andalusien - eine neue liebe - 25.05. - 28.05.2017 - granada

25.05. - 28.05.2017 - granada

hotel granada five senses rooms & suites

Der Haupteingang des Hotels befand sich an einer schmalen Querstrasse. Bevor wir lange nach dem Parking suchen wollten, stieg ich aus und fragte den entgegenkommenden Hotelangestellten danach. Er meinte, wir sollen das Auto für das Check-In mitten auf der Strasse stehen lassen, er würde es anschliessend parkieren. Vorher checkten wir aber noch ein und er brachte uns und das Gepäck aufs Zimmer. Wir bekamen ein hübsches Eckzimmer zur Calle Gran Vía de Colón und zur Calle Postigo Velutti, an welcher sich die gut besuchte Bar Saint Germain befand.

Das Personal war durchwegs herzlich und hilfsbereit. An der Rezeption bekamen wir viele Tipps für die besten Tapasbars, Sehenswürdigkeiten und auch einen Hinweis, wo wir unsere Alhambra-Tickets eintauschen konnten. Besonders angetan hatte es uns der Angestellte, der das kleine, aber extrem leckere Frühstück betreute. Er war klein, rundlich und witzig. Er erinnerte mich etwas an Danny DeVito. Als ihm eine Cocktailtomate von einem Teller fiel und zu uns entgegenrollte, meinte er verschmitzt, er sei Christiano Ronaldo.

Wie gut die Lage des Hotels wirklich war, bemerkten wir, als wir nach ein paar Schritten die Gran Vía entlang vor der Kathedrale standen. Auch zum Plaza Nueva, zur belebten Calle Elvira, zum Plaza del Carmen oder zur wegen ihren vielen Bars und Restaurants bekannten Calle Navas war es nicht weit.

catedral santa maría de la encarnación

Die Kathedrale ist die bedeutendste Renaissancekirche Andalusiens und Sitz des Erzbischofs von Granada. Der Bau begann Anfang 16. Jahrhundert im gotischen Stil und wurde über Jahrhunderte immer wieder ergänzt und verändert. Knapp 200 Jahre nach der Grundsteinlegung wurde sie für vollendet erklärt. Im Chorgewölbe gibt es zwei Reihen bunte Glasfenster, die biblische Geschichten erzählen. Ohne Audioguide, der im Eintrittspreis von 5€ enthalten war, hätte ich nicht gemerkt, dass die beiden Reihen von unterschiedlichen Künstlern in zwei verschiedenen Epochen gestaltet worden waren. Auch zu den beiden parallel angeordneten Orgeln oder dem normalerweise im Mittelschiff stehende Chor, der 1929 abgebrochen wurde, gab es Informationen.

corral del carbón

Als er 1336 von den Nasriden erbaut wurde, hiess er noch "Al-Funduq al-Gidida" oder "alhóndiga nueva" (neuer Getreidemarkt) und diente als "Karawanserei", eine ummauerte Herberge, in der Reisende Unterkunft und Verpflegung fanden. Den Namen Corral del Carbón (deutsch: Kohlenhof) gaben ihm die Christen nach der Rückeroberung Granadas durch die katholischen Könige. Das Gebäude mit einem von einer Galerie umlaufenden Innenhof diente nach der Vertreibung der Mauren als Lager der Holzkohlehändler, danach als Theaterbühne und später als Wohnhaus. Heute befinden sich Büros und Geschäfte darin.

alhambra

tickets

Wir hatten unsere Tickets bereits Monate im Voraus bei ticketmaster.es gekauft. Das war gar nicht so einfach, denn obwohl wir die Sprache auf Englisch stellten, waren die Beschreibung und der Kaufprozess in Spanisch, eine Sprache, deren wir nicht mächtig sind. Trotzdem konnten wir ein paar Minuten später unsere Tickets ausdrucken, die wir in Granada noch gegen "richtige" Tickets umtauschen mussten. Gemäss Recherchen im Internet sollte dies an Automaten "ServiCaixa" der Bank "La Caixa", an Verkaufsautomaten im Eingangspavillon der Alhambra oder an den Kassen der Alhambra möglich sein. Wir vertrauten dem Rezeptionisten und gingen zum Plaza del Carmen. Angeblich sollte sich so ein Schalter an der Ecke zur Calle Escudo del Carmen befinden. Dort wurden wir nicht fündig, aber am Platz befand sich das Tourismusbüro, also fragen wir dort nach. Die äusserst freundliche Dame rüstete uns mit einem Stadtplan aus und schickte uns einen Häuserblock weiter hoch zum Corral del Carbón (s.o.).

