serviert. Ich liebe Blutwurst, also bestellten wir Morcilla. Ausserdem gab es noch Carrillada (deutsch: Schweinebäckchen) und ein Tatar de Gambon. Alles war wieder erstklassig und die Aufmerksamkeit der Bedienung sowie der Wirtin waren einmalig. Diese Aufmerksamkeit bekam auch ein alter Mann, der scheinbar öfters hier essen ging. Er setzte sich ans Fenster und trank einen Kaffee. Er wollte wissen, woher wir kämen. Er selbst war Ire, was ich nicht vermutet hätte. Nur sein Englisch war gewöhnungsbedürftig. Als Abschluss gab es für jeden Gast einen Limoncello. Der Ire liess seinen zurückgehen und als er sah, dass wir einen tranken, bestellte er seinen wieder, stiess mit uns an und gab seinen Limocello uns zum Trinken. Das war so süss.


10.06.2017 - málaga - basel

el torcal

 

Der letzte Tag brach an. Sollen wir in Málaga bleiben oder einen Ausflug unternehmen, bis unser Flieger Richtung Schweiz ging? Wir entschieden uns für den Ausflug. Auf Nebenstrassen fuhren wir nordwärts zu dem Gebirge "El Torcal". Es handelte sich um eine fantastische Karstlandschaft. Eine osteuropäische Reisegruppe war grad im Begriff, in dem Gebirge wandern zu gehen. Vorher stärkten sie sich aber lautstark im Restaurant, assen mitgebrachte Speisen und besetzten fast alle Tische.

Die Felsformationen und Aussichten auf das Tal waren wunderschön. Ich sah einen Steinbock in den Felsen, doch bis wir die Kamera gezückt hatten, war er verschwunden.

antequera

Viel sahen wir nicht von Antequera. Es gab keinen Parkplatz - vielleicht bemühten wir uns auch nicht wirklich darum - und so fuhren wir bloss daran vorbei. Vor der Einfahrt in das Städtchen auf einer Anhöhe gingen wir essen. Der Blick auf die Burg und die Stadt war sehr schön, das Essen sowie die Bedienung eher bescheiden. Schade, denn so wollten wir Andalusien nicht in Erinnerung behalten.

heimreise

Wieder in Málaga angekommen, fuhren wir zum Flughafen und gaben unser Mietauto bei Sixt ab. Die Übergabe verlief wie immer problemlos. Nun wollten wir unser Gepäck abgeben. Vor dem EasyJet-Schalter hatte sich bereits eine längere Schlange gebildet. Als wir endlich drankamen, hiess es, dass wir zu früh seien und noch eine halbe Stunde warten müssten. Ich ärgerte mich ziemlich, denn ich hätte die Zeit lieber sitzend, als stehend verbracht. Als es endlich Zeit war, war die Schlange doppelt so lang. Das Boarding verlief reibungslos, doch trotz den XL-Seats am Notausgang war es in diesem Flugzeug deutlich enger, als beim Hinflug.

Wohlbehalten kamen wir in Basel an, wo Eliseij, unser Kater, uns sehnsüchtig erwartete.


fazit

Ich hatte nicht erwartet, dass ich mich in ein Land oder eine Region so verlieben könnte. Es fing in Granada an und hörte in Málaga auf. Jede Stadt für sich hatte ihren besonderen Charme. Ich könnte nicht sagen, was mir am besten gefallen hätte. Besonders auch Málaga, von dem viele sagten, es hätte ihnen nicht so gefallen, eroberte mein Herz im Sturm. Es lag daran, dass sich hier nicht nur Touristen tummelten, sondern auch die Einheimischen auf den Strassen und in den Cafés waren. Die Stadt lebte und ich mit ihr.

kulinarisches

In den meisten Restaurants und Bars gab es Speisen in drei Grössen: Tapas (kleine Happen), media raciones (halbe Portionen) und raciones (Portionen). Am liebsten mochte ich es, wenn wir uns mehrere Tapas teilten und so eine grosse Vielfalt an verschiedenen Speisen versuchen konnten. Fast alles, was ich kostete, schmeckte mir ausgezeichnet. Wir probierten so ziemlich jede Spezialität, die angeboten wurde. Hier eine Liste der Speisen und Getränke (unsortiert und unvollständig), die uns auf unserer Reise serviert wurden:

  • Jamón Ibérico (iberischer Schinken): Ein echter Jamón Ibérico muss von schmackhaftem Fett durchzogen sein und schön glänzen. Wer ihn einmal probiert hat, wird keinen Rohschinken mehr im Discounter bei uns kaufen. Gute Qualität hat aber auch in Spanien seinen Preis. Für eine Portion (media ración) musste man mit rund 20€ rechnen.
  • Aceitunas (Oliven): Die wurden sehr, sehr oft zu einem Glas Wein serviert. Sie schmeckten sehr unterschiedlich. Meist waren sie ziemlich klein, grün und mit Stein. Manche waren leicht bitter, andere etwas feiner im Geschmack.
  • Tostada Tomate y Aceite (getoastetes Brot mit Tomaten und Olivenöl): Das war das beliebteste Frühstück der Andalusier und auch ich liebe dieses herrliche Brot. Neben den gehackten Tomaten kann es auch noch mit Ibérico-Schinken belegt sein, was es noch etwas edler macht.
  • Chocolate con Churros / Churros y Chocolate (Schokolade mit Churros): Die frittierten Teigstangen werden in die dickflüssige, heisse Trinkschokolade getunkt und zum Frühstück verspeist. Wenn die Churros frisch zubereitet wurden und die Schokolade die richtige Temperatur von 75° - 80°C hatte, war dies eine delikate Angelegenheit. Allerdings ist es nichts für Diätwütige.
  • Café con leche (Kaffee mit Milch): Ich trinke zu Hause keinen Kaffee, ausser es ist viel Milch drin (sprich: Latte Macchiato). In Andalusien kam ich auf den Geschmack, denn der Café con leche war ein milder, nie bitterer Kaffee in einem kleinen Glas mit etwas Milch. Er schmeckte immer sehr lecker und wurde auch von den Einheimischen gerne zum Frühstück getrunken.
  • Manchego mit Melasse, Baumnüssen und Rosinen: Diese Tapa wurde uns in einem Café zu einem Getränk serviert. Es war einfach, aber sehr lecker.
  • Habas con Jamón (Bohnen mit Speck): Die dicken, grünen Bohnen waren eine Spezialität in Granada, die auch ich sehr mochte.
  • Chipirones fritos (kleine, frittierte Tintenfische): Je nach Qualität waren diese Tintenfischchen ein Gedicht! Es konnte aber auch vorkommen, dass sie nicht ganz sauber ausgenommen wurden oder das transparente Fischbein noch drinsteckte.
  •  Berenjenas (Auberginen): Frittiert sahen sie wunderbar aus, aber meist waren die frittierten Gerichte in Andalusien nicht gewürzt und somit etwas fad.
  • Albóndigas (Hackbällchen): Wer kennt sie nicht, diese tollen Hackbällchen? Wir assen sie mehrfach, aber nie mit einer Tomatensauce, wie wir sie hier gewohnt sind. Ich glaube, jedes Restaurant hatte sein eigenes Rezept für Albóndigas.
  • Mazamorra (kalte Mandelsuppe): Ich hätte mich reinlegen können!
  • Ensaladilla (russischer Salat): Ich dachte, russischer Salat wäre ausser Mode. Doch in Andalusien gab es den in fast jedem Restaurant und wurde auch rege bestellt. Mir schmeckte er auch sehr gut, vor allem, wenn er mit frischen Zutaten zubereitet wurde.
  • Alcachofas (Artischocken): In einer Tapería bekamen wir sie cremig weich und so lecker, dass ich am liebsten den Teller ausgeleckt hätte.
  • Bacalao confitado (confierter Stockfisch): Bacalao ist in vielen südlichen Ländern eine Spezialität. Die Variante, wie wir ihn in einer Tapería in Granada serviert bekamen, schmeckte mir sehr gut.
  • Solomillo Ibérico (Schweinefilet vom Ibérico-Schwein): Reiner mochte das Fleisch sehr, egal ob mit Whiskey-Sauce oder kurz gebraten, ich ass andere Dinge lieber.
  • Salmorejo Cordobés (kalte cordobésische Suppe): Die kalte, dickflüssige Suppe aus der Region Córdoba wird meist als Vorspeise gegessen. Im Gegensatz zu einer Gazpacho ist sie deutlich dickflüssiger und es wird keine Gurke verwendet. Auch Peperoni gehört nicht in eine richtige Salmorejo. Die dickflüssige Konsistenz kommt von der Verwendung von Brot, das man aber nicht schmeckt.
  • Croquetas (Kroketten): Diese Kroketten gibt es aus verschiedensten Zutaten: Fisch, Schinken, Ochsenschwanz und Hühnchen waren die beliebtesten. Aber auch Kroketten aus Blutwurst wurden in Andalusien gerne gegessen. Ich hätte die frittierten Bällchen zu jeder Mahlzeit bestellen können.
  • Rabo de Toro (Ochsenschwanz): Dieses Schmorgericht ist eine Spezialität in Córdoba. Der Geschmack steht und fällt mit der Sauce. Wenn die gut abgeschmeckt war, schmeckte der Ochsenschwanz einfach nur himmlisch.
  • Espinacas rehogadas (sautierter Spinat): Neben den fisch- und fleischlastigen Speisen war eine Portion Spinat eine Wohltat.
  • Carne al Jerez (Fleisch mit Sherry): Ob Fleisch oder Champignons, vieles wurde mit einer Sherrysauce gekocht und bekam dadurch einen feinen Geschmack.
  • Morcilla frita (frittierte Blutwurst): Manche lieben sie, manche hassen sie, die Blutwurst. Ich liebe sie in jeder Variante und war sehr glücklich, sie auf der Speisekarte zu finden.
  • Ensalada de Papa (Kartoffelsalat): Eine beliebte Tapa ist der Kartoffelsalat. Es gibt ihn mit und ohne Mayonnaise, aber immer mit viel Olivenöl und sehr lecker. Die Andalusier hatten extrem schmackhafte Kartoffeln, wie ich sie in der Schweiz noch nie gegessen hatte.
  • Atún (Thunfisch): Gekochten Thunfisch mit Zwiebeln oder auf Kartoffelsalat war vor allem in der Nähe des Atlantik immer wieder eine Spezialität. Ich mochte den Thunfisch lieber roh oder luftgetrocknet.
  • Atún rojo (roter Thunfisch bzw. Gelbflossenthunfisch): Die Almadraba, der traditionelle Thunfischfang an der Costa de la Luz, beginnt Anfang März und endet im Frühsommer. Am besten schmeckte dieser frisch gefangene Thunfisch roh als Sashimi, Carpaccio oder Tatar, aber auch als Tataki war er herrlich.
  • Mojama (luftgetrockneter Thunfisch): Der Thunfisch wird luftgetrocknet und dünn aufgeschnitten mit Olivenöl serviert. Die Spezialität hat ein intensives Aroma. Sie wird auch Pata Negra vom Thunfisch genannt.
  • Pulpo al Ajillo (Krake in Knoblaucsauce): Frisch aus dem Meer schmeckte der Tintenfisch ausgezeichnet. Der Knoblauch, das Lieblingsgewürz der Andalusier, gab ihm ein besonderes Aroma.
  • Pulpo brasa (gegrillter Oktopus): Ein Gedicht!
  • Mejillones (Miesmuscheln): Dass diese Miesmuscheln kalt serviert würden, damit hatte ich nicht gerechnet. Der Geschmack war okay, aber dass der Bart noch drinsteckte, war nicht so meins. Ich werde keine Mejillones mehr bestellen, auch wenn ich ihnen damit vielleicht unrecht tue.
  • Langostinos (Garnelen): Preis war keiner angeschrieben, aber da es eine Spezialität in dem Lokal sein sollte, bestellten wir 6 Stück. Der Preis von 28€ war hoch, aber für die Qualität gerechtfertigt.
  •  Paella: Das spanische Reisgericht kommt aus der Region Valencia, wird aber auch in Andalusien immer mal wieder gerne gegessen. In Sevilla sahen wir sogar einen Velo-Paella-Lieferdienst. In eine grosse runde Kiste, die vorne am Fahrrad angebracht war, wurde die Paella gefüllt und dann fuhr der Kurier mit dem dampfenden Reisgericht davon.
  • Gebackener Camembert mit Preiselbeermarmelade: Ob dies typisch andalusisch ist, wage ich zu bezweifeln, aber das schmackhafte Gericht stand auf mehreren Speisekarten drauf.
  • Calamares Fritos (frittierte Tintenfischringe): Die kennt wohl jeder. Auch wir haben sie ein, zwei Mal gegessen und sie waren immer sehr zart und gut.
  • Entenbrust mit Zitrussauce und Streuseln: Göttlich!
  • Tatar de Gamarón (Garnelentatar): Mit viel Koriander schmeckte es sehr erfrischend.
  • Pimientos de Padrón (Grillpeperoni): Die grünen Spitzpeperoni werden kurz in Olivenöl frittiert und mit grobem Meersalz bestreut serviert. Sehr gut!
  • Carrillada (Schweinebäckhen): Das gelatinehaltige Fleisch wird geschmort und in einer schmackhaften Sauce serviert. Einfach köstlich!
  • Ensalada de Pimientos Asados con Rulo de Cabra Caramelizado (gegrillte Peperoni mit karamelisiertem Ziegenkäse): Auch nicht unbedingt typisch andalusisch, aber sehr lecker!
  • Espárragos Verdes al la Plancha con Lascas de Parmesano (Gegrillter, grüner Spargel mit Parmesan): Lecker!
  • Andalusischer Karottensalat: Sehr erfrischend
  • Tortillitas de Camarones (Krabbenküchlein): Krosse und sehr gut gewürzte, fettige Leckerbissen.
  • Cazón Adobo (gebeizter Katzenhai): Es war aussergewöhnlich, die Marinade war mir etwas zu intensiv. Reiner fand es sehr lecker und verputzte auch den Grossteil unserer halben Portion.
  • Manzanilla: Manzanilla ist ein trockener, gespriteter Weisswein, der zu der Gruppe der Sherrys gehört. Er wird ausschliesslich in Sanlúcar de Barrameda aus Mosten der Palomino Fino Rebe gekeltert und schmeckt mir besser, als der Fino, weil er feiner im Geschmack ist.
  • Fino: Dieser trockene Sherry reift unter einer dicken Florschicht ohne oxidativen Einfluss. Er verbringt drei bis zehn Jahre in der Solera. Er wird kühl als Aperitif oder zum Essen getrunken.
  •  Tinto de Verano (Sommerwein): Wörtlich übersetzt heisst das erfrischende Getränk "Dunkelfarbener vom Sommer" und so sieht er aus. Er besteht aus einem Gemisch aus Rotwein und Gaseosa (Zitronenlimonade) und wird mit Eiswürfeln und einer Zitronenscheibe serivert. Wir tranken ihn zwischendurch und zu den Mahlzeiten. Neben Weisswein war das mein Lieblingsgetränk auf unserer Rundreise durch Andalusien.