andalusien - eine neue liebe - 31.05. - 03.06.2017 - Sevilla

31.05. - 03.06.2017 - sevilla

hotel sevilla center

 

Wenn man sich auf der richtigen Strasse befand, konnte man das Hotel nicht verfehlen. Es war höher, als die umliegenden Gebäude. Wir parkierten in der hoteleigenen, öffentlichen Tiefgarage und bekamen ein grosses Zimmer in der 12. Etage mit einem tollen Blick über Sevilla, der vor allem beim Sonnenuntergang bezaubernd war. Das Bad und der Schlafbereich waren durch einen Gang getrennt. Ich fühlte mich sofort wohl.

Auf dem Stadtplan sah ich, dass sich in Hotelnähe eine Tapasbar befand. Die suchten wir auf. Draussen waren es 36°C und im Tapas Viapol gab es leckere Tapas. Ich glaube, dort verkehrten nur Einheimische, die in zweiter oder dritter Reihe stehend an der Bar ihre Tapas-Tellerchen balancierten und sich prächtig miteinander unterhielten.

öv

Sevilla ist gross und verfügt über ein gutes Bussystem. Sogar ein Tram gab es, auch wenn die Strecke nur sehr kurz war.

Ich hatte im Vorfeld recherchiert und herausgefunden, dass es eine Touristenkarte für einen (5€) oder drei Tage (10€) gab. So eine Tarjeta Turístca 3 días wollten wir haben. Doch woher bekamen wir die? Angeblich soll sie bei den Schaltern der METRO-Eingängen verkauft werden, doch bei der nächstgelegenen Haltestelle "San Bernardo" kannte keiner eine solche Karte - geschweige denn, dass einer sie verkaufen wollte.

Wir versuchten unser Glück bei der nächsten Haltestelle "Prado De San Sebastian" und tatsächlich wurden wir fündig. Es gab dort ein kleines Gebäude aus Metall (eine Blechkiste, würde man bei uns sagen). Dort wurden die Tickets verkauft. Dazu gab es noch einen Busnetzplan, von dem wir häufig Gebrauch machten. Nun konnten wir für die nächsten 72 Stunden in jeden Bus und jedes Tram einsteigen und fahren, wohin wir wollten.

catedral santa maría de la sede

  

Es wartete bereits eine ansehnliche Schlange auf den Einlass in die berühmte Kathedrale. Auch wir reihten uns ein und waren froh, dass wir die meiste Zeit im Schatten stehen konnten. Kurz vor dem Eingang befand sich ein sonniger Platz, doch keiner drängelte vor, wenn man eine Lücke liess und im Schatten wartete, bis der Eingang frei war.

Die Kathedrale selber ist gigantisch. Ich hatte geglaubt, die in Granada sei gross, aber die Kathedrale in Sevilla überbot alles. Was mich besonders faszinierte, waren die vielen Räume, die jeder für sich komplett anders ausgestaltet waren. Wir verbrachten mehrere Stunden mit Betrachten, Fotografieren, Herumgehen und Staunen. Die Besichtigung ist auf jeden Fall ein Muss für jeden Sevilla-Besucher.

plaza nueva

     

Der Plaza Nueva war die Endhaltestelle des Trams und für uns Dreh- und Angelpunkt für alle Unternehmungen in die Stadt. Vor dem Rathaus demonstrierten ein paar Bauarbeiter friedlich, bis ein Herr in Anzug herauskam und sich mit ihnen unterhielt. Ein einziger fiel etwas aus der Reihe, indem er herumschrie, wild gestikulierte und zackig auf der Strasse herummarschierte. Ich bin mir nicht mal sicher, ob der zu den Männern gehörte, oder ob es sich einfach um einen Spinner handelte.

Reiner und ich mögen es, uns einfach auf eine Bank zu setzen und die Leute zu beobachten. An diesem Platz war dies besonders interessant, weil immer irgendwas passierte. So spazierte ein älterer Mann gemächlich in unsere Richtung. Aus einer Tasche schaute Paulchen Panther heraus. Obwohl er offensichtlich geistig etwas zurückgeblieben war, wurde er von anderen Passanten geherzt und vor allem von Kindern bewundert. Der Mann - ich vermute ein Unikum, das man in der Stadt kannte - setzte sich neben uns auf die Bank und unterhielt sich mit älteren Frauen, die ebenfalls dort sassen. Leider verstand ich nichts und konnte auch nicht mitreden.