Im Erdgeschoss dieses historischen Gebäudes waren mehrere Büros angeordnet. Wir meldeten uns im ersten und wurden ein paar Türen weitergeschickt. Dort waren wir allerdings wieder falsch und auch das dritte Büro entpuppte sich als nicht richtig. Alle aber waren sie sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl inzwischen ganz schön viele Leute an den falschen Türen angeklopft hatten. Die angeblich richtige Tür zum Schalter war leider verschlossen. Daran klebte ein Zettel: "Bin in 5 Min. zurück" (deutsche Übersetzung). Wir warteten als vorderste einer inzwischen langen Schlange rund eine Dreiviertelstunde, bis eine Dame kam und uns aufschloss. Von da an ging es zackig: Kreditkarte in den Automaten stecken, Tickets rausnehmen, gehen.

busfahrt

Unsere Tickets für den Nasridenpalast waren für Samstag, den 27. Mai um 08.30 Uhr ausgestellt - der erste mögliche Einlass. Irgendwo hatte ich gelesen, dass man sich eine Stunde vorher bei der Alhambra einfinden sollte. Ob dies auch dann erforderlich war, wenn man im Besitz eines "richtigen" Tickets war, wusste ich nicht, aber wir nahmen auf jeden Fall mal den ersten Bus zur Alhambra hoch. Die Linie C3 fuhr um 7:22 Uhr vom Plaza Isabel la Catolica los. Am Steuer sass eine resolute Frau, die einem Taxifahrer, der uns an einem Rotlicht überholte, ganz schön die Meinung geigte. Als wir an der Alhambra nicht ausstiegen, fragte sie uns, wo wir hinwollten. Ganz die Kenner (wir hatten die Gegend bereits gestern auskundschaftet), antworteten wir, dass wir zum "Puerta de la Justicia" fahren wollten. Sie zeigte uns freundlich (wir waren auch überrascht, dass sie auch freundlich sein kann) das Tor, durch welches wir in die Alhambra eintreten konnten. Früher war das der Haupteingang zur Alhambra. Zeitweise diente es als Hinrichtungsstätte. Heute wird es als Nebeneingang genutzt. Da es keinen Ticketschalter gibt, muss man jedoch bereits im Besitz eines gültigen Tickets sein, um in die Paläste eingelassen zu werden.

nasridenpalast

   

    

Von da aus war es nicht weit bis zum Nasridenpalast, der schönsten arabischen Palastanlage Europas. Wir waren die ersten, was uns aber in Anbetracht des goldenen Morgenlichts nicht störte. Auch als langsam die Leute vom rund 850m entfernten Haupteingang her eintrudelten, ging es gesittet zu und her. Als wir dann eingelassen wurden, kam ich bereits im ersten Raum, dem "Mexuar" (arab. für Verwaltungstrakt) kaum aus dem Staunen heraus. Die filigranen Ornamente zeugten von hoher Baukunst. Gerne hätte ich die Reliefs gespürt, aber leider war das Berühren aus verständlichen Gründen verboten und so musste ich mich begnügen, die Handwerkskunst mit den Augen zu erforschen.

Als nächstes kam man in den "Cuarto Dorado" (deutsch: Goldenes Zimmer). Der Raum heisst wegen der im Mudéjarstil geschnitzten und bemalten Holzdecke so. Neben der spektakulären Decke - genau genommen sind es mehrere, verschiedene Decken - sind auch die blau-weissen Verzierungen an den Kapitellen sehenswert. In der Mitte des "Patio Mexuar" befindet sich ein niedriger, runder Brunnen und auch hier sind die Wände reich verziert. Der "Patio de los Arrayanes" (deutsch: Myrtenhof) ist gross und wird von einem langen Wasserbecken dominiert. Von da aus führen Türen in verschiedene, teilweise für Besucher gesperrte Räume. Einer der zugänglich war, ist der "Salón de Embajadores" (deutsch: Saal der Gesandten) im "Torre de Comares", der hinter dem "Sala de la Barca" liegt. Ich muss wohl nicht erwähnen, wie reich geschmückt auch hier die Wände und Decken waren.

Durch den "Sala de los Mocarabes" gelangten wir in den "Patio de los Leones" (deutsch: Löwenhof), in dem ein Schwarm Mauersegler geräuschvoll seine Runden drehte. Das war vielleicht ein Spektakel! Auf einmal waren alle Vögel weg und es wurde ruhig, denn auch die vielen Besucher hatten sich in dem grossen Palast verteilt. Inzwischen konnte ich sogar Fotos der Räumlichkeiten fast ohne störende Personen aufnehmen.

Im weiteren Verlauf kamen wir durch noch mehr wundervolle Räume und den "Patio de Lindaraja", der als Garten ausgebildet war. Tief beeindruckt verliess ich den Nasridenpalast und hatte fast schon keine Lust mehr, die übrigen Sehenswürdigkeiten der Alhambra anzuschauen, denn sie konnten niemals mit dem Nasridenpalast mithalten. Deswegen wäre es vielleicht besser, ihn am Schluss zu besuchen. Trotzdem würde ich es wieder so machen, denn weniger Leute, als am frühen Morgen, wird es wohl nie haben.

generalife

  

Generalife liegt so ziemlich auf der anderen Seite des Nasridenpalastes. Das hiess rund 950 m Fussweg durch den wunderschönen "Jardines del Paraiso" und vorbei am "Torre de las Damas", am "Torre de los Picos" (deutsch: Turm der Zinnen), am "Torre del Cadí", am "Torre de la Cautiva" (deutsch: Turm der Gefangenen), am "Torre de las Infantas" (deutsch: Turm der Infantinnen), am "Torre del Cabo de la Carrera" (deutsch: Turm am Ende der Rennbahn) und am "Torre del Agua" (deutsch: Wasserturm).

Genau genommen gehören der "Palacio de Generalife" und seine Gärten nicht mehr zur Alhambra, sondern sie liegen östlich gegenüber der eigentlichen Alhambra. "Generalife" (deutsch: Garten des Architekten) gehört seit 1984 zum UNESCO Weltkulturerbe. Der Palacio de Generalife diente den Nasriden-Sultanen als Sommerpalast und Landsitz. Im Vergleich zum Nasridenpalast ist er ein eher unscheinbares Bauwerk, trotzdem ist vor allem der Aussenbereich mit seinen Gärten und Wasserspielen wunderschön anzuschauen. Einziges Ärgernis waren viele rücksichtslose Asiaten, die sich vordrängelten oder sich einem vor die Kamera stellten, um für ihr Foto zu posieren.

übrige Alhambra

   

Inzwischen war es wohl gegen Mittag und die Maisonne hatte die Luft auf rund 35°C erwärmt. Wir nahmen den südlichen Weg zurück und gingen am Palast Karls V. vorbei, denn auf einen Museumsbesuch hatten wir keine Lust. Unser letztes Ziel war die Mauer der Alcazaba, die an der Westseite des Zisternenplatzes verläuft. Von den Ecktürmen aus hat man einen wunderschönen Blick auf Granada. Den schönsten Rundblick soll man vom 26m hohen "Torre de la Vela" über dem westlichen Vorwerk haben, doch unser Bedarf an Treppen war für den Moment gedeckt.

albaicín

         

Wir liessen uns treiben und gingen kreuz und quer durch die Gassen von Albaicín, dem ältesten Stadtviertel Granadas. Da dieser Stadtteil auf einem Hügel liegt, bedeutete dies auch einige Höhenmeter in der warmen Nachmittagssonne. Da hatten wir uns einen Drink verdient. Wir beobachteten bei einem kühlen Glas Weisswein und leckeren Oliven die Einheimischen bei ihrem späten Mittagessen und den kleinen Bus, der sich sicher durch die engen Gassen schlängelte. Nächstes Mal wollten wir auch mit dem Bus hier hochfahren.

Gestärkt gingen wir weiter und kehrten am nächsten Platz wieder ein. Schliesslich landeten wir beim Mirador de San Christobal, von wo aus man einen schönen Blick über die Stadt hat. Leute kamen und gingen, wir blieben. Unangenehm war eine Busladung voller Asiaten, die sich ohne Rücksicht auf Verluste zum Aussichtspunkt drängelten. Zum Glück waren sie schnell wieder weg und wir hatten den Platz wieder für uns. Das Abwärtslaufen war noch fast anstrengender, als das Hochgehen, denn die steilen Gassen waren deutlich in den Knien zu spüren. 

Am nächsten Abend nahmen wir den Bus hoch zum Mirador San Nicolás. Der Platz war voller Menschen, die die Abendsonne genossen, dem Spiel von Strassenmusikern lauschten oder Kleinigkeiten zum Kauf anboten. Der Blick auf die Alhambra, die im goldenen Licht leuchtete, war wundervoll und die Stimmung herrlich. Für einmal störten mich auch die vielen Menschen nicht, denn die belebten diesen wunderschönen Platz.

weitere erlebnisse in Granada

andalusier

 

Als wir vom Alhambra-Besuch zurückkehrten, um uns im Hotelzimmer etwas auszuruhen, war die Innenstadt voller Polizei. Die Gran Vía entlang waren Traktoren und Pferde mit geschmückten Wagen abgestellt. Reiter und Frauen in schönen Gewändern standen herum und unterhielten sich oder warteten. Gemäss Auskunft des Rezeptionisten versammelten sich die Andalusier, um gemeinsam für ein Rodeo zu einem Dorf, dessen Namen ich nicht verstand, aufzubrechen.

Nach einer kurzen Siesta gingen wir zum Plaza Nueva. An den Strassenrändern standen Schaulustige und auf der momentan für den motorisierten Verkehr gesperrten Calle Reyes Católicos warteten unzählige Reiter und Reiterinnen auf den Abmarsch. Ob dabei die andalusischen Pferde oder die Menschen in ihren schönen Gewändern stolzer waren, vermochten wir nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall war es ein eindrucksvolles Spektakel.

essen und trinken

In Granada gibt es zu jedem alkoholischen Getränk eine Gratis-Tapa. In manchen Cafés bekamen wir sogar zu einem Wasser eine Leckerei. Die Vielfalt war gross und immer sehr gut.

Eines unserer Lieblingsrestaurants in Granada war "La Gran Taberna" am Plaza Nueva. Dass wir hier einkehrten, lag daran, dass wir in der nebenan liegenden Tapasbar "Los Diamantes", die uns vom Hotel empfohlen wurde, keinen Platz fanden. Wir grämten uns jedoch nicht, denn das Essen und Ambiente in La Gran Taberna gefiel uns sehr gut. Die Bedienung war etwas "schnodderig", woran wir uns aber schnell gewöhnten.

Nicht ganz so gut gefallen hat mir die Calle Navas, die für meinen Geschmack zu touristisch war. Wir assen trotzdem mal dort, aber waren nicht so begeistert, wie von den anderen Restaurants, die wir zufällig fanden.

feiern

Am Samstagabend war die Stadt voller junger Leute, die feierten. Erst dachte ich, es handle sich um Fans einer Fussballmannschaft, die fröhlich auf den Strassen sangen und tanzten. Aber dann sah es eher aus, wie eine Junggesellenabschiedsparty, denn viele der jungen Leute waren verkleidet. Dann hätten allerdings mehrere Hochzeiten stattfinden müssen, denn es waren unzählige Gruppen unterwegs. Mehrheitlich handelte es sich um Männer, teilweise in Frauenkleidern, aber es gab auch Frauengruppen. Eine davon, alle Mädels trugen blaue Perücken, trafen wir in der Calle Elvira und später auf dem Mirador San Nicolás wieder.

abschied von granada

Als ich am Sonntagmorgen aufstand, wollte ich alles, nur nicht weg von hier. Ich hatte mich in die Stadt verliebt. Was kann Córdoba mir bieten, was Granada nicht hat? Ich schaute auf die Gran Vía runter, wo grad hunderte von Läufern vorbeirannten. War das ein Wink des Schicksals? Kamen wir hier nicht mehr fort? Nie mehr?

Doch, kamen wir. Wir checkten aus, warteten, bis unser Auto gebracht wurde und brausten davon - nicht ohne noch einen wehmütigen Blick zurückzuwerfen.