Kurz darauf kam eine Schulklasse vorbei. Die Jungs und Mädels waren schätzungsweise 12 Jahre alt. Eine hübsche, kleine Touristenfamilie mit einem zuckersüssen Baby im Kinderwagen spazierte über den Platz. Vom Aussehen her tippte ich auf Schweden. Die Mädchen der Schulklasse waren total verzückt vom Baby und eine nach der anderen ging zu ihm hin und streichelte es, womit sie den blonden Vater völlig in Verlegenheit brachten. Auch die Mutter schien über die Reaktion etwas verwirrt, nahm es aber mit Humor. Schliesslich trieb die Lehrerin die Klasse vorwärts und sie mussten sich vom Baby verabschieden.

"kreuzfahrt" auf dem guadalquivir

         

Die einstündige Fahrt auf dem Guadalquivir als Kreuzfahrt zu bezeichnen, hielt ich zwar für vermessen, amüsierte mich aber gleichermassen. Unweit des Torre del Oro lag die Anlegestelle für die Ausflugsschiffe. Wir kauften ein Ticket und warteten auf die Ankunft des Schiffes. Ein älteres Paar erklärte uns auf Englisch, dass wir in Córdoba im selben Hotel übernachtet hätten. Schliesslich stellten wir fest, dass es Deutsche waren und wechselten in die uns geläufigere Sprache. Die Hamburger waren wie wir zuvor in Granada und Córdoba unterwegs und hatten vor, ihre Ferien in Conil de la Frontera zu beenden. Ob wir uns in Conil wieder über den Weg laufen würden? 

Auf dem Schiff hatte es nur wenige Passagiere, so dass wir je nach Sonnenstand oder Ausblick den Platz wechseln konnten. Es war sehr gemütlich, allerdings auch kurz. Ich bin der Meinung, dass wir zu spät abgelegt und zu früh wieder angelegt hatten. Gefallen hatte es mir trotzdem. Auch die Hintergrundinformationen zu der Umgebung in mehreren Sprachen, waren sehr interessant.

metropol parasol

     

Früher war dort eine Markthalle und das ist heute noch so, wenn auch in kleinerer Form. Im Erdgeschoss des Bauwerks mit der pilzartigen, gigantischen Überdachung befand sie sich und b^t eine tolle Auswahl an frischen Fischen. Uns aber interessierte das begehbare Dach dieser Holzkonstruktion. Wir umrundeten das Gebäude einmal, bis wir den Zugang fanden, der durch das Untergeschoss führte. Mit dem Lift ging es hoch. Auf dem Dach verlief auf 21 bis 28m Höhe ein 250m langer Steg und eröffnete wunderbare Ausblicke über die ganze Stadt. Das Liftticket durfte man gegen ein Getränk eintauschen und so lernten wir den "Tinto de Verano" kennen, der anschliessend unser Lieblingsgetränk wurde. Besonders schön soll die Stimmung beim Sonnenuntergang sein, aber das schafften wir leider nicht. Es gibt bestimmt ein nächstes Mal!

die irrfahrt zum alcázar

Vom Metropol Parasol aus wollten wir zum Alcázar kommen. Mit der Tarjeta in der Tasche sollte das kein Problem sein und Busse fuhren ja zur Genüge. Doch der Bus, den wir erwischten, beendete seine Fahrt beim Plaza del Duque, wo wir gar nicht hinwollten. Zu Fuss wäre es rund 1km gewesen, aber wir hatten uns in den Kopf gesetzt, mit dem Bus zu fahren. Gemäss Netzplan sollte der Bus C5 vom Plaza del Duque losfahren und nach einer grossen Runde in der Nähe des Alcázar ankommen. Doch wir fanden einfach diese Haltestelle nicht. Wir schritten den Platz in jegliche Richtung ab, nichts zu sehen. Wir gingen durch eine Seitenstrasse und immer weiter in Richtung einer nächsten Haltestelle, hatten aber wieder kein Glück. Inzwischen wären wir vermutlich längst beim Alcázar angekommen. Der Fussmarsch hatte aber auch was Gutes: Wir lernten eine neue Gegend kennen und trafen bei einem kleinen Platz auf eine Schar süsse kleine Kinder in hübschen Kleidchen, die scheinbar in eine Kita oder so ähnlich gebracht wurden.

Nach langem Suchen standen wir dann an einer winzig kleinen Haltestelle und warteten auf den Bus. Es dauerte rund 1/4 Stunde, bis das kleine Fahrzeug kam. Darin befanden sich kurlige Leute. Die einen stiegen aus, die anderen zu, wir blieben und betrieben Sightseeing vom Bus aus. Bei der Haltestelle beim Plaza del Duque wurde mir klar, weshalb wir die nicht finden konnten: Sie war nur gegen den Platz hin mit einer kleinen Tafel beschriftet. Kam man hingegen vom Platz her, war nichts erkennbar.

Beim Puerta de Jerez stiegen wir aus und marschierten bei 38°C Richtung Alcázar und daran vorbei, als wir die lange Warteschlange in der prallen Sonne sahen. Dieses Bauwerk muss auf unseren nächsten Sevilla-Besuch warten, entschieden wir einstimmig.

plaza de españa

  

Bei 38°C gingen wir zum schönsten Platz in Sevilla, dem Plaza de España. Der halbkreisförmige Platz wurde im Zuge der iberoamerikanischen Ausstellung 1929 errichtet. Alle Stilrichtungen der spanischen Architekturgeschichte sollten darin vereint werden. Der Palacio Central in der Mitte wird von zwei Galerien zu den beiden 82m hohen Ecktürmen geleitet, die an die Giralda erinnern sollen. Die venezianischen Brücken über den Wasserlauf vor dem Gebäude sind mit Azulejos überzogen.

die besten churros con chocolate

Frittiertes zum Frühstück ist für uns eher ungewöhnlich, aber in Andalusien soll das eine Spezialität sein. Die Bar El Comercio mache angeblich die besten Churros. Das wollten wir testen.

Rund 550m vom Plaza Nueva aus befand sich die Bar. Wir waren ziemlich früh dran, weil wir noch weiter nach Conil de la Frontera wollten. Die Strassen von Sevilla waren ziemlich leer und der Rollladen zur Bar El Comercio nur halb geöffnet. Da aber bereits Leute an der Bar sassen, wollten wir trotzdem schon rein. Wir sollen in 10 Min. wiederkommen. Also gingen wir der Strasse entlang und landeten zu unserer Überraschung auf dem Plaza de la Encarnacion, wo sich der Metropol Parasol befand. Als wir schliesslich zurückkamen, war die Bar geöffnet und wir hofften, bezüglich der Qualität nicht enttäuscht zu werden.

Hinter der Theke war ein eingespieltes Team von drei Leuten: Ein Barkeeper mit "geschleckter" Frisur, der auch ein Torero hätte sein können und zwei eher rundliche Gesellen, die für das Toasten des Brotes, das Schneiden des Schinkens und die Zubereitung der Churros zuständig waren. Alle machten ein Gesicht, als ob sie überhaupt keinen Spass an ihrem Job hätten.

Der Barkeeper nahm die Bestellung auf und noch in der gleichen Sekunde warf er Untertellerchen, Löffelchen und Zucker in unsere Richtung und nur einen Augenblick später konnten wir unseren Café con leche schlürfen, der mir - wie immer in Andalusien - gut schmeckte. In der Zwischenzeit beobachteten wir, wie die Churros zubereitet wurden. Gleichzeitig mit dem fettigen Gebäck kam die Schokoladensauce. Die Churros waren dick, aussen knusprig und innen weich. Zusammen mit der Schokoladensauce ein sündiger Leckerbissen, den man sich einmal leisten muss